# taz.de -- Warnung vor US-Angriffen: Chamenei droht mit „geografisch uneingeschränkter Antwort“
       
       > Irans Oberster Führer warnt vor einer Ausweitung des Krieges. Derweil
       > laufen diplomatische Bemühungen, eine erneute Eskalation zu verhindern,
       > auf Hochtouren.
       
 (IMG) Bild: Iranische Selbstszenierung auf dem Baharestan-Platz in Teheran zum Jahrestag des Beginns des Irak-Iran-Kriegs von 1980–88
       
       afp/ap/dpa/rtr | Irans Oberster Führer Modschtaba Chamenei hat die USA vor
       neuen Angriffen auf sein Land gewarnt und mit Vergeltung gedroht. „Auf jede
       Art von Bedrohung muss eine sofortige, wirkungsvolle und geografisch
       uneingeschränkte Antwort folgen“, erklärte Chamenei vor führenden
       iranischen Militärkommandanten, wie aus einer am Samstag veröffentlichten
       Erklärung hervorging. Sollte „der Feind“ Iran attackieren und neue
       Auseinandersetzungen provozieren, werde Teheran „den Zeitpunkt und die
       Bedingungen für ihr Ende festlegen“.
       
       Auch die iranische Armee warnte vor den [1][Folgen neuer US-Angriffe].
       Sollte US-Präsident Donald Trump „erneut zu regionalen Abenteuern
       aufbrechen, werden die Flammen des Krieges zweifellos ein weitaus größeres
       geografisches Gebiet erfassen“, erklärte Armeesprecher Mohammed Akraminia
       im Onlinedienst X. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte derweil,
       dass „die mächtigen iranischen Streitkräfte gegen diejenigen vorgehen
       werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen“.
       
       Der Irankrieg hatte [2][Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf
       den Iran begonnen]. Nach dem Scheitern einer Vereinbarung zwischen
       Washington und Teheran im Juni waren [3][die diplomatischen Bemühungen ins
       Stocken geraten]. Zuletzt war über mögliche neue US-Angriffe auf Iran nach
       den US-Kongresswahlen am kommenden Dienstag spekuliert worden.
       
       Die diplomatischen Bemühungen, eine erneute Eskalation zu verhindern,
       laufen derzeit auf Hochtouren. Am Freitag traf eine katarische Delegation
       in Teheran zu Gesprächen mit hochrangigen iranischen Vertretern ein. Katar
       vermittelt zwischen den Kriegsparteien. Außerdem kontaktierte
       US-Vizepräsident J. D. Vance einem US-Medienbericht zufolge Irans Chef des
       Obersten Nationalen Sicherheitsrats. In dem Schreiben geht es dem Wall
       Street Journal zufolge eher um einen „möglichen Verhandlungsrahmen“ als um
       Einzelheiten eines Friedensvorschlags. Teheran bestätigte den Erhalt des
       Briefes, gab bislang jedoch keine Antwort bekannt.
       
       Modschtaba Chamenei ist der Nachfolger seines Vaters Ayatollah Ali
       Chamenei, der seit 1989 an der Spitze der Islamischen Republik gestanden
       hatte und am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen Iran am 28.
       Februar getötet worden war. Modschtaba Chamenei ist seitdem noch nicht
       öffentlich aufgetreten. Es wurden bislang auch keine Audio- und
       Videoaufnahmen von ihm veröffentlicht.
       
       ## Irans Außenminister: Keine Notwendigkeit für USA-Treffen
       
       Die iranische Führung plant laut Außenminister Abbas Araghtschi derzeit
       kein Treffen mit US-Vertretern. Araghtschi sagte dem arabischen Sender Al
       Jazeera, unter den gegenwärtigen Umständen gebe es dafür keine
       Notwendigkeit. Die Bedingungen Irans seien klar und die Beratungen mit
       Vermittlern dauerten an. Araghtschi bestätigte, dass die Führung in Teheran
       ein Schreiben von US-Vizepräsident J. D. Vance geprüft hat. Er bezeichnete
       den Versuch, die Tür für einen Dialog und ein umfassenderes Verständnis zu
       öffnen, als positiven Schritt. Sollte es aber das Ziel Washingtons sein,
       Zwietracht zu säen, wäre dies ein weiterer Fehler.
       
       Nach Informationen des Wall Street Journal sondiert Vance mit dem Schreiben
       an Mohsen Resai, den Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats,
       Möglichkeiten für Verhandlungen. Laut der Zeitung will die US-Regierung
       prüfen, ob sich geplante Militärschläge gegen den Iran diplomatisch
       abwenden lassen. Das US-Portal „Axios“ berichtete unter Berufung auf einen
       Regierungsbeamten, dass Vance die Einbeziehung des iranischen Atomprogramms
       zur Bedingung für Verhandlungen macht.
       
       ## Ägypten warnt vor Eskalation – Pakistan ist vorsichtig optimistisch
       
       Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty warnt vor massiven Folgen einer
       neuen Eskalation im Krieg zwischen den USA und Iran. Eine Fortsetzung der
       Kämpfe werde noch zerstörerischer verlaufen ‌und weitreichende Konsequenzen
       haben, erklärte er auf einer Sicherheitskonferenz in Bahrain. „Wir müssen
       Lehren aus der Vergangenheit ziehen“, sagte Abdelatty beim „IISS Manama
       Dialog“.
       
       Vermittler Pakistan äußerte sich hingegen verhalten optimistisch über die
       Erfolgsaussichten der jüngsten Bemühungen um eine diplomatische Lösung.
       Wenn es keine positiven Signale gäbe, wäre der pakistanische
       Chefunterhändler Asim Munir nicht zweimal im Oktober nach Teheran gereist,
       sagte ein Militärsprecher. Die Gespräche ‌mit der iranischen Führung seien
       ein gutes Zeichen. Man sei stets „vorsichtig optimistisch“. Es gebe jedoch
       weiterhin „einflussreiche Störkräfte und Gegner“, die meinten, ⁠dass ihnen
       der Konflikt nütze. Wen er damit meinte, sagte der Sprecher nicht.
       Armeechef Munir war zuletzt am Montag in Begleitung von Vertretern aus
       Saudi-Arabien ‌und der ‌Türkei in Teheran. Auch Katar bemüht sich ⁠um eine
       Deeskalation und hatte kürzlich einen neuen Vorschlag zur Beilegung des
       Konflikts vorgelegt
       
       ## Iran: US-Angriff auf Fischerboote nahe Insel Keschm
       
       Die USA haben nach iranischen Angaben zwei Fischerboote nahe der Insel
       Keschm angegriffen. Dabei sei ein Fischer verletzt worden, berichtete der
       staatliche iranische Rundfunksender IRIB unter Berufung auf einen Vertreter
       der Provinz Hormosgan. Eine Bestätigung der USA lag zunächst nicht vor.
       
       ## Iran weist Äußerungen von Kanzler Merz zurück
       
       Irans Außenminister Abbas Araghtschi hat im Falle eines neuen Krieges mit
       massiven Militärschlägen und Schäden weit über 100 Milliarden Dollar
       gedroht. Araghtschi reagierte auf der Plattform X auf Äußerungen von
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) während seines Südkorea-Besuches. Nach
       den Worten von Merz hat Deutschland ein starkes wirtschaftliches Interesse
       daran, dass der Irankonflikt so schnell wie möglich beendet werde. Die
       Verteuerung der Energiepreise habe alleine Europa über 100 Milliarden Euro
       gekostet. Araghtschi erklärte auf der Plattform X: „100 Milliarden Euro
       sind nichts im Vergleich zu dem vernichtenden Schlag, den die mächtigen
       Streitkräfte des Irans gegen diejenigen austeilen werden, die es wagen,
       unserem Volk Schaden zuzufügen.“ Rote Linien gehörten der Vergangenheit an.
       
       ## Iran meldet brennenden Supertanker in der Straße von Hormus
       
       In der Meerenge von Hormus ist iranischen Angaben zufolge erneut ein
       Supertanker auf eine Seemine gelaufen und nach einer Explosion in Brand
       geraten. Das Schiff mit mehr als 2Millionen Barrel Öl an Bord sei auf einer
       nicht genehmigten Route gefahren, meldeten Staatsmedien am Freitag unter
       Berufung auf die Revolutionsgarde. Die Besatzung habe den brennenden Tanker
       an der Einfahrt zur Meerenge verlassen. Der Name des Schiffs wurde nicht
       genannt.
       
       Außerdem meldeten Staatsmedien Brände auf drei Tankern, die ebenfalls auf
       Minen gefahren seien. Die Schiffe hätten ihre Navigations- und
       Ortungssysteme abgeschaltet und versucht, den Persischen Golf mit
       Unterstützung des US-Militärs über nicht genehmigte Routen zu verlassen.
       Wiederholte Funkwarnungen hätten sie ignoriert. Nähere Informationen über
       die Tanker und ihre Besatzungen teilte der Iran nicht mit.
       
       Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine (UKMTO) meldete, ein kleines
       Boot habe zwei Sprengsätze am Rumpf eines Tankers angebracht, der etwa 46
       Kilometer nordöstlich von Chasab im Oman unterwegs gewesen sei. Die
       Explosionen hätten einen Brand im Maschinenraum ausgelöst und das Schiff
       vorübergehend manövrierunfähig gemacht. Das Feuer sei inzwischen gelöscht
       worden, das Schiff setze seine Fahrt fort. Die Besatzung sei in Sicherheit,
       die Umwelt nicht geschädigt worden. Wer für den Angriff verantwortlich ist,
       teilte die UKMTO nicht mit. Unklar blieb auch, ob der Vorfall mit den von
       Iran gemeldeten Bränden zusammenhängt.
       
       ## Oman bringt 25 Seeleute in Sicherheit
       
       Der Oman meldete, ein unter panamaischer Flagge fahrender Tanker sei in der
       Straße von Hormus angegriffen worden und etwa drei Kilometer vor der Küste
       des Gouvernements Musandam in Brand geraten. 25 Besatzungsmitglieder seien
       in Sicherheit gebracht worden, teilte das omanische Zentrum für
       Meeressicherheit mit. Unklar war, ob der Vorfall mit den von iranischer und
       britischer Seite gemeldeten Bränden zusammenhängt.
       
       Musandam liegt an der Südküste der Straße von Hormus. Iran hatte die
       Meerenge nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe Ende Februar
       praktisch gesperrt, durch die zu Friedenszeiten etwa ein Fünftel des
       weltweit geförderten Rohöls verschifft wird. Mittlerweile beansprucht er
       die Kontrolle über Durchfahrten und lehnt eine Route durch omanische
       Gewässer ab. Iran hat Schiffe wiederholt davor gewarnt, die Meerenge ohne
       die Genehmigung Teherans zu durchqueren. Es hat sich zu Angriffen auf
       Schiffe bekannt, die dies dennoch tun.
       
       31 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neuer-Angriff-auf-Iran-in-Vorbereitung/!6226235
 (DIR) [2] /UN-Untersuchung-zum-Irankrieg/!6214237
 (DIR) [3] /Oeffnung-der-Strasse-von-Hormus/!6216419
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Straße von Hormus
 (DIR) Pakistan
 (DIR) Katar
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neuer Angriff auf Iran in Vorbereitung: Trump bespricht sich mit ranghohem US-Militär
       
       Die Anzeichen verdichten sich, dass Trump und Netanjahu nach den Midterm
       Elections einen neuen militärischen Angriff auf Iran starten wollen.
       
 (DIR) Militärstrategien von USA und Iran: Wie alte Mythen neue Kriege legitimieren
       
       Vom antiken Persien bis Kerbela: Washington und Teheran nutzen historische
       Erzählungen, um den Gegner zu dämonisieren und Unterstützung zu
       mobilisieren.
       
 (DIR) Mehr Menschen betroffen: Blockierte Handelswege verschärfen Hungerkrise
       
       266 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger. Kriege, Extremwetter und
       blockierte Transportwege verschärfen die Situation, Hilfsgelder schrumpfen.