# taz.de -- Streit um angebliche Absprachen: Jordaniens Vergeltung bringt Syriens Regierung in Bedrängnis
> Jordanische Luftwaffe greift in Syrien mutmaßliche Stellung von
> Terroristen an. Zuvor wurden Verdächtige des Anschlags auf eine Kirche
> gefasst.
(IMG) Bild: Drohnenaufnahme von der Beerdigung der Opfer des jordanischen Luftangriffs in einem südsyrischen Dorf in der Provinz Dara’a
Jordanische Sicherheitskräfte nahmen am Montag 3 Verdächtige in einem Dorf
fest, nachdem [1][ihr Angriff auf Trauernde in einer Kirche in Karak] am
Freitag das ganze Land erschüttert hatte. Auf Bildern und Videos der
Festnahme sieht man Militärs und Polizisten der Spezialeinsatzeinheiten in
schwarzer Vollmontur, die in einem Konvoi aus gepanzerten Fahrzeugen in der
Dunkelheit durch die ausgedörrte Landschaft rasen. Schüsse werden von einem
Flachdach abgefeuert, sie hallen in den menschenleeren Straßen des Dorfs
al-Judayyda im Zentrum Jordaniens nach.
Teils mit blutigem Gesicht und in Handschellen liegen anschließend 3 Männer
neben den Sicherheitskräften. Sie sollen alle aus derselben einheimischen
Familie stammen, 2 sind Geschwister. Auf einer Pressekonferenz gab
Polizeichef Obeidallah al-Maaytah bekannt, die drei Verdächtigen hätten
sich nach der Tat in einem verlassenen Gebäude verschanzt. Als die
Sicherheitskräfte das Versteck stürmten, hätten sie sich verbarrikadiert
und das Feuer eröffnet. Die Verdächtigen trugen Verletzungen davon, sind
aber am Leben. Das Trio habe allein gehandelt, aus religiös-extremistischen
Motiven, betonte der Generalmajor.
Wenige Stunden später führte die jordanische Luftwaffe mehrere Luftangriffe
auf Gebäude in der Nähe von Dara’a in Südsyrien durch. Auf X schrieb das
Militär, man habe die „Operation Jordanische Abschreckung – Humud“
durchgeführt. Humud ist der Name des Dorfes, in dem der Anschlag
stattgefunden hatte. Die Operation habe sich gegen Verstecke von
Terrororganisationen in Syrien gerichtet.
Die Luftangriffe sollen IS-Zellen gegolten haben. Laut der jordanischen
Regierung seien über 20 IS-Mitglieder getötet worden. Die 3 Verdächtigen
sollen Verbindungen zu dortigen IS-Gruppierungen haben. Die Luftschläge, so
die Streitkräfte, seien eine Vergeltung für den Terrorangriff.
## Syrien spricht von zivilen Opfern, Jordanien von Terroristen
Syrische Medien berichten hingegen, unter den Raketen der jordanischen
Kampfjets seien mindestens 7 Zivilist:innen gestorben, unter anderem
eine Frau, ein älterer Mann und 3 Kinder. Die syrische Regierung gab an,
nicht im Vorfeld über die Luftangriffe informiert worden zu sein und
drückte ihre Solidarität mit den betroffenen Familien aus. Man habe Kontakt
mit den jordanischen Behörden aufgenommen, um den Vorfall zu klären, hieß
es. Die jordanischen Streitkräfte betonten dagegen, sie hätten den Angriff
„in Koordination mit der syrischen Regierung“ geführt.
Später bedauerte Kommunikationsminister Mohammed al-Momani die zivilen
Opfer. Am Dienstag bekräftigte Amman, die jordanische Regierung pflege eine
„brüderliche Beziehung“ zur Regierung in Damaskus, respektiere den
syrischen Staat und strebe an, gemeinsame Herausforderungen zu meistern,
vor allem im Kampf gegen die IS-Terrororganisation.
Nach den Luftangriffen schloss Syrien allerdings seinen Grenzübergang zu
Jordanien, wie Medien und Augenzeugen berichten. Man wolle „aufgrund der
aktuellen Umstände“ Reisende und Grenzpersonal schützen, so die Behörden.
## Bisherige Angriffe Jordaniens galten Drogenschmugglern
Ob der Angriff tatsächlich koordiniert war und wie viele Menschen dabei
starben, ist schwer zu sagen. Auf syrischer Seite gab es bislang keine
Hinweise, dass Terroristen getötet wurden. Sicher ist, dass die Regierung
des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa wegen der Lage in Südsyrien
gerade unter Druck steht, und zwar an mehreren Fronten. Im Westen wühlen
Razzien und Angriffe Israels die Bevölkerung auf. Jordanien wiederum hat
wiederholt Luftangriffe im Süden geflogen, bisher allerdings eher gegen
Drogenschmuggler.
In den drusischen Regionen haben sich Kämpfergruppen unter Führung von
Scheich Hikmat al-Hijri zusammengetan. Syrien beschuldigt die israelische
Regierung, die drusischen Milizen mit Waffen und Geld zu unterstützen, um
Chaos zu stiften und das Land zu destabilisieren.
27 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
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