# taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Fußballverrücktester Gastgeber USA
> Gianni Infantino staunt über ein nicht gerade kleines Weltwunder. Und er
> sieht goldenen Zeiten für den Weltfußball entgegen.
(IMG) Bild: Infantino schaut in die Zukunft des Fußballs und applaudiert ihr
## 16. Juli
Das Finale dieser epischen Weltmeisterschaft ist noch zu spielen. Der
Gewinner steht jedoch schon zweifelsfrei fest. Wer hätte das je für möglich
gehalten? Binnen nur weniger Wochen ist eines der größten Wunder geschaffen
worden, das diese Welt gesehen hat. Nordamerika ist zum
fußballverrücktesten Kontinent dieses Planeten geworden.
Nicht nur die Welt staunt. Auch ihr fußballverrücktester Präsident staunt.
Noch nie hat ein Fifa-Präsident so viele WM-Spiele besucht. Ich war
wirklich fast überall, aber in der ganzen Zeit habe ich nicht einen
Basketballfan, Baseballfan, Eishockeyfan oder einen Anhänger des American
Football gesehen. Das sagt schon alles.
Kein Wunder, auch das [1][Halbfinale zwischen England und Argentinien] war
von der ersten Minute an großartige Werbung für unser wunderschönes Spiel.
Die US-Amerikaner in Atlanta waren völlig aus dem Häuschen. Zu Tausenden
haben sie sich Messi-Trikots angezogen und für diese zauberhaft
elektrisierende Stimmung in Atlanta gesorgt. Der ein oder andere
Argentinier mag dabei gewesen sein, aber die USA haben diesem Spiel ihren
Stempel aufgedrückt. Dank eines US-Amerikaners können wir zudem von der
besten Schiedsrichterleistung der WM-Geschichte sprechen.
## Einer wie Christoph Kolumbus
Messi, der seit Ewigkeiten in Miami Fußball spielt, muss man bereits als
US-Amerikaner betrachten. Das sieht [2][auch mein Freund Donald] so. Wie
McDonald’s hat sich der Fußball in die US-Alltagskultur eingewoben. Der
Einfachheit halber zähle ich mal Kanada dazu. In Rekordzeit ist dies
geschehen. Heute wird noch von Christoph Kolumbus als Entdecker Amerikas
gesprochen. In 500 Jahren wird der ein oder andere von Gianni Infantino
sprechen, mit dem Nordamerika den Fußball entdeckt und in galaktische
Sphären verholfen hat. Die Vorstellung macht mich ein wenig stolz, aber
auch verlegen. Ich komme bekanntlich aus einfachen Verhältnissen.
Die USA, das wird man in 500 Jahren wissen, waren der Schlüssel zur letzten
Expansionswelle dieses fantastischen Sports. In Gaza planen wir schon heute
den Bau unzähliger Fußballfelder und Stadien. Grönland, die größte Insel
dieser Erde, wird dazukommen. Auf den früheren Atomanlagen im Iran wird die
Fifa, wenn alles nach Plan läuft, bald riesige Fußballanlagen errichten
lassen. Auch Kuba wird vom Weltfußball mit US-amerikanischer Hilfe
wachgeküsst werden. Diesem Schwung wird sich China und Indien kaum
entziehen können – [3][Russland sowieso nicht.]
Der Weltfußball steht vor wegweisenden Veränderungen, vor einer
Weggabelung, muss man gar sagen. Ich spüre die Energie allerorten. Selbst
in Europa, wo sich viele Zauderer an den alten Fußball festklammern,
kursieren schon Unterstützungsschreiben für mich wegen der Wahl kommenden
März. Mit dieser Aufbruchsstimmung gehe ich doch gerne ins WM-Finale
hinein. Die nächste Sternstunde des Fußballs, die ihresgleichen sucht.
16 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
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