# taz.de -- Cannabis made in Berlin: Gras to go
> Im Hanfmuseum ist Cannabis bald als Genussmittel erhältlich. Bedingung:
> Man muss Mitglied bei dem Verein Lucas Green werden. Aber das ist
> einfach.
(IMG) Bild: Allseitige Freude über die neue Kooperation bei den Akteuren von Hanfmuseum und Lucas Green
Lucas Green ist auf dem besten Wege, in die Geschichte des Hanfs
einzugehen. Am 12. 12. um 12.12 Uhr öffnet der Cannabisanbauverein im
Nikolaiviertel eine Ausgabestelle. Mitten in der City, dazu noch im
Berliner Hanfmuseum. Besser geht’s nicht, denn im Hanfmuseum schließt sich
der Kreis. In den Ausstellungen rund um [1][Cannabis als Nutz- und
Kulturpflanze] wird der lange Weg von der Prohibition zur Teillegalisierung
aufgezeigt. Und nun kann man vor Ort auch noch Gras kaufen. „Das ist ein
großer Moment für Berlin“, freuen sich Madeleine Lengert und David Boldt,
die bei Lucas Green die Geschäfte führen.
[2][Lucas Green ist einer von 15 zugelassenen Anbauvereinen in der
Hauptstadt]. In einer Fabriketage auf einem Gelände in Weißensee, das
früher ein Stasi-Munitionslager war, züchtet der sogenannte Cannabis Social
Club (CSC) Marihuana, nur dort konnten die Mitglieder dieses bislang
abholen. Bis zu 50 Gramm pro Monat erlaubt das Konsumcannabisgesetz
(KCanG), das im April 2024 in Kraft trat. Nun hat das für die
Anbauvereinigungen zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin
(Lageso) Lucas Green eine zweite Abgabestelle in der Innenstadt genehmigt.
Viel zu sehen ist nicht, als die taz am Dienstag im Hanfmuseum einen Blick
hinter die Kulissen wirft. Ein kleiner möblierter Raum im Keller wird
künftig als Ausgabestelle dienen. Regulär wird diese ab dem 7. Januar
geöffnet sein, immer donnerstags, freitags und samstags von 15 bis 20 Uhr.
In der Weihnachtszeit gibt es aber Sonderöffnungszeiten. Die Abgabe von
Cannabis erfolgt ausschließlich an Vereinsmitglieder.
Vor dem Eingang des Museums wird dann aber stets eine Stelltafel mit einem
QR-Code stehen, über den man sich als Neumitglied online registrieren und
sofort im Keller Cannabis shoppen kann. Darf es Bananacoda sein, wie eine
der Sorten heißt, oder Cap Junky oder vielleicht doch lieber Purple Octain?
Ein Konsum vor Ort allerdings ist nicht gestattet.
## Museum hofft auf mehr Besucher
Lucas Green muss für die Nutzung des Raums keine Miete zahlen, man bedanke
sich dafür mit einer Spende in Form einer Dauereintrittskarte, erzählt
Boldt bei dem Treffen mit der taz, an dem auch Lengert und der
Geschäftsführer des Hanfmuseums, Ferdinand Siebert, teilnahmen. Warum
bietet das Museum diese Möglichkeit ausgerechnet Lucas Green? In der
Cannabisszene zeichne sich der Verein „durch eine außergewöhnlich hohe
Zuverlässigkeit aus“, sagt Siebert. Natürlich erhoffe sich das Museum
dadurch auch mehr Besucher. Der Andrang zu den Ausstellungen, die zum Teil
ein bisschen wie ein Relikt aus Hippiezeiten anmuten, scheint eher
überschaubar zu sein.
Madeleine Lengert, geboren 1989 in Luckenwalde, und Boldt, 40 Jahre alt, in
Lichtenberg aufgewachsen, sind ein produktives Gespann. Spürbar war das
schon im März, als die taz die Fabriketage in Weißensee besuchte.
Hauptberuflich betreiben die beiden eine Eventagentur. Ziemlich
erfolgreich, wie es scheint, denn die Investitionen in den Verein haben sie
eigenen Angaben zufolge gestemmt, ohne sich zu verschulden. 200.000 Euro
haben das mit einer aufwendigen Technik ausgestattete Indoor-Gewächshaus
und die Sicherheitsmaßnahmen, die vom Landeskriminalamt abgenommen werden
mussten, gekostet. Auch die moderne Küche und der Versammlungsraum für das
„Community-Building“ können sich sehen lassen.
Vorreiter, das waren Lengert und Boldt auch, als sie 2024 als Erste beim
Lageso eine Genehmigung für die Gründung eines CSC beantragten. AG001
lautet die Nummer ihres Antrags. Im August 2025 bekamen sie die Erlaubnis.
Zwei Ernten hat Lucas Green inzwischen eingebracht, die dritte steht kurz
bevor.
10 bis 14 Euro bezahlen Mitglieder für das Gramm Cannabis. Auf den
Etiketten der Portionspackungen mit den Sortennamen sorgen Chargennummer
und Angaben zu THC- und CBD-Gehalt für Übersichtlichkeit und Transparenz.
Öko werde beim Anbau großgeschrieben, betont das Führungsduo. Die gesamte
Ernte werde von mehreren Laboren geprüft.
„Unser Cannabis ist mehr als made in Berlin“, Lengert sagt das am Dienstag
bei dem Treffen im Hanfmuseum nicht ohne Stolz. „Wir können genau
nachweisen, was drin ist.“ Bei medizinischem Gras, auf Rezept in Apotheken
erhältlich, sei das nicht der Fall, ist Boldt sicher. Da könne man sich
nicht darauf verlassen, stets dasselbe Material zu bekommen. Es gebe
Patienten, die deshalb zu Lucas Green abgewandert seien. Das in Apotheken
erhältliche Cannabis sei ein Massenprodukt, auch der Geschäftsführer des
Hanfmuseums, Siebert, bestätigt das. „Zu trocken, kratzig, und es schmeckt
auch nicht so gut.“
Bis zu 500 Mitglieder darf ein CSC haben. Im März hatte Lucas Green 50
Mitglieder, inzwischen sind es 135. Anbauvereine dürfen keinen Gewinn
machen, aber auf den hohen Investitionskosten und Fixkosten können und
wollen sie natürlich auch nicht sitzen bleiben. Die drei Gärtner von Lucas
Green beispielsweise sind bezahlte Kräfte. [3][Anders als telemedizinische
Plattformen, die bislang offensiv für den Verkauf von Cannabisblüten zu
medizinischen Zwecken ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt werben
konnten, ist den CSCs Werbung untersagt]. Wenigstens einen
Instagram-Account dürfe man inzwischen haben, aber nur um Infomaterial zu
verbreiten, sagt Lengert.
## Keine Schule, keine Kita in der Nähe
Einen Mitgliederschub erhofft sich Lucas Green nun vom Standort der neuen
Ausgabestelle. Nicht nur Cannabiskonsumenten mit einem Handicap empfänden
den Weg nach Weißensee als weit und beschwerlich. Um mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln dorthin zukommen, muss man mehrmals umsteigen.
Das Hanfmuseum ist da geradezu ideal. Am Mühlendamm 5 gelegen, mitten in
Berlin, es besteht ein inhaltlicher Bezug und weit und breit gibt es weder
Schulen noch Kitas. Laut Gesetz dürfen sich Anbauvereinigungen nicht im
Abstand von 200 Metern zu Kinder- und Jugendeinrichtungen ansiedeln. „80
Prozent der Innenstadtfläche scheidet demzufolge aus, irgendwo findet sich
immer eine Einrichtung“, weiß Siebert.
Das Lageso teilte auf Nachfrage mit, von den 15 zugelassenen Anbauvereinen
hätten zwei eine Erlaubnis für zwei Abgabestellen erteilt bekommen. Eine
weitere Erlaubnis für eine zweite Abgabestelle sei beantragt.
Am 12. Dezember macht Lucas Green die Zweitstelle auf, kurz zuvor, am 6.
Dezember, feiert das Hanfmuseum sein 32-jähriges Bestehen. Ohne Atem zu
holen, rattert Siebert die wichtigsten Daten runter: „1994 Museumsöffnung,
1996 Legalisierung des Anbaus von Nutzhanf, 2017 Medizinal-Cannabis auf
Rezept erhältlich, 2024 Cannabis zu Genusszwecken.“
Mit der Abgabestelle im Keller würden die vielen Facetten der
[4][Hanfgeschichte im Museum] nun auch praktisch sichtbar. Er selbst werde
dem Verein Lucas Green natürlich auch beitreten, betont Siebert. „Ich freue
mich schon, meine Blüten in Empfang zu nehmen.“
6 Nov 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Plutonia Plarre
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