# taz.de -- „Journal Deluxe“ mit Florian Schroeder: Der personifizierte Vibe-Shift
       
       > Florian Schroeders neue Late-Night-Show steht für den Rechtsruck in
       > Gesellschaft und ÖRR. In der ersten Folge misslingen ihm die Witze – bis
       > auf einen.
       
 (IMG) Bild: Geschwafel vor piefiger Skyline: Florian Schroeder, Moderator der Show „Journal Deluxe“
       
       Der Satiriker Jan Böhmermann hat vor wenigen Wochen angekündigt, seine
       Late-Night-Show „ZDF Magazin Royale“ nicht mehr weiterzuführen. Schnell
       hatte der Sender auch eine nachfolgende Show inklusive neuem Gesicht parat:
       den Moderator Florian Schroeder. Vier Folgen „Journal Deluxe“ soll es
       zunächst geben: Die umstrittene Sendung ist ein Test für [1][den gesamten
       ÖRR].
       
       Der Ausstrahlung ist eine wochenlange Debatte um die Ausrichtung der
       Sendung vorausgegangen. „Es erwartet uns eine neue Satirefarbe“, schrieb
       das ZDF in einer Mitteilung im September. „Eine, die keine Scheuklappen
       aufsetzt.“ Denn nun sollen endlich Linke und Grüne auch ihr Fett
       wegbekommen, nicht immer nur die Rechtsextremen und Regierenden.
       
       Das Studio von Schroeder sieht etwas hässlicher, dafür größer aus als das
       des abzulösenden Moderators. Im Hintergrund irgendeine Skyline, die sicher
       satirisch gemeint ist. Schroeder begrüßt sein Publikum in demütiger
       Körperhaltung, wem diese gilt, zeigt sich schnell: „Liebe Linke, Salam
       Aleikum (Anm. der Red.: Arabisch für ‚Friede sei mit euch‘). Ich küss’ dein
       Herz, Bruder“, lässt Schroeder sein R rollen. Für den ersten Witz in der
       Geschichte seiner Sendung entscheidet sich Florian Schroeder für eine
       rassistische Imitation und macht damit klar, wer hier willkommen ist.
       
       Der Rest der knapp 43 Minuten langen Folge besteht aus Geschwafel über eine
       Brandmauer zur Linkspartei und flachen Witzen über Männer, Rente,
       Looksmaxxing (was für die jungen Leute) oder den Plan, das Internet
       auszudrucken. Schroeder reißt das Publikum mit seiner Monotonie ähnlich
       mit, wie es alte Folgen der „Harald Schmidt Show“ heute tun. Dass er
       prognostiziert, dass die Grünen irgendwann Juniorpartner der AfD auf
       Bundesebene werden, war der einzig gelungene Witz des „Journal Deluxe“.
       
       ## Humor ist Nebensache
       
       Humor ist für Schroeder aber sowieso nebensächlich, denn der eigentliche
       Inhalt ist die Debatte um seine Sendung. Unentwegt wiederholt er
       Abwandlungen des immergleichen Witzes, nach dem er ja jetzt auch rechts
       sei. Dabei ordnet Schroeder sich selbst als linksliberal ein, verrät er in
       einem Video auf Instagram. Sich an den Linken abzuarbeiten, dürfe man nicht
       mehr jenen von außen überlassen, findet er. „Ich bin in den sozialen Medien
       sowohl Linksextremist als auch Rechtsextremist.“ Das sei das beste
       Kompliment, das man ihm machen könne.
       
       Dass ihm die [2][der Sendung vorausgegangene Kritik] egal ist, versucht er
       immer wieder unter Beweis zu stellen. So spielt er etwa ein falsches
       Spiegel-Cover ein, auf dem er als „der gefährlichste Moderator
       Deutschlands“ bezeichnet wird, tut damit zwei Dinge gleichzeitig: Er zeigt,
       dass er die Kritik nicht verstanden hat und spielt sich trotzdem zum
       Zentrum der Debatte auf. Dabei ging es nie um Florian Schroeder, sondern
       darum, dass in der Gesellschaft der Druck auf progressive Stimmen steigt.
       Jan Böhmermann ist sicherlich eher liberal, dennoch galten er und seine
       Sendung als wichtigste „linke“ Stimme im ÖRR.
       
       „Ich, meine Damen und Herren, bin der personifizierte Vibe-Shift“, stellt
       Schröder treffend fest. Seine Show zu stoppen, war aber nie das Ziel, weil
       sie lediglich ein Symptom ist, ein Alarmsignal. Es geht um einen
       [3][konsequenten Rechtsruck], der immer größere Teile dieser Gesellschaft
       durchzieht. Während die Merz-Klingbeil-Regierung Sozialleistungen kürzt,
       dafür fliehende Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund
       verantwortlich macht und das Geld stattdessen ins Militär pumpt, die Junge
       Union das Militär gegen Protestierende einsetzen lassen will, macht
       Schröder Witze über Linke, die genau das kritisieren.
       
       Braucht man eine Sendung, die „alle Seiten“ bedient? Man kann Schroeder
       zugutehalten, dass er bestimmt gute Absichten hat, die Menschen sollen
       wieder mehr miteinander reden, sagt er selbst. Es bleibt aber die Frage
       danach, wer denn wem nicht zuhört und zwischen welchen Positionen es
       eigentlich Kompromisse geben soll.
       
       30 Oct 2026
       
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