# taz.de -- Führerschein soll billiger werden: Nicht aus Nettigkeit zur Jugend
       
       > Die Führerscheinreform soll den Lappen bis zu 1.000 Euro billiger machen.
       > Wer braucht sowas, wenn man sich Wohnung und den Wocheneinkauf kaum
       > leisten kann?
       
 (IMG) Bild: Teures Plasik: der Führerschein
       
       Ich bin gerne Beifahrer, liebe es mich von meinen Freund*innen durch die
       Welt kutschieren zu lassen. Und in absehbarer Zeit habe ich auch nicht vor,
       etwas an meinem Beifahrerdasein zu ändern. In Berlin komme ich mit dem
       Fahrrad und den Öffis ohnehin problemlos von A nach B und bin dazu noch
       schneller als mit dem Auto.
       
       Die Möglichkeit hätte ich an sich trotzdem gerne. Wer weiß? Vielleicht
       möchte ich mich irgendwann in den ländlichen Peripherien des schönen
       Berliner Umlands niederlassen – und da braucht man, oh Wunder, einen
       Führerschein. Denn den 5-Minuten-Takt der Berliner U-Bahnen gibt es dort
       nicht. Der Zugang zum Führerschein bleibt mir und vielen anderen
       GenZler*innen bei einem durchschnittlichen Preis von 3.400 Euro pro
       Führerschein jedoch weitestgehend verwehrt.
       
       Ohne finanzielle Unterstützung der Eltern, dem Sparkonto von Omi oder Opi,
       einem Lottogewinn oder Frühverschuldung ist es beinahe unmöglich, sich den
       Führerschein während der Lehre oder des Studiums leisten zu können. Aber
       das könnte sich jetzt ändern.
       
       ## Nicht der Führerschein bereitet Sorge, sondern der Einkauf
       
       Denn im Bundestag wird über die Führerscheinreform abgestimmt. Die soll vor
       allem das bürokratische Prozedere vereinfachen und so einen günstigeren
       Führerschein liefern. Üben mit Mama oder Papa auf dem Beifahrersitz ist
       auch eingeplant. Was dem Staat zu teuer ist, können jetzt die Eltern
       übernehmen. [1][Bis zu 1.000 Euro soll man so sparen, sagt Verkehrsminister
       Bilger]. Steuergeld kostet das alles keinen Cent.
       
       Vor allem für junge Menschen vom Land ist ein günstigerer Führerschein
       wichtig und gut. Für den Großteil der GenZler*innen ist es aber nicht
       der Führerschein, der Sorgen macht, sondern die Lebensmittelpreise, das
       alltägliche Leben, das Bierchen, das man sich mal gönnen will.
       
       Dass der Führerschein und damit die Möglichkeit, etwa mit dem Auto
       einkaufen zu fahren, ab nächstem Jahr also günstiger sein soll, ist für
       jene Menschen ziemlich egal, die erstmal gucken müssen, ob sie sich den
       nächsten Einkauf leisten können. Und auch für Menschen in der Stadt wären
       andere Reformen – wie die kostenlose [2][Nutzung des ÖPNV] oder der Ausbau
       von Fahrradwegen – sinnvoller.
       
       Da hilft auch kein soziales Framing. Wie das vom ehemaligen
       Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der von Mobilität als „Teil der
       öffentlichen Daseinsvorsorge“, die „kein Privileg“ sein dürfe, spricht.
       Denn die Führerscheinreform ist bei Weitem keine Sozialreform.
       
       ## Sozialer Aspekt nur vorgeschoben
       
       Auch weil nicht alle von ihr profitieren werden: Beifahren darf nur, wer
       seit sieben Jahren ununterbrochen den Führerschein hat, höchstens einen
       Punkt in Flensburg kassiert hat und das Ganze unentgeltlich macht – im
       eigenen, passend versicherten Auto. Ein Teil der Ersparnis bekommt also,
       wer ohnehin ein Familienauto vor der Tür stehen hat. Und nur weil man sich
       den Führerschein mit der Reform eher leisten kann, heißt das nicht, dass es
       beim Auto, Sprit oder der Versicherung auch so ist.
       
       Stattdessen dienen diese Reformen der Autoindustrie. Kein Wunder: Die
       deutsche PKW-Industrie steckt derzeit in ihrer mitunter [3][größten Krise].
       In Dagobert Ducks Augen glitzern die Dollarzeichen, in Merz’ Augen
       wahrscheinlich der Dieselverbrenner.
       
       Dass die Bundesregierung nicht aus Nettigkeit und sozialem Anspruch
       handelt, zeigte sich dieser Tage recht deutlich. Etwa als verkündet wurde,
       dass rund jeder dritte Wohngeldhaushalt durch [4][die Wohngeldreform]
       seinen Anspruch verlieren könnte – vor allem Rentner*innen. Wohnen, anders
       als der Führerschein, darf wohl ein Privileg bleiben.
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] /Autoindustrie-in-der-Krise/!6226993
 (DIR) [4] /Wut-wegen-Wohngeldkuerzungen/!6227274
       
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