# taz.de -- Reiches Entwurf für Spritpreisdeckel: Hohe Hürden bei der Preisbremse für Benzin und Diesel
> Die Pläne für einen Spritpreisdeckel von Wirtschaftsministerin Reiche
> werden harsch kritisiert. SPD-Vizechefin Rehlinger fordert eine
> Überarbeitung.
(IMG) Bild: Show im E-Auto, Schotter für die Mineralölkonzerne: Ministerin Katherina Reiches (CDU) Agenda
Der von [1][Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)] vorgelegte
Gesetzentwurf für einen Spritpreisdeckel stößt auf harsche Kritik – auch
aus der SPD. Die saarländische Ministerpräsidentin und SPD-Vizevorsitzende
Anke Rehlinger fordert, dass der Entwurf überarbeitet wird.
Die Spritpreise sind infolge des Irankriegs drastisch gestiegen. Die
Bundesregierung hat deshalb zunächst im Frühjahr, dann für die letzten drei
Monate dieses Jahres die Energiesteuer auf Benzin und Diesel herabgesetzt.
Das ist der sogenannte Tankrabatt. Studien zufolge haben die Ölkonzerne die
Preise viel stärker angehoben als angesichts der Weltmarktlage
gerechtfertigt und [2][damit Milliarden an sogenannten Übergewinnen
eingefahren]. Den Tankrabatt geben sie nicht komplett weiter.
Im September hatten Union, SPD und die Bundesländer vereinbart, dass der
Bund Gespräche mit der Mineralölwirtschaft führt, [3][„mit dem Ziel,
spätestens zum 1. Januar 2027 einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild
Luxemburgs oder Belgiens einzuführen“]. Dort legt der Staat generell eine
Obergrenze für den Benzin- und Dieselpreis fest. Das sieht Reiches Entwurf
aber nicht vor.
Nach ihren Vorstellungen soll es im Anschluss an den [4][zum 1. Januar
auslaufenden Tankrabatt] überhaupt keinen Preisdeckel geben. Ihr
Gesetzentwurf schafft lediglich die Grundlage für die Einführung. „Die
Bundesregierung wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung ohne Zustimmung des
Bundesrates Höchstpreise für die Abgabe von Otto- oder Dieselkraftstoffen
an Letztverbraucher an öffentlichen Tankstellen festzulegen“, heißt es in
dem Entwurf. Die Hürden für die Einführung sind allerdings extrem hoch: Nur
wenn die Preise in Deutschland an drei aufeinanderfolgenden Wochen um 5
Prozentpunkte mehr steigen als im EU-Schnitt, könnte er eingeführt werden.
Das ist in den vergangenen zehn Jahren nicht vorgekommen.
## Rehlinger: Deckel ohne Wirkung
In der SPD ist der Unmut über den Entwurf groß. „Das
Bundeswirtschaftsministerium hat dem Spritpreisdeckel alle Zähne gezogen“,
sagte SPD-Vizechefin Rehlinger der taz. „Eine Entlastung der Autofahrer
kann dieser Gesetzesentwurf nicht bringen, deshalb muss er überarbeitet
werden.“ Er sei „erkennbar darauf angelegt“, dass der Spritpreisdeckel
niemals Wirkung entfalte. Das sei nicht das, was verabredet worden sei.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundstagsfraktion Sebastian
Roloff fordert ebenfalls Nachbesserungen. Dass es zum 1. Januar keinen
Spritpreisdeckel gebe, sei den Menschen und Unternehmen, die unter den
hohen Preisen leiden, weder zu vermitteln noch zuzumuten. „Ministerin
Reiche muss entscheiden, ob sie Bürger und Mittelstand entlastet oder ob
sie die Schutzpatronin für die Abzockgewinne der Mineralölkonzerne sein
will“, betonte er.
Das von SPD-Chef Lars Klingbeil geführte Bundesfinanzministerium äußerte
sich mit Hinweis auf die laufenden regierungsinternen Abstimmungen zu dem
Gesetzentwurf nicht.
## Opposition fordert Übergewinnsteuer
Die Opposition empört der Entwurf. „Für die Verbraucher wird das Konzept
von Katherina Reiche wahrscheinlich zur wirkungslosen Enttäuschung“, sagte
die Co-Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion Katharina Dröge.
„Währenddessen machen die Ölkonzerne, dank freundlicher Zuarbeit von Frau
Reiche, weiter Übergewinne.“ Dröge fordert eine Übergewinnsteuer, „die die
Milliardengewinne der Konzerne an die Menschen zurückgibt“.
Die Linksfraktion im Bundestag sieht in Reiches Entwurf eine „Beihilfe zur
Wegelagerei“. Die Ministerin sabotiere den Auftrag des
Koalitionsbeschlusses zum Spritpreisdeckel, sagte die
Fraktions-Vizevorsitzende Janine Wissler. „Damit stellt sie sich auf die
Seite der Ölkonzerne, die Milliarden an Übergewinnen auf dem Rücken der
Menschen erzielen“, sagte sie. Die Linkspartei fordert ebenfalls eine
Übergewinnsteuer.
Der Entwurf soll nach derzeitigem Zeitplan am Mittwoch vom Kabinett
verabschiedet werden. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte zu der Kritik
ebenfalls mit Hinweis auf die regierungsinterne Abstimmung nicht Stellung
nehmen.
3 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Katherina-Reiche/!t6100268
(DIR) [2] /Steuer-Vorschlag-gegen-Oelkonzerne-koennte-Deutschland-Milliarden-pro-Jahr-einbringen/!6225981
(DIR) [3] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bund-und-laender-beschliessen-spritpreis-entlastungspaket-2453198
(DIR) [4] /Fragen-und-Antworten-zum-Tankrabatt/!6217937
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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