# taz.de -- Protest bei Harry Potter Store-Eröffnung: Wie viel Blut klebt am Zauberstab?
       
       > Die Eröffnung eines Harry-Potter-Ladens in London wird zum Fan-Spektakel.
       > Protest gegen J.K. Rowlings transfeindliche Aktivitäten erstickt im
       > Konsumrausch.
       
 (IMG) Bild: Der richtige Zauberstab findet einen in neuen Harry Potter Flagshipstore in London bestimmt
       
       Die Rufe sind bereits von Weitem zu hören: „Trans rights are human rights“,
       [1][„Transrechte sind Menschenrechte“], oder „How many people have to
       die?“, „Wie viele Menschen müssen noch sterben?“
       
       Eine Gruppe von sieben Menschen steht auf der belebten Einkaufsstraße
       Oxford Street im Zentrum Londons, ausgestattet mit Schildern,
       rosa-blau-weißen Fahnen und einem Megafon. Ihnen gegenüber stehen einige
       Hundert, manche in Kostümen: Hexenhüte, Zauberstäbe, bunte Schals.
       
       Am Mittwochmorgen wurde hier Großbritanniens größter Harry-Potter-Laden
       eröffnet. Auf zwei Etagen finden Fans der beliebten Romanreihe von
       [2][Autorin Joanne Rowling] allerhand Artikel aus dem Romankosmos: eine
       meterhohe Kollektion an Zauberstäben, Textilien mit den Emblemen der
       verschiedenen Hogwarts-Häuser und allerhand Süßigkeiten, von „Bertie Botts
       Bohnen“ jeder Geschmacksrichtung bis hin zu Schokofröschen.
       
       Stunden vor der Eröffnung fanden sich bereits etliche Fans vor dem Laden
       ein. Viele von ihnen sind Touristen, einige sogar extra für die
       Ladeneröffnung nach London gereist. In ihrer Wartezeit erhielten sie
       weitere Lektionen von den Protestierenden: „Die Erschafferin dieses
       Franchises hat sich dafür entschieden, ihr Geld in Fanatismus und Hass zu
       investieren.“ Die Gruppe spielt darauf an, dass Rowling im Jahr 2024 70.000
       Pfund an eine Aktivist*innengruppe spendete, um ein Verfahren am
       obersten britischen Gericht zu unterstützen.
       
       [3][2025 gab der britische Supreme Court der Gruppe, und damit auch
       Rowling, recht]: Geurteilt wurde, dass die Begriffe „Mann“ und „Frau“ nur
       für das „biologische Geschlecht“ gelten sollen und demnach etwa
       Trans-Frauen rechtlich nicht als Frauen gelten. Diese Gesetzgebung koste
       Menschenleben, so die Demonstrierenden vor dem Harry-Potter-Store. „Schämt
       euch!“, ruft die Gruppe.
       
       ## Die Trennung von Kunst und Sexualität
       
       Zwei junge deutsche Männer, die während ihres Londonaufenthalts zufällig
       von der Ladeneröffnung erfahren haben und in der Schlange stehen, zeigen
       sich irritiert. Sie haben den Eindruck, dass hier trans Personen streiken
       würden. „Vielleicht wegen J. K. Rowlings transphoben Äußerungen?“ So
       richtig sicher ist man sich nicht: „Das will man natürlich nicht supporten.
       Aber ich trenne Kunst von Sexualität, wir sind selber auch ein Paar.“
       Andere in der Schlange diskutieren ähnlich über den Protest.
       
       Spätestens im Laden verstummen die Rufe von draußen, es übernimmt der Sound
       des Konsumrauschs. Ein Durchkommen gelingt nur mit einigen „Excuse me“ und
       sanften Rempeleien. Die untere Etage ist der magischen Einkaufspassage
       „Winkelgasse“ aus den Rowling-Romanen nachempfunden. In der Getränkebar
       „Zum tropfenden Kessel“ kostet das „Butterbier“ umgerechnet 11,40 Euro –
       und damit sogar ein wenig mehr als ein echtes Bier im Pub nebenan. Das
       Getränk schmeckt wie ein alkoholfreies Weizen und hat eine Krone aus
       fettig-süßem, marshmallowhaftem Schaum.
       
       Auf der oberen Etage können Fans im Rahmen einer Licht- und
       Soundeffektzeremonie ihre Zugehörigkeit zu einem der Zauberschulenhäuser
       erfahren. Viele der hier angebotenen Merchandise-Artikel gibt es auch
       anderswo. Zu den exklusiven Highlights zählen eine originalgetreue
       Nachbildung des magischen Busses „Fahrender Ritter“ und eine imposante
       Figuration des „Ukrainischen Eisenbauchs“, eines Drachens.
       
       „Irgendwann müssen sie doch auch mal was trinken oder so“, sagt ein
       genervter Sicherheitsmitarbeiter im Laden. Es scheint nicht so: Auch
       Stunden nach der Eröffnung schallen noch immer die Rufe der kleinen
       Pro-trans-Protestgruppe vor dem Laden. An der Begeisterung für das
       Harry-Potter-Franchise scheinen die politischen Aktionen J. K. Rowlings
       nichts geändert zu haben. Längst hat die Zauberwelt eine Anziehungskraft
       entwickelt, die ihre Erschafferin überstrahlt – und wohl noch lange
       überstrahlen wird.
       
       4 Nov 2026
       
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