# taz.de -- Arsenal-Werkschau Ninjin Club in Berlin: Eine andere japanische Filmgeschichte schreiben
> Die Reihe „Just revolutionary – Die Filme des Ninjin Clubs“ zeigte ein
> weibliches Koordinatensystem des japanischen Kinos von 1954 bis 1966.
(IMG) Bild: Keisuke Kinoshitas „Onna no sono“ („The Garden of Women“) handelt von einem Studentinnenaufstand
Japan in den 1950er Jahren, kurz vor Ende der US-Besatzung: Nishida zieht
mit einem Auto voller Bücher in ein heruntergekommenes Motel einer Siedlung
in der Nähe einer amerikanischen Militärbasis. Schon bald fühlt sich die
junge Kellnerin Shizuko zu dem Studenten hingezogen. Nishida ist einer der
wenigen Menschen in der Siedlung, der keinerlei halbseidene Geschäfte
betreibt. Doch Shizukos Schönheit zieht auch die Aufmerksamkeit von Joe auf
sich, einem der Anführer einer Gruppe Kleinkrimineller, der auch als
Handlanger eines Immobilienspekulanten arbeitet.
Joe vergewaltigt Shizuko und sorgt dafür, dass Nishida und die übrigen
Dauergäste des Motels aus ihren Zimmern fliegen, um Platz zu schaffen für
ein Hotel, das der Spekulant errichten will. Masaki Kobayashi entwirft in
seinem Film „Kuroi kawa“ („Black River“) von 1957 einen düsteren
Mikrokosmos der japanischen Nachkriegsgesellschaft.
Darin zeigt er Reaktionäre in ihrem nur dünn übertünchten Autoritarismus,
den sie in der jungen Demokratie in vollen Zügen ausleben. Zugleich
unterwirft sich das ganze Land, dem Geld und der militärischen Übermacht
der USA. Besondere Aufmerksamkeit widmet „Kuroi kawa“ der Rolle von Frauen
in diesem System von Machtstrukturen.
„Black River“ ist der erste Film, den die japanische Produktionsfirma
Ninjin Club offiziell produziert hat. Den gesamten Oktober hindurch
präsentierte [1][das Arsenal] eine Filmreihe, kuratiert von einer der
beiden Kinoleiterinnen, Milena Gregor, die die japanische Produktionsfirma
in Deutschland erstmals umfassend würdigte. „Just revolutionary – Die Filme
des Ninjin Clubs“ präsentierte alle zehn existierenden Produktionen und
ergänzte diese um zehn Filme, die im Umfeld oder in Korrespondenz mit den
Filmen von Ninjin Club entstanden sind. Den Kuratorinnen ging es – wie
Milena Gregor in der Eröffnungsrede formulierte – darum, ein
„Koordinatensystem“ des japanischen Kinos von 1954 bis 1966 zu skizzieren,
als die Firma bestand.
Gegründet wurde Ninjin Club von den Schauspielerinnen Keiko Kishi, Yoshiko
Kuga und Ineko Arima, um einerseits aus dem starren Korsett des japanischen
Studiosystems auszubrechen, das Schauspieler_innen exklusiv an einzelne
Produktionsfirmen band; und andererseits, um komplexere und realitätsnähere
weibliche Rollen zu fördern.
## Rebellion gegen Anstand
Eine der Initialzündungen dafür war Keisuke Kinoshitas „Onna no sono“ („The
Garden of Women“) von 1954, in dem alle drei Gründerinnen mitwirkten. Der
Film porträtiert eine elitäre Schule für junge Frauen aus besserem Hause
und die Rebellion der jungen Frauen gegen die Anstandsregeln, die ihnen
auferlegt werden.
Eröffnet wurde die Reihe aber mit einem anderen Film von Kobayashi. In
„Karami-ai“ („The Inheritance“) sind Einflüsse des europäischen Modernismus
unübersehbar. Die urbanen Eröffnungsszenen, in denen eine Frau im Zentrum
einer Großstadt an luxuriösen Schaufenstern entlang bummelt, evoziert
ähnliche Momente in Filmen von [2][Alfred Hitchcock]. Die Frau wird von
einem deutlich älteren Mann angesprochen, der sie voller eingebildeter
Überlegenheit zu einem Kaffee bittet.
Während sie sich setzen, hört man auf der Tonspur in der Stimme der Frau
ihre Gedanken, wie ärgerlich es ist, dass sie sich nun mit diesem
unangenehmen Typ abgeben soll. Die Szene führt zu einer Rückblende, die
fast den gesamten Film dauert, bevor er kurz vor Schluss in die Gegenwart
der Eröffnungsszene zurückkehrt. Die Frau entpuppt sich als ehemalige
Sekretärin eines reichen Geschäftsmannes, die inmitten der unlauteren
Schachzüge seiner Verwandten und Geschäftspartner kurz vor dessen Tod, auf
geschickte Weise sich dessen Vermögen gesichert hat.
Die Arsenal-Filmreihe war nichts weniger als eine radikale Umschreibung der
japanischen Kinogeschichte der ersten Jahrzehnte der Nachkriegszeit. Wie so
viele andere Kinematographien war auch das japanische Kino von Regisseuren
dominiert. Wie die Reihe zeigte, entstanden jedoch einige zentrale Werke
als Ergebnis einer weiblichen, politisch progressiven Filmproduktion.
So sind in den Filmen des Ninjin Club nicht nur die weiblichen Rollen
vielschichtiger, sondern es ist auch die Geschichte des japanischen
Faschismus und seiner imperialen Ambitionen in den Filmen nie weit weg.
1 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Fabian Tietke
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