# taz.de -- Sachsen-Anhalt: Schulamt streicht Abmahnung eines Lehrers für Kritik an AfD
> Ein Lehrer aus Stendal wurde abgemahnt, weil er kritisch über die AfD
> gesprochen hat. Jetzt entfernt das Schulamt die Abmahnung – vor einem
> Gerichtstermin.
(IMG) Bild: Ein Ende, wo kein Ende gewünscht war: Max Heckels Fall wurde sang und klanglos von der Agenda gestrichen
Eigentlich könnte sich [1][Max Heckel] freuen. Die Abmahnung, gegen die er
eineinhalb Jahre lang gekämpft hat, wird aus seiner Personalakte
gestrichen. „Wegen Zeitablaufs“ entfernt sie das Landesschulamt – rund
einen Monat, bevor das Magdeburger Arbeitsgericht über den Fall verhandeln
sollte.
Doch Max Heckel freut sich nicht. Er ist sauer. Er wollte, dass das Gericht
über seinen Fall entscheidet, „damit die Lehrer in diesem Land endlich
Rechtssicherheit haben“.
## Reich, frei von Moral, nicht bei Verstand
Heckel ist Lehrer an einer Sekundarschule in Stendal, er unterrichtet
Werken. Kurz nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2025 hatten ihn Schüler
gefragt, ob er die AfD gewählt habe. Heckel hatte das verneint und auf
weitere Nachfrage anhand von Schaubildern erklärt, dass die Steuerpolitik
der AfD vor allem reiche Menschen begünstige. Abschließend hatte er
erklärt, wer die AfD wähle, sei entweder „sehr reich, frei von Moral oder
nicht bei klarem Verstand“. So schildert es Heckel selbst. So hat es auch
das Landesschulamt dargestellt.
Eltern sollen sich über diesen Satz beschwert und an die AfD gewandt haben.
Ulrich Siegmund persönlich, damals schon Spitzenkandidat der AfD, schaltete
sich ein. Seine Ehefrau [2][arbeitet an derselben Schule] wie Max Heckel.
Siegmund reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Heckel ein und drang
im Oktober 2025 in öffentlicher Sitzung des Magdeburger Landtags auf eine
Entscheidung des Landesschulamts.
Zu diesem Zeitpunkt hatte das Schulamt Heckel bereits abgemahnt – unter
anderem mit der Begründung, er habe gegen die Lehrkräften obliegende
„[3][Neutralitätspflicht]“ verstoßen. Er habe seine SchülerInnen nicht zur
Meinungsbildung befähigt, sondern sie von seiner eigenen überzeugen wollen.
## Bundesweit einmalig
Nach taz-Recherchen dürfte Heckels Fall einmalig sein. Auch der
Bildungsgewerkschaft GEW, BildungsexpertInnen und JuristInnen war kein Fall
bekannt, in dem ein Schulamt einen Lehrer wegen Aussagen über die AfD
abgemahnt hatte.
Heckel ging mit einem Anwalt gegen die Abmahnung vor. Er wollte gerichtlich
feststellen lassen, dass sie unrechtmäßig war. Der für den 27. November
angesetzte Verhandlungstermin vor dem Magdeburger Arbeitsgericht entfällt
nun.
Auf taz-Anfrage bewertet ein Sprecher des zuständigen Bildungsministeriums
das Streichen der Abmahnung als „konsequent und sachgerecht“. Das
Landesschulamt hatte Heckel zuvor im Rahmen eines Vergleichs angeboten, die
Abmahnung zu entfernen. Heckel hatte sich darauf nicht eingelassen. Er
wollte ein Urteil. Abmahnungen würden durch Zeitablauf generell an Relevanz
für das Arbeitsverhältnis verlieren, sagt der Sprecher nun.
## Keine feste Frist
Dass Abmahnungen aus Personalakten entfernt werden, ist nicht ungewöhnlich.
Eine feste Frist, wann das zu passieren hat, gibt es aber nicht. In der
Regel, berichten verschiedene JuristInnen der taz, würden Abmahnungen nach
etwa zwei bis drei Jahren ihre Warnfunktion verlieren.
Max Heckel findet, es sei kein Zufall, dass das Schulamt die Abmahnung
gerade jetzt entfernt hat: „Das zeigt mir, dass das Amt kein Interesse
daran hat, meinen Fall gerichtlich klären zu lassen.“ Er ist sich sicher,
dass er den Prozess gewonnen hätte. Der Sprecher des Bildungsministeriums
ließ offen, ob die Entscheidung mit dem anstehenden Verhandlungstermin
zusammenhänge.
Wie diese Verhandlung ausgegangen wäre, bleibt offen. Das Gericht hätte
auch entscheiden können, dass Heckels Äußerungen im Unterricht nicht
zulässig waren. Dann wäre die Abmahnung zu Recht ausgesprochen worden – und
das Urteil hätte tatsächlich Rechtssicherheit geschaffen. Allerdings nicht
im Sinne von Max Heckel, sondern im Sinne der AfD.
4 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neutralitaetsdebatte-in-der-Schule/!6179783
(DIR) [2] https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/schule-lehrer-neutralitaet-abmahnung-afd-siegmund-100.html
(DIR) [3] /Schule-und-Politik/!6215146
## AUTOREN
(DIR) Anne Fromm
## TAGS
(DIR) Politische Bildung
(DIR) Schule
(DIR) Neutralitätspflicht
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Kolumne Keine neutrale Schule
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Warnungen auf der Schulleiterkonferenz: „Omas gegen Rechts“ an Schulen unerwünscht
Erst gibt es ein Gespräch mit dem Schulamt, dann sperren Schulen in Bad
Hersfeld die „Omas gegen Rechts“ aus den Klassenzimmern aus.
(DIR) Schule und Politik: Gefühl der Atemlosigkeit
Wie reagieren Schülerinnen und Schüler auf die politische Weltlage und die
Ereignisse nach den Wahlen? Wir haben Lehrer gebeten, das aufzuschreiben.
(DIR) Neutralitätsdebatte in der Schule: Herr Heckel und die AfD
Ein Lehrer in Sachsen-Anhalt warnt im Unterricht vor der AfD. Die Partei
protestiert, das Schulamt mahnt ihn ab. Wie neutral muss ein Lehrer sein?
(DIR) Politische Bildung an Schulen: Demokratie als Wahlfach
Das Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage unterstützt seit 30
Jahren Demokratiebildung an Schulen. Die ist oft optional und prekär.