# taz.de -- Neues Licht fürs Brandenburger Tor: Der Mond ist aufgegangen
> Die Fassadenbeleuchtung des Brandenburger Tors ist abgeschaltet. Sie wird
> auf LED umgestellt. Ein paar Wochen lang leuchtet dort ein kleiner
> Kunstmond.
(IMG) Bild: Seit Montagabend gibt es nur noch diese eine Lichtquelle am Brandenburger Tor: die „Mondleuchte“, eine leuchtende Kugel
Niederländische Schüler:innen posieren für ein Erinnerungsfoto.
Französische Tourist:innen fragen, warum hier Kamerateams herumstehen?
Und Kinder aus Zschopau im Erzgebirge witzeln: „Kommen wir jetzt ins
Fernsehen?“
Die Sonne ist in Berlin am Montag um 16.48 Uhr untergegangen. Und das
Brandenburger Tor liegt im Dunkeln. Das ist ungewöhnlich. Die reguläre
Beleuchtung, die das Denkmal mit immerhin 281 Leuchten in Szene setzt, ist
ausgeschaltet. Die Beleuchtungsanlage wird saniert. Eine leuchtende Kugel
im mittleren Durchgang des Tores aber soll stattdessen leuchten und auf die
Modernisierung hinweisen. Doch die Arbeiten am Montagnachmittag ziehen
sich, die Kugel – eine Art künstlicher Mond – leuchtet erst mit einer
Stunde Verspätung. Die Hebebühne hat anfangs Probleme gemacht.
Und so beobachtet eine Schar aus ständig wechselnden Touristengruppen die
beiden Handwerker einer kleinen Firma aus Potsdam [1][in rund 14 Meter
Höhe] bei ihrem Tun. Erst auf der einen Seite der Durchfahrt, dann auf der
anderen. Und es scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein, es zieht sich,
es wird ganz schön kalt so ohne Sonne … „Die feinen Drähte durch die
kleinen Löcher da oben zu fummeln, ist nicht so einfach“, erklärt ein
Mitarbeiter der Firma einer TV-Reporterin von RTL. Also warten wir alle
noch ein Weilchen. Doch da, es ist 17.32 Uhr, leuchtet die verpackte Kugel,
noch in der Hebebühne liegend – doch nur für eine Sekunde. Doch das war nur
ein Test. Wieder heißt es: Warten auf die Erleuchtung.
Und als hätte das Ganze jemand orchestriert, schiebt sich um 17.40 Uhr der
echte Vollmond von Westen her, vis-à-vis dem Hotel Adlon, kommend ins Bild.
Eine Minute später piept die Hebebühne, ein Zeichen, dass sie sich in
Bewegung setzt. Die nicht ausgepackte Kugel, nun rechts und links mit
Drähten gesichert, schwebt endlich im mittleren Durchgang des Brandenburger
Tors. Das Ding sieht aus wie eine überdimensionierte, schlecht verpackte
Praline.
## Energieverbrauch sinkt um rund 40 Prozent
Die Hebebühne muss erst neu postiert werden, damit die Handwerker sie
auspacken können. Das geht dann recht fix. Um 17.47 leuchtet die Kugel,
dieser Ersatzmond, endlich, und es brandet etwas Beifall auf. „Schlicht,
aber schön“, sagt eine Frau zu ihrem Mann und macht ein Foto. „Soll das
jetzt so bleiben?“, fragt der rhetorisch zurück. Nun, das lässt sich
aufklären.
Berlins wohl bekanntestes Wahrzeichen bekommt ein Update für die Nacht.
Bereits seit dem 20. Oktober liefen die vorbereitenden Arbeiten im Auftrag
der [2][Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM)] zur umfassenden
Erneuerung der Fassadenbeleuchtung. Sie soll technisch sowie energetisch
auf den neuesten Stand gebracht werden. Dazu werden die 281 Leuchten mit
sogenannten Halogenmetalldampfentladungslampen durch moderne LED-Leuchten
ersetzt.
Das spart Strom. Die BIM rechnet damit, dass der Energieverbrauch um rund
40 Prozent sinkt. Und verspricht zugleich, dass „mit der neuen
LED-Beleuchtung die besondere Ausstrahlung des Brandenburger Tors erhalten
bleibt“. Wir werden sehen.
Neben dem Austausch der Leuchten werden die Lichtsteuerung sowie die
elektrische Infrastruktur modernisiert. Das Investitionsvolumen beträgt
laut BIM rund 1,2 Millionen Euro. Die Lichtplanung verantwortet das Büro
Kardorff aus Berlin, das bereits die bestehende Beleuchtung des Tores aus
dem Jahr 2002 entworfen hat. Die „entspricht nicht mehr den heutigen
technischen Anforderungen“, teilt die BIM mit, sie ist „zunehmend
störanfällig und nur noch eingeschränkt wartbar, da wichtige Ersatzteile
kaum noch verfügbar sind“.
Wer sich das nur vom kleinen Kunstmond beleuchtete Brandenburger Tor
anschauen will, sollte das bald tun. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich
nur rund sechs Wochen dauern. Während der Bauzeit bleiben die beiden
äußeren Durchgänge gesperrt, der mittlere Durchgang (wo der „Mond“ hängt)
kann weiterhin genutzt werden. Und Anfang Dezember soll das Licht am
Brandenburger Tor wieder angeschaltet werden. Passend zum Advent.
27 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Brandenburger_Tor
(DIR) [2] https://www.bim-berlin.de/landesimmobilien/news/newsdetail/licht-aus-am-brandenburger-tor
## AUTOREN
(DIR) Andreas Hergeth
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