# taz.de -- Truppenentsendung nach Niger: Algerien schickt Soldaten in die Wüste
       
       > Auf einer einstigen französischen Basis in Niger sollen zukünftig
       > algerische Soldaten stehen. Es geht um Ölinteressen – und die Abwehr von
       > Rivalen.
       
 (IMG) Bild: Die Militärbasis Madama in Nigers Wüste: 1930 bis 1960 und 2014 bis 2019 stand dort Frankreichs Armee. Jetzt kommt Algerien
       
       Zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren stationiert Nordafrikas größtes
       Land Algerien Soldaten im Ausland. Das Parlament in Algier billigte am
       Sonntag einstimmig die Entsendung von Truppen ins Nachbarland Niger. Die
       von Präsident Abdelmadjid Tebboune gemäß eines bilateralen Abkommens mit
       Niger beschlossene Militärintervention, über die keine Details offiziell
       mitgeteilt wurden, soll „Energieinteressen schützen“, heißt es in der
       Resolution.
       
       In Niger regiert seit 2023 das Militär, und es herrscht Krieg zwischen der
       Regierung und islamistischen Rebellengruppen, die ihrerseits untereinander
       verfeindet sind. Vor zwei Monaten hatte ein russisches Eingreifen
       verhindert, dass [1][meuternde Soldaten in Nigers Hauptstadt Niamey] die
       Militärregierung stürzen. Am 30. August hatte Algerien daraufhin
       [2][Kampfjets in Niamey stationiert] – um für „Sicherheit und Stabilität“
       zu sorgen, wie damals offiziell erklärt wurde.
       
       Nun wird das ausgebaut. Am vergangenen Mittwoch unterzeichnete Nigers
       Verteidigungsminister Salifou Modi in Algier ein Verteidigungsabkommen mit
       Algeriens Regierung. Als Folge davon beschloss Präsident Tebboune die
       Truppenentsendung.
       
       Nach Berichten von Analysten stellt Niger den algerischen Streitkräften die
       Militärbasis Madama zur Verfügung. Madama liegt im äußersten Norden Nigers
       mitten in der Saharawüste unweit der Grenze zu Libyen. Die ehemalige
       französische Kolonialbasis war von 2014 bis 2019 ein wichtiger Stützpunkt
       der französischen Antiterroroperation „Barkhane“ in Mali und Niger.
       
       ## Von Madama aus überwachte Frankreich die Sahara
       
       Madama diente damals nicht dem direkten Kampf gegen islamistische
       Terrorgruppen, denn es war von den Kriegsschauplätzen in Mali zu weit
       entfernt. Aber von Madama aus überwachte Frankreich die zentrale
       Transsahararoute, die aus der Wüstenstadt Agadez in Niger über den Pass
       „Salvador“ in den Bergen an der libyschen Grenze bis ans Mittelmeer führt.
       Sie war lange bei Schmugglern von Waren, Waffen und Menschen beliebt und
       war zeitweise [3][die wichtigste irreguläre Migrationsroute] aus Afrika
       südlich der Sahara Richtung Europa und eine wichtige Transitroute für
       Waffen aus Libyen an bewaffnete Gruppen in der Sahelzone.
       
       Frankreich hatte in Madama ein Fallschirmjägerregiment mit
       Unterstützungstruppen sowie umfangreiche Geheimdienst- und
       Aufklärungskapazitäten stationiert, insgesamt rund 250 Soldaten. 2019 wurde
       die Basis der Armee Nigers übergeben. Inzwischen ist Frankreich in keinem
       Land der Region mehr militärisch präsent.
       
       Indem Algerien seine Truppen nicht in Nigers Hauptstadt stationiert,
       sondern Tausende Kilometer entfernt in der Wüste, und auf zu schützende
       „Energieinteressen“ verweist, macht es deutlich, dass seine
       Militärintervention nicht in erster Linie Nigers Machthabern nützen soll,
       sondern seinen eigenen Interessen folgt.
       
       ## Gegen den Machtanspruch von Libyens General Haftar
       
       Unweit von Madama hält der staatliche algerische Ölkonzern [4][Sonatrach]
       seit 2005 die Förderrechte für die über 23.000 Quadratkilometer große
       Ölkonzession Kafra. Am 13. August wurden dort [5][bei einer Feier] im
       Beisein der Premierminister Algeriens und Nigers die ersten Bohrlöcher in
       Betrieb genommen.
       
       Mit Soldaten im Norden Nigers tritt Algerien auch einer befürchteten
       Ausdehnung des Einflussbereichs des ostlibyschen Generals Khalifa Haftar
       entgegen, der weite Teile Ost- und Südlibyens beherrscht und Libyens
       Regierung in der Hauptstadt Tripolis nicht anerkennt. Seine Macht beruht
       unter anderem auf Kontrolle der Transsahararouten, auch die nach Tschad und
       Sudan.
       
       Haftars Umfeld pflegt gute Kontakte zu nigrischen Exiloppositionellen, die
       dem 2023 von Nigers Militär gestürzten Präsidenten [6][Mohamed Bazoum]
       nahestehen – Bazoum gehört zu Nigers arabischer Minderheit und ist bis
       heute in Niamey inhaftiert.
       
       Der libysche General sieht sich auch als Ordnungsmacht in der Region:
       Vergangene Woche wurden eine Österreicherin und eine Schweizerin, die im
       Januar beziehungsweise April 2025 von der Terrorgruppe IS (Islamischer
       Staat) im nigrischen Agadez gekidnappt worden waren, im ostlibyschen
       Bengasi freigelassen, angeblich auf Vermittlung Haftars. Die Regierungen in
       Algerien und Niger sind über all dies gleichermaßen irritiert.
       
       26 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://sonatrach.com/en/algerian-nigerien-cooperation-signing-of-three-03-mous-between-sonatrachs-subsidiaries-and-the-nigerien-petroleum-company-sonidep/
 (DIR) [5] https://www.rfi.fr/fr/afrique/20260817-un-nouveau-forage-p%C3%A9trolier-alg%C3%A9ro-nig%C3%A9rien-lanc%C3%A9-dans-le-nord-du-niger
 (DIR) [6] /Nigers-Praesident-im-taz-Interview-2021/!5782261
       
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       Dubai.