# taz.de -- AfD und die Wahl in Serbien: Krahs Klage um Belgrad
       
       > Mit Vučić’ Abwahl verliert Europas extreme Rechte ihr zweites
       > Vorzeigemodell binnen eines halben Jahres. Ein AfD-Post zeigt, wie sehr
       > das schmerzt.
       
 (IMG) Bild: Krah-kelende Kommentare von AfD zu Serbien
       
       „Nach Ungarn haben wir auch Serbien verloren.“ Das ist nicht etwa ein Zitat
       aus dem Kreml, sondern eines [1][vom AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian
       Krah]. Während halb Europa [2][den Sturz Aleksandar Vučić’ am Sonntag]
       bejubelte, sprach Krah auf X von „keinem guten Tag“. Die Rechte müsse sich
       neu aufstellen, ihr bisheriges Konzept überzeuge nicht mehr.
       
       Zur Erinnerung: Vučić bestimmte die serbische Politik seit 2012 – als
       Vizepremier, Premier und zuletzt als Präsident – und baute das Land zu
       einem hybriden Regime um. Im Freedom-House-Index sackte Serbien von 78
       Punkten (2016) auf zuletzt 53 Punkte von 100 ab. Seit 2019 gilt es nur noch
       als „teilweise frei“. Die Vučić-Jahre waren von Korruption, fehlender
       Rechtsstaatlichkeit und einer außenpolitischen Schlagseite gen Moskau
       geprägt.
       
       Das „Wir“ Krahs ist dennoch kein Ausrutscher. Schon als Ungarns
       Langzeit-Premier [3][Viktor Orbán im April abgewählt wurde], meldete er
       sich noch am Wahlabend per Video aus Budapest. „Für uns ist es schlecht,
       das müssen wir zugeben“, sagte er dort. Die Parteispitze war dagegen
       wortkarg geblieben, Alice Weidel ließ nur ihren Sprecher den Verlust eines
       „bedeutsamen Partners“ bedauern. Zu Serbien schweigt sie bislang ganz.
       
       In den ersten Jahren nach ihrer Gründung 2013 interessierte sich die AfD
       zwar kaum für Serbien. Und wenn, dann für Vučić’ Gegner. Noch 2017 empfing
       der damalige Parteichef Jörg Meuthen Boško Obradović von der rechten
       Dveri-Bewegung, der damals gegen Vučić um das Präsidentenamt antrat.
       
       ## Seitenwechsel
       
       Spätestens 2019 wechselte die AfD die Seite. Ihr damaliger außenpolitischer
       Sprecher Armin-Paul Hampel erklärte im Oktober 2019 bei Vučić’ Parteivize
       Marko Đurić die Unabhängigkeit des Kosovo für unrechtmäßig. Weitere
       Beispiele: Nach der [4][von Manipulationen überschatteten serbischen]
       [5][Parlamentswahl 2023] machte der AfD-Abgeordnete Harald Weyel vor allem
       die Opposition für Gewalt verantwortlich. Im Oktober 2024 lobte
       Co-Parteichef Tino Chrupalla den „[6][aktiven Grenzschutz]“ Serbiens und
       traf die damalige Familienministerin Milica Đurđević Stamenkovski. Anfang
       2025 lud die sächsische AfD sie im Gegenzug [7][als Rednerin zu ihrem
       Wahlkampffinale] ein.
       
       Auch die österreichische FPÖ, wohl die engste [8][Schwesterpartei der AfD],
       steht seit langem offen an Vučić’ Seite. Schon unter dem langjährigen
       Parteichef Heinz-Christian Strache zählte sie den Kosovo zu Serbien. Harald
       Vilimsky, Leiter der FPÖ-Delegation im EU-Parlament, warb 2024 dafür, dass
       vom gesamten Westbalkan allein Serbien in die EU aufgenommen werden sollte.
       Vučić revanchierte sich für diese Treue 2025 mit einem Orden.
       
       Die Nähe zu Vučić war allerdings nie ein Privileg der Rechtsaußen. Seine
       Partei SNS ist mit der EVP verbunden, der Parteienfamilie von CDU und CSU.
       Angela Merkel [9][traf ihn in neun Jahren 16 Mal] und lobte das „sehr
       vertrauensvolle“ Verhältnis. Ernsthafte Konsequenzen angesichts des Abbaus
       der Rechtsstaatlichkeit blieben aus, Ruhe auf dem Balkan zählte offenbar
       mehr als Demokratie.
       
       Krahs Tweet offenbart wohl ehrliche Wehmut. Orbán und Vučić lieferten
       jahrelang den Beweis, dass sich Medien, Justiz und Wahlen kontrollieren
       lassen, ohne ganz mit der EU zu brechen. Das außenpolitische Versprechen
       der AfD – Souveränität, harte Grenzen, Annäherung an Russland – ließ sich
       fast prototypisch an Budapest und Belgrad vorführen. Binnen gut eines
       halben Jahres sind der AfD nun beide Vorbilder abhandengekommen.
       
       Krahs Ruf nach einer Neuaufstellung ist aber auch eine Selbstdiagnose wider
       Willen. Wer zwei abgewählte Halbautokraten als Teil des eigenen „Wir“
       betrauert, verrät, wie er selbst regieren möchte. Damit hat Krah seine
       Partei einmal mehr zur Kenntlichkeit entstellt.
       
       27 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/KrahMax/status/2114472164032237707
 (DIR) [2] /Parlamentswahlen-in-Serbien/!6224972
 (DIR) [3] /Wahl-in-Ungarn/!6170093
 (DIR) [4] /Wahlen-in-Serbien/!5980645
 (DIR) [5] /Wahlen-in-Serbien/!5980645
 (DIR) [6] /Migrationsroute-in-Osteuropa/!6208429
 (DIR) [7] /AfD-Wahlkampf-in-Sachsen/!6071106
 (DIR) [8] /AfD-Besuch-in-Oesterreich/!6215635
 (DIR) [9] /Abschiedsreise-der-Bundeskanzlerin/!5797365
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Florian Bayer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Serbien
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 (DIR) Parlamentswahlen
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