# taz.de -- Mandat der UN-Mission abgelaufen: Die Westsahara-Mission wird „liquidiert“
       
       > Ein Veto Russlands im UN-Sicherheitsrat beendet die UN-Mission für die
       > Westsahara. Seit 35 Jahren sollte sie ein Referendum vorbereiten, das nie
       > kam.
       
 (IMG) Bild: Sonnenuntergang für Friedensbemühungen? Polisario-Militärfahrzeug in Bir Lahlou im Osten der Westsahara, September 2016
       
       Eine der ältesten UN-Missionen der Welt ist Geschichte. Das Mandat der
       [1][„UN-Mission für das Referendum in der Westsahara“ (Minurso)] ist am
       Samstag 31. Oktober abgelaufen, nachdem die Verlängerung ihres Mandats am
       Freitag [2][im UN-Sicherheitsrat scheiterte].
       
       Russland blockierte den von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf zur
       Verlängerung mit seinem Veto, damit fiel der Entwurf durch. Im 15
       Mitglieder zählenden Sicherheitsrat stimmten elf Länder dafür, China und
       zwei weitere Länder enthielten sich.
       
       Der Resolutionstext hätte die Mission von Minurso zu Minuso umbenannt und
       den Bezug auf ein Referendum gestrichen. Er entspricht der US-Position, die
       Marokkos Souveränität über die Westsahara anerkennt, und nennt Marokkos
       Vorschlag einer begrenzten Autonomie für das Gebiet „die einzige“ Grundlage
       einer Lösung des Westsahara-Konflikts – statt, [3][wie zuletzt], „eine“
       Grundlage.
       
       Die Position der USA und Marokko stößt auf scharfen Widerspruch Algeriens,
       das die Westsahara-Befreiungsbewegung Polisario auf ihrem Staatsgebiet
       beherbergt. Algerien ist militärisch mit Russland verbündet, Marokko mit
       den USA. Russland legte nach seinem Veto am Freitag einen eigenen
       Resolutionsentwurf vor, der die Minurso in ihrer bisherigen Form bewahrt
       hätte. Für diesen stimmten bloß Russland, China und Somalia. Die USA
       stimmten dagegen, elf Länder enthielten sich.
       
       ## Seit 35 Jahren bleibt die UNO ohne Erfolg
       
       Die Minurso umfasst derzeit [4][201 zivile und 158 militärische
       Mitarbeiter] und steht seit 1991 in der Westsahara. Das einstige spanische
       Kolonialgebiet wurde nach Spaniens Rückzug 1975 unilateral von Marokko
       besetzt, die antikoloniale Befreiungsbewegung Polisario floh mit Teilen der
       Zivilbevölkerung nach Algerien und nahm von dort einen Guerillakampf auf.
       
       1988 akzeptierten Marokko und die Polisario [5][einen UN-Friedensplan], der
       die Entsendung einer UN-Beobachtermission vorsah, um einen Waffenstillstand
       zu überwachen sowie ein Referendum über den zukünftigen Status des
       Territoriums abzuhalten – Unabhängigkeit oder Integration nach Marokko.
       Stimmberechtigt wären „alle Sahrauis, die in dem 1974 von den spanischen
       Behörden organisierten Zensus genannt sind und 18 Jahre oder älter sind“,
       so die Vereinbarung von 1988.
       
       Das waren schon damals bloß etwa 70.000 Menschen, und viele davon sind
       heute nicht mehr am Leben. Die damals geflohenen Sahrauis leben mit ihren
       Nachkommen in Polisario-regierten Flüchtlingslagern nahe der algerischen
       Stadt Tindouf. Nach Schätzungen leben heute rund 170.000 Sahrauis unter
       Polisario-Kontrolle in Algerien und rund 160.000 unter marokkanischer
       Kontrolle in der Westsahara.
       
       Die Polisario beharrt auch nach fünfzig Jahren weiter auf der Umsetzung der
       Referendumsvereinbarung in ihrer ursprünglichen Form, beherrscht die
       Flüchtlingslager und kontrolliert innerhalb der Westsahara die unbesiedelte
       Wüste entlang der Grenze zu Mauretanien und Algerien. Marokko sieht die
       Westsahara als Teil seines historischen Territoriums, hat das Gebiet mit
       Hunderttausenden Siedlern in Besitz genommen und geht mit harter Hand gegen
       jedwede Unabhängigkeitsbestrebung vor.
       
       ## Immer mehr Länder auf Marokkos Seite
       
       Den 1991 vereinbarten Waffenstillstand kündigte die Polisario 2020
       einseitig auf, seitdem kommt es immer wieder zu wechselseitigen Angriffen.
       Immer mehr Länder haben derweil Marokkos Position anerkannt. Die
       Afrikanische Union nahm Marokko 2017 wieder auf, die USA unter Donald Trump
       erkannten Marokkos Kontrolle der Westsahara 2020 an, später gefolgt von
       Frankreich und Spanien und weiteren Ländern, der UN-Sicherheitsrat erkannte
       2025 Marokkos Autonomieplan an.
       
       Die UN-Mission Minurso selbst stellte ihre Referendumsvorbereitungen in der
       Westsahara und damit die Grundlage ihrer Entsendung bereits vor zwanzig
       Jahren ein, und das Amt des UN-Sondergesandten für die Westsahara ist seit
       dem Rücktritt des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler 2019
       vakant. Geleitet wurde die Minurso seit 2021 von einem russischen
       Diplomaten – er fällt nun ausgerechnet dem Veto seines eigenen Landes zum
       Opfer.
       
       Nach dem Ende ihres Mandats packen die UN-Mitarbeiter in der Westsahara nun
       die Koffer. UN-Generalsekretär Antonio Guterres [6][bestätigte am Sonntag],
       es beginne nun die „Liquidierung“ der Mission und rief beide Seiten zur
       Kooperation auf. Dies dürfte kein Problem darstellen. Marokko hat das Ende
       der UN-Präsenz begrüßt. Algerien und die Polisario haben das russische Veto
       begrüßt. Niemand außerhalb der UNO weint der Minurso eine Träne nach.
       
       1 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://minurso.unmissions.org/en
 (DIR) [2] https://press.un.org/en/2026/sc16498
 (DIR) [3] /Westsahara/!6122811
 (DIR) [4] https://minurso.unmissions.org/en/minurso-factsheet
 (DIR) [5] /Westsahara-1992-frei/!1722141/
 (DIR) [6] https://www.un.org/sg/en/content/sg/statements/2026-11-01/statement-attributable-the-spokesperson-for-the-secretary-general-the-end-of-the-mandate-of-the-united-nations-mission-for-the-referendum-western-sahara-(minurso)
       
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 (DIR) Dominic Johnson
       
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