# taz.de -- Krypto-Börse Binance: FBI macht Nordkorea für Hack verantwortlich
> US-Bundespolizei identifiziert Hackergruppe hinter dem Angriff auf die
> weltgrößte Kyptobörse. Die meldet Ersatz für 90 Prozent der gestohlenen
> Werte.
(IMG) Bild: Nordkoreanische Offiziere feiern anlässlich des 78. Tags der Staatsgründung (9. 9. 1948) auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang
afp Der [1][wohl größte Diebstahl von Kryptowährungen] der Geschichte geht
nach Erkenntnissen der US-Bundespolizei FBI auf das Konto Nordkoreas.
Nordkoreanische Hacker hätten bei einem Angriff auf die weltgrößte
Kryptobörse Binance mehr als 6 Milliarden Dollar erbeutet, teilte die
Behörde am Samstagabend mit. Das FBI machte die Hackergruppe TraderTraitor
für den Angriff verantwortlich.
Wie die US-Bundespolizei weiter erklärte, beobachteten Ermittler, wie die
Täter die Beute vor allem in Ether (ETH), die [2][Kryptowährung] des
Ethereum-Netzwerks, umtauschten. Anschließend dürften die Vermögenswerte
über dezentrale Finanzdienste und Plattformen zum schnellen Tausch von
Kryptowährungen weiter verschleiert werden.
Das FBI veröffentlichte eine Liste mit rund 500 Adressen im
Ethereum-Netzwerk, die TraderTraitor nach ihren Erkenntnissen zur
Geldwäsche nutzt. Sie forderte Kryptobörsen und andere
Branchendienstleister auf, Transaktionen mit diesen Adressen oder daraus
stammenden Vermögenswerten zu blockieren.
Binance hatte den Hackerangriff am Donnerstag bekannt gegeben. Nach Angaben
der nach Handelsvolumen weltgrößten Kryptobörse waren Vermögenswerte im
Wert von umgerechnet 5,6 Milliarden Euro betroffen. Binance erklärte am
Samstag, mit eigenen Mitteln bereits Ersatz für 90 Prozent der gestohlenen
Kryptowerte beschafft zu haben.
## Diebstahl im Wert von mehr als 6 Milliarden Dollar
„Unsere Zusage bleibt unverändert: Binance wird die finanziellen Folgen der
bei diesem Vorfall gestohlenen Vermögenswerte vollständig übernehmen“,
erklärte das Unternehmen im Onlinedienst X. Es habe mehr als 6,34
Milliarden Dollar zur Deckung der Verluste bereitgestellt. Für die
verbleibenden zehn Prozent werde mehr Zeit benötigt, weil diese digitalen
Vermögenswerte weniger leicht verfügbar seien.
Nach dem Angriff hatte Binance Auszahlungen zunächst ausgesetzt. Sie
sollten nach Unternehmensangaben voraussichtlich am Sonntag wieder möglich
sein. Zuvor hatte Binance erklärt, Partner hätten rund 3 Milliarden Dollar
an Kryptovermögen eingefroren, um den Diebstahl einzudämmen. Die Plattform
zählt nach eigenen Angaben 335 Millionen Nutzer.
Binance hatte von einem „komplexen Angriff“ mit mehreren Einfallstoren
gesprochen. Nach früheren Unternehmensangaben könnte die Attacke über den
Laptop eines IT-Mitarbeiters erfolgt sein. Hinweise auf den Diebstahl
privater Schlüssel für Krypto-Konten lägen bislang nicht vor.
Bereits vor der FBI-Erklärung hatte die Analysefirma TRM Labs TraderTraitor
verdächtigt. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag noch erklärt,
Washington prüfe eine Beteiligung Nordkoreas. TraderTraitor wird [3][dem
Hackernetzwerk Lazarus] zugerechnet, das mit nordkoreanischen
Geheimdiensten in Verbindung gebracht wird.
## TraiderTraitor wird Hackernetzwerk Lazarus zugerechnet
Lazarus wurde 2014 durch den mutmaßlichen Angriff auf das Filmstudio Sony
Pictures bekannt. TraderTraitor wird auch für den Diebstahl von 1,5
Milliarden Dollar bei der Kryptobörse Bybit im Februar 2025 verantwortlich
gemacht. Nordkorea steht wegen seines Atom- und Raketenprogramms unter
weitreichenden internationalen Sanktionen.
Laut einem Bericht der US-Armee aus dem Jahr 2020 zählt die nordkoreanische
Cyberkriegseinheit „Büro 121“ rund 6.000 Beschäftigte, die teilweise vom
Ausland aus operieren. Nach Bekanntwerden des Binance-Angriffs verloren
Bitcoin fast 5 Prozent, Ether knapp 6 Prozent und die Binance-Währung BNB
fast 10 Prozent.
## Neue Munitions- und Raketentests in Nordkorea
Nordkorea hat am Samstag nach eigenen Angaben Sprengköpfe mit Streumunition
für taktische ballistische Raketen getestet. Der Versuch habe die
Einsatzfähigkeit und Wirkung der Gefechtsköpfe überprüfen sollen,
berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Nach Angaben
der nordkoreanischen Raketenverwaltung könne die Waffe ein Zielgebiet von
12 bis 13 Hektar vollständig zerstören.
Der Chef der Raketenverwaltung kündigte laut KCNA an, die Streitkräfte
sollten noch in diesem Jahr verschiedene Waffentypen je nach Einsatzauftrag
und Ziel auswählen und einsetzen können. Von KCNA veröffentlichte Fotos
zeigten den Start eines Geschosses von einer mobilen Abschussvorrichtung
sowie mehrere Einschläge auf einer Insel. Machthaber Kim Jong Un war bei
dem Versuch nicht anwesend. Bereits im April hatte er einen Test von
Streumunitions-Sprengköpfen auf einer ballistischen Rakete begleitet.
Erst am Donnerstag hatte Nordkorea nach südkoreanischen Angaben etwa ein
Dutzend ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Ostmeers
abgefeuert. Zuvor hatten sich die Spannungen an der schwer befestigten
Grenze verschärft: Bei einer Explosion waren drei südkoreanische Soldaten
verletzt worden. Seoul vermutet nordkoreanische Landminen, Pjöngjang weist
dies zurück.
1 Nov 2026
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