# taz.de -- Informatiker über Rechenzentren: „Die Cloud sind auch nur die Computer anderer Leute“
> Rechenzentren fressen enorm viel Strom. Informatiker Tim Evers kühlt sein
> Zentrum neun Monate im Jahr mit Frischluft von draußen – ohne
> Klimaanlage.
(IMG) Bild: Hier wohnt das Internet: Am Tag der Rechenzentren ist es möglich, bei der Produktion von Einsen und Nullen zuzuschauen
taz: Herr Evers, warum lohnt es sich, zum Tag der offenen Rechenzentren ihr
Rechenzentrum zu besuchen?
Tim Evers: Man sieht zum Beispiel, dass die Cloud auch nur die Computer
anderer Leute sind. Und man kann sehen, wie sich unser Computer von denen
unterscheiden, die man zu Hause auf dem Schreibtisch stehen hat.
taz: Sind wir nicht irgendwie alle Kunden*innen bei Ihnen?
Evers: Letzten Endes ja, denn es wird heutzutage kaum noch Menschen geben,
die nicht in irgendeiner Form etwas nutzen, das in einem Rechenzentrum
stattfindet.
taz: Und wie sieht Ihr direkter Kundenkreis aus?
Evers: Da ist das Spektrum sehr weit. Das geht von einer kleinen Hobbyseite
bis zu einem großen Onlineshop-Anbieter, von Onlinespielen zu Anbietern von
Cloud-Diensten, die ihrerseits Storage für E-Mails und Softwareservice
verkaufen.
taz: Entspricht Ihr Rechenzentrum dem Klischee von einer großen,
abgeschirmten Anlage auf dem Land?
Evers: Nein, wir sind ein relativ kleines Rechenzentrum, und das hat wenig
damit zu tun, [1][wenn Amazon oder OpenAI irgendwo auf der grünen Wiese]
riesige Hallen errichten und da 500 Megawatt an Strom verbrauchen. Das sind
zwar beides Rechenzentren, sie unterscheiden sich aber fundamental.
taz: Und [2][wie viel Strom fressen Sie] im Vergleich?
Evers: Wir verbrauchen knapp unter einem Megawatt im Jahr. Das entspricht
fast 500 Haushalten.
taz: Auch das ist ja nicht wenig.
Evers: Darum versuchen wir, so nachhaltig wie möglich zu arbeiten. Wir
nutzen etwa Ökostrom, aber das hat sich in unserem Bereich des Marktes
schon lange durchgesetzt. Viel wichtiger ist es aus unserer Perspektive,
möglichst viel Strom zu sparen.
taz: Und gelingt Ihnen das?
Evers: Einen großen Teil der Energie verbraucht die Kühlung durch
Klimaanlagen. Da haben wir aber schon vor ein paar Jahren einen großen
Schritt gemacht und beziehen meistens einfach frische Luft von draußen. In
neun bis zehn Monaten des Jahres kann man so auf die sehr aufwendige
Kühlung verzichten.
taz: Und wie sieht es mit der Nutzung der Abwärme aus?
Evers: Abgesehen davon, das man die Wärme für das Gebäude selber nutzt, ist
es schwierig. Unsere Abwärme ist etwa 35 Grad warm. Damit kann man kein
[3][Fernwärmenetz] beliefern, denn für die muss die Abwärme 80 bis 90 Grad
haben. Wir müssten sie also noch einmal durch eine Wärmepumpe schicken, die
dann auch wieder Strom verbrauchen würde.
taz: Ist ein Stromausfall die größte Bedrohung für ein Rechenzentrum?
Evers: Das haben wir schon erlebt, und das ist gar nicht so lange her. Da
war der Strom stadtseitig für ein paar Stunden weg. Da wurde dann
automatisch auf das Notstromaggregat umgeschaltet. Die Energie dafür kommt
von einer Batterie, die nur für die 20 Sekunden zuständig ist, bis dann der
Diesel läuft.
taz: Und wie lange kann der Diesel laufen?
Evers: So lange, wie es Diesel gibt, denn den tankt man einfach nach.
taz: Wenn selbst solche Abläufe bei Ihnen automatisiert sind, wie viele
Menschen arbeiten dann überhaupt in Ihrem Rechenzentrum?
Evers: Zurzeit sind es fünf Leute, und das ist schon relativ viel. Sie sind
vor allem für die Wartung, die Koordination von externen Dienstleistern
sowie für kleinere Arbeiten für die Kundschaft zuständig.
taz: Wie sieht es denn nun genau in Ihrem Rechenzentrum aus?
Evers: Bei uns stehen etwa 120 Serverschränke auf um die 600 Quadratmeter.
Das sind Schränke aus Metall, die etwa zwei Meter hoch sind. Da kommt dann
von oben das Internet, von unten der Strom sowie von der Seite die kalte
Luft. Und das war es dann auch schon.
taz: Sie können also Ihren Kund*innen genau zeigen, wo ihr Schrank oder
ihre Schränke stehen?
Evers: Ja, und das finden die Leute auch immer am faszinierendsten: Bei dem
sehr abstrakten Bild vom Internet und der Cloud gibt es einen Schrank und
da sitzt ein Computer drin und auf diesem Computer in diesem Rechenzentrum
läuft in diesem Moment meine kleine Webseite.
3 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Rechenzentren-in-Deutschland/!6210365
(DIR) [2] https://de.statista.com/infografik/34392/weltweiter-stromverbrauch-von-datenzentren-nach-ausstattungsmerkmalen/
(DIR) [3] /Klimafreundliches-Heizen/!6188286
## AUTOREN
(DIR) Wilfried Hippen
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Computer
(DIR) Strom
(DIR) Internet
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) EuGH-Gutachten: KI-Chatbots können Urheberrecht der Presse verletzen
Ein Presseverlag in Ungarn wehrt sich gegen die Nutzung seiner Inhalte
durch KI-Modelle. Ein EuGH-Gutachten urteilt, KI-Chatbots können damit das
Urheberrecht verletzen.
(DIR) Klimakiller Rechenzentren: Hohe CO₂-Emissionen durch Datenzentren in den USA
Der Strom für neue Computeranlagen in den USA kommt oft aus Gaskraftwerken.
Die Emissionen steigen dadurch stark, zeigt eine Untersuchung.
(DIR) Neue Rechenzentren in Deutschland: „Am Ende muss es ein fairer Tausch sein“
Der Bau von Rechenzentren sorgt für Proteste. Wie man die ernst nehmen und
dennoch für digitale Souveränität sorgen kann, erklären zwei IT-Experten.