# taz.de -- Verfahren gegen Flughafen-Ausbau: Klage gegen 8.100 Nachtflüge in Leipzig/Halle
> Klima, Nachtruhe, Feinstaub, Naturschutz: Vor dem Oberlandesgericht
> startet das Verfahren gegen den 300 Millionen-Euro-Ausbau des
> Frachtflughafens.
(IMG) Bild: Klimafrevel, den es bald noch häufiger geben soll: ein Frachtflugzeug beim Start am Flughafen Leipzig/Halle
Vor Gericht protestierte eine [1][Mahnwache], im Oberverwaltungsgericht
(OVG) in Bautzen ging es um Lärmschutz, Nachtflüge und das kommunale
Selbstverwaltungsrecht. Am Dienstag begann die mündliche Verhandlung der
Klage von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und einer Anrainergemeinde
gegen den 300 Millionen Euro teuren Ausbau des Frachtbereichs am Flughafen
Leipzig/Halle.
Für den Logistikriesen DHL ist der nach Frankfurt/Main zweitgrößte
Frachtflughafen Deutschlands zu klein geworden. Seit 2008 betreibt DHL ein
internationales Drehkreuz für Expressluftfracht. Um die Kapazität zu
erhöhen und Platz für größere Flugzeuge zu schaffen, sollen die DHL-Fläche
um 39 Hektar erweitert, Rollwege, Enteisungsflächen und Betriebsgebäude
gebaut werden. Weil der Flughafen eine in Deutschland seltene
Nachtfluggenehmigung hat, starten und landen hier aktuell jeden Tag
zwischen 22 und 6 Uhr etwa 80 bis 90 Frachtflugzeuge.
Allerdings stagniert das Geschäft. Für 2023, 2024 und 2025 meldet die
Flughafengesellschaft jeweils einen Frachtumschlag von 1,4 Millionen
Tonnen. DHL Express besetze frei werdende Stellen nicht neu, hieß es laut
[2][Medienberichten] im März. Damals hatte DHL rund 4.500 Mitarbeitende.
Dass dennoch ausgebaut werden soll, können die insgesamt zehn Klagenden
nicht verstehen. Die Erweiterung sei „verheerend für das [3][Klima]“,
erhöhe Lärm- und Feinstaubbelastung der [4][Anwohnenden] und schade den
anliegenden Naturschutzflächen im Leipziger Auwald und in der Saaleaue,
heißt es in der Klageschrift, die der Umweltverband BUND mitformuliert hat.
## 1.100 Seiten dicker Planfeststellungsbeschluss
Auch die nahegelegene Stadt Schkeuditz, die etwa in Hinblick auf
Arbeitsplätze vom Airport profitiert, ist gegen den seit September 2024
vorliegenden 1.100 Seiten dicken Planfeststellungsbeschluss. Diese
grundsätzliche Bauerlaubnis der Landesdirektion Sachsen schränke die
Möglichkeiten der Anrainergemeinde ein, Wohngebiete auszuweisen.
Am Dienstag ging es vor allem um die erwartete Zunahme von Nachtflügen.
Kalkuliert wird mit 8.100 weiteren Starts und Landungen im Jahr 2032.
Der Protest gegen den Ausbau tobt seit Langem. Für die Planfeststellung
wurden 8.000 Beschwerden geprüft, im Dezember 2023 scheiterte eine Petition
gegen die Erweiterung im sächsischen Landtag.
Das Oberverwaltungsgericht will in den kommenden Wochen entscheiden.
Womöglich wird das Verfahren dann jedoch in die nächste Instanz gehen. Das
letzte große Flughafen-Verfahren mit Sachsen-Bezug endete vor fast genau
zwanzig Jahren. Im November 2006 entschied das Bundesverwaltungsgericht,
dass Leipzig/Halle zum Frachtdrehkreuz ausgebaut werden dürfe.
Dass sich Geduld für Anwohner und Protestierende auszahlen kann, zeigt das
Beispiel des Ausbaus des Flughafens Frankfurt/Main. Nach heftigen
Auseinandersetzungen wurde hier ein Mediationsverfahren eingeleitet – mit
einem Kompromiss: Er beinhaltete Ausbau und die Einführung eines
Nachtflugverbots.
3 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bund-sachsen.de/service/meldungen/detail/news/verhandlung-zum-ausbau-des-frachtflughafens-leipzig-halle-beginnt/
(DIR) [2] https://www.airliners.de/dhl-besetzt-werdende-stellen-leipzighalle/86371
(DIR) [3] /Klimaaktivisten-blockieren-Flughafen/!6027436
(DIR) [4] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/saalekreis/protest-flughafen-ausbau-100.html
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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