# taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Volles Verständnis für die Fans
> Gianni Infantino blickt zufrieden auf nun auf 100 Spiele bei dieser WM
> zurück. Die Buhrufe gegen ihn im Stadion stimmen ihn nachdenklich.
(IMG) Bild: Ein Herz für Fans: Gianni Infantino beim Erfüllen von Autogrammwünschen
## 15. Juli 2026
Hinter mir, hinter uns allen liegt ein fantastischer Fußballabend. Spanien
steht im Endspiel und die Weltmeisterschaft hat ihr 100. Spiel gesehen. Und
wer würde mir widersprechen, wenn ich sage, dass es ganz gewiss kein
einziges Spiel zu viel war. Jedes Spiel hat eine fantastische Geschichte
erzählt, die wir niemals vergessen werden. Und doch bin ich nachdenklich an
diesem Morgen nach dem ersten Halbfinale in meinem Hotelzimmer in Houston,
Los Angeles, Dallas, New York oder wo auch immer ich gerade bin. Ich habe
lange darüber nachgedacht, wie ich mit den Buhrufen umgehen soll, die
gestern zu hören waren, als ich auf der Videoleinwand des Stadions von
Philadelphia, Seattle, Boston oder wo immer dieses Spiel war, zu sehen war.
Ich habe eine Botschaft für all meine Freunde, um mich zu erklären:
[1][Natürlich verstehe ich, dass meine Fans enttäuscht sind], dass ich
nicht winke und aufspringe, wenn ich mich auf den großen Bildschirmen im
Stadion entdecke. Ich bin der Präsident des internationalen Fußballverbands
und kann mich bisweilen nicht so verhalten wie ein gewöhnlicher Fan, der
ich im Tiefsten meines Herzens ja auch immer noch bin.
Aber aufzuspringen und aufgeregt zu winken, so wie es die zahlreichen
Besucherinnen und Besucher tun, für die das Wichtigste an einem
Fußballspiel die Chance ist, einmal ganz groß ins Bild gerückt zu werden,
das geziemt sich für einen Mann in meiner Position einfach nicht.
Die Menschen lieben es, Menschen zu beobachten, die ihre Emotionen
ausleben. Insofern verstehe ich die Buhrufe dafür, dass ich meine
präsidiale Haltung nicht verlassen habe. Mir bleibt nur, zu versichern,
dass in mir die Emotionen bei jedem WM-Spiel nur so brodeln, auch wenn das
vielleicht nicht immer zu sehen ist. Und dass ich nichts sehnlicher tun
würde, als der ganzen Welt immerzu zuzuwinken.
An diesem Tag des Halbfinals habe ich noch viele Hände geschüttelt und
Autogramme geschrieben. Während ich mich daran erinnere, frage ich mich,
welcher Fifa-Präsident vor mir überhaupt Fans hatte und um Autogramme
gebeten wurde. Jedenfalls ist die Liebe meiner Fans [2][auf meinem
Instagramkanal] für meine gut 5 Millionen Follower gut dokumentiert.
Über dieses Medium halte ich Kontakt zu meinen Fans, die mir so viele
WM-Spiele zu verdanken haben. Nun bin ich in die Kritik geraten, [3][weil
die Fifa einer Agentur 2,5 Millionen Euro zahlt], damit der Kanal stets up
to date ist. Ich kann daran nichts Schlechtes finden. Rechnet man nach,
sind das nicht einmal 50 Cent, die wir pro Follower in meinen Kanal
investieren. Es ist eine Summe, für die ich mich beinahe schäme. Sollte ich
deswegen in einem Stadion einmal ausgepfiffen werden, ich würde meine
Kritiker verstehen. So wie ich die Buhrufe verstehe, die während des
Halbfinals in East Rutherford, Arlington, Foxborough oder wo auch immer es
stattgefunden hat, zu vernehmen waren.
15 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Skandalentscheidung-der-Fifa/!6193717
(DIR) [2] https://www.instagram.com/p/Day_XjKjKEA/?img_index=1
(DIR) [3] https://josimarfootball.com/2026/07/07/on-the-presidents-secret-service/
## AUTOREN
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