# taz.de -- Das Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Alles wird gut
       
       > Hinter dem Führer des Weltfußballs liegen schwierige Wochen. Trinkpausen
       > und Millionengeschenke an alle Verbände haben ihm darüber hinweggeholfen.
       
 (IMG) Bild: Alles gut: Gianni Infantino lässt lief blicken
       
       Ich bin wieder zu Hause. Das waren meine Gedanken, als ich das wunderbare
       Turnier eröffnet habe, das gerade in Aserbaidschan stattfindet. [1][Das
       Event mit seinen 189 teilnehmenden Nationen], dem wir den klingenden Namen
       „Fifa U15-Weltmeisterschaft & Festival“ gegeben haben, verzaubert gerade
       alle Menschen auf dem Planeten, deren Herz für den Fußball schlägt. Es ist
       nach auch für mich durchaus aufregenden Wochen also endlich wieder WM-Zeit.
       Und wo immer auf der Welt eine Weltmeisterschaft im Fußball ausgetragen
       wird, fühle ich mich zu Hause.
       
       Und so denke ich in diesen Tagen von Aserbaidschan, in denen russische
       Buben mit einem 11:0 gegen Sudan ihre Heimat zurück auf die Landkarte des
       internationalen Fußballs schießen konnten, mit einem Lächeln im Gesicht an
       den wunderbaren Fußballsommer zurück, in welchem wir der Welt das beste
       Fußballturnier aller Zeiten schenken durften. Mit großem Vergnügen habe ich
       [2][noch einmal das WM-Tagebuch durchgeblättert], das ich in jenen Tagen
       für die Leser der taz geschrieben habe.
       
       Dabei habe ich durchaus auch über mich selbst gestaunt und mich noch einmal
       darüber gefreut, wie viele Spiele ich damals besuchen durfte oder wie ich
       mit meinem Freund Donald Trump telefoniert habe, um ein sportfachliches
       Gespräch über einen Platzverweis zu führen. Ich musste dabei noch einmal an
       all den Hass denken, der mir von Menschen, die den Fußball nie geliebt
       haben, entgegengeschlagen ist. Inzwischen weiß ich, wie ich umzugehen habe
       mit all der bisweilen enthemmten Kritik, die immer wieder auf mich
       einprasselt. Ich nehme mir eine ganz persönliche Hydration Break und spüle
       den Ärger runter.
       
       Weil ich finde, dass auch erwachsene Männer in der oft so rauen Fußballwelt
       aus ihren Gefühlen kein Geheimnis machen sollten, habe ich mich
       entschlossen, mein Tagebuch mit weiteren Einträgen zu füllen. Dass mir die
       taz die Möglichkeit gibt, meine Gedanken an die Öffentlichkeit zu bringen,
       weiß ich zu schätzen. Ihre Leserinnen und die ganze Welt können ruhig
       wissen, wie es um mein Innerstes bestellt ist. Ich möchte ganz offen sein
       und es mit einigen wenigen Worten zum Ausdruck bringen: Es geht mir gut.
       
       ## Kandidat für den Fifa-Friedenspreis
       
       Auch in den Tagen, [3][als die Hater, wie ich sie genannt habe, besonders
       laut waren], habe ich das Vertrauen in mich selbst nie verloren. Dass dem
       Fußball viel Geld verloren gegangen ist, weil ich den Verkauf der Rechte an
       den großen Fußballturnieren, den ich geplant hatte, am Ende um des lieben
       Weltfriedens willen wieder abgeblasen habe, tut mit immer noch in der Seele
       weh. Es war ein großes Opfer und ich kenne etliche Funktionäre, die mir
       deswegen lieber heute als morgen den Fifa-Friedenspreis verleihen würden.
       
       Wie gut, dass trotz allem noch genug Geld in der Fifa-Kasse war. [4][So
       konnte ich allen Fifa-Mitgliedsverbänden eine Zahlung von 25 Millionen
       Dollar versprechen]. Es liegt mir fern, dafür eine Gegenleistung zu
       verlangen. Aber wenn der Lohn für all die Bemühungen meine Wiederwahl im
       März nächsten Jahres sein sollte, dann würde ich ihn in aller gebotenen
       Demut akzeptieren. Am Ende kommt es ohnehin nur darauf an, dass sich der
       Fußball in aller Welt weiterentwickelt.
       
       Darum habe ich mich in der vergangenen Woche gekümmert. Von Aserbaidschan
       aus habe ich einen Abstecher in das wunderbare Land Bhutan gemacht. Dem
       König, einem gewissen Jugme Khesar Namgel Wangchuk, durfte ich ein Trikot
       der Fifa überreichen und bekam [5][als Gegengeschenk eine Art Bademantel
       vom Präsidenten des dortigen Fußballverbands].
       
       Die Fotos, die mich in dieser Art Tracht zeigen, bekommen auf jeden Fall
       einen Ehrenplatz in der Bildergalerie meines Smartphones. Sie bilden die
       Geschichten ab, die den Fußball wirklich voranbringen. Wie profitiert der
       Fußball im Vergleich dazu von der ohnehin sinnlosen Suche nach einem
       Gegenkandidaten für mich? Ich denke, eine Antwort erübrigt sich.
       
       29 Oct 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gianni Infantino
       
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