# taz.de -- Sozialproteste in Europa: Für gute Bildung, bezahlbare Mieten und moderate Preise
       
       > Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Albanien, Spanien oder Italien
       > demonstrieren Menschen gegen Missstände an Schulen und Unis und gegen zu
       > hohe Lebenshaltungskosten.
       
 (IMG) Bild: In Rom protestierten Menschen, einzelne Demonstranten drangen ins Kolosseum ein
       
       dpa | Bei Protesten in [1][mehreren europäischen Ländern] haben Menschen
       erneut gegen zu hohe Lebenshaltungskosten demonstriert. In einigen Städten
       ist es dabei zu Krawallen gekommen. Gewalttätige Zusammenstöße gab es am
       Wochenende in Frankreich, Albanien, Spanien, Italien, Portugal und Belgien.
       
       [2][In Frankreich] nahmen nach Angaben des Innenministeriums rund 410.000
       Menschen an den landesweiten Protesten am Samstag teil, davon rund 110.000
       in Paris. Den seit Wochen für eine bessere Ausstattung von Schulen
       demonstrierenden jungen Leuten schlossen sich weitere Gruppen an, um etwa
       gegen zu hohe Lebenshaltungskosten zu demonstrieren.
       
       Vielerorts sind die Proteste friedlich verlaufen.
       
       ## Über 1.300 Festnahmen in Frankreich
       
       Am Rande der Demonstrationen wurden nach Angaben der Behörden 1.314
       Menschen festgenommen. 53 Polizisten seien verletzt worden, teilte
       Innenminister Laurent Nuñez mit. Die Einsatzkräfte seien gegen 75 versuchte
       Brandstiftungen vorgegangen und es habe 24 Plünderungen gegeben.
       
       [3][Die eigentlichen Demonstrationen] verliefen nach Worten des
       Innenministers reibungslos. Dennoch kam es am Rande der Protestzüge erneut
       zu Ausschreitungen. Bilder aus Paris zeigten Wolken von Tränengas und
       Feuerwerkskörper sowie den Einsatz von Wasserwerfern. Ähnlich sah es in
       Lyon, Bordeaux und Marseille aus. Der Minister machte insbesondere die
       „radikale extreme Linke, die Ultralinke“, dafür verantwortlich. In Nizza
       meldete die Staatsanwaltschaft aber auch die Festnahme von elf Mitgliedern
       einer rechtsextremen Gruppierung.
       
       ## Gewalt und Verletzte in Albanien
       
       Auch in Albanien kam es bei Protesten gegen Missstände im Hochschulwesen
       und gegen die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama erneut zu Gewalt.
       Demonstrierende in der Hauptstadt Tirana warfen mit Steinen auf
       Regierungsgebäude und die Polizei, wie die staatliche Nachrichtenagentur
       ATA berichtete. Die Lage sei eskaliert, als Protestierende das
       Umweltministerium in Brand setzten. Auf Fernsehbildern und in sozialen
       Medien waren chaotische Szenen zu sehen.
       
       Laut ATA hatte der unter anderem von Studierenden organisierte Protest am
       Samstag vor dem Bildungsministerium begonnen und sich auf andere
       Ministerien und Teile der Stadt ausgeweitet. Laut dem privaten
       Fernsehsender Klan warfen Demonstrierende auch Feuerwerkskörper und
       Molotowcocktails. Die Polizei setzte den Angaben zufolge Wasserwerfer,
       Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschosse ein, um die Menge zu zerstreuen.
       Demnach gab es Verletzte auf beiden Seiten. Beamte hätten auch das
       Kamera-Team von Klan News angegriffen, hieß es.
       
       ## Randale in Barcelona
       
       In Barcelona kamen Berichten zufolge Hunderte Jugendliche und junge
       Erwachsene am Samstagabend bis in die Nacht hinein zu Protesten zusammen.
       Junge Leute hätten Straßenmobiliar, Fahrräder und Motorräder beschädigt,
       Geschäfte geplündert und Müllcontainer angezündet, berichteten unter
       anderem die spanische Tageszeitung El País und der katalanische
       Fernsehsender Betevé. Das genaue Ziel der Proteste war demnach unklar.
       
       Die katalanische Polizei und die städtische Polizei in der Hauptstadt
       Kataloniens nahmen demnach rund 100 Demonstranten fest. Bei etwa einem
       Viertel der Festgenommen habe es sich um Minderjährige gehandelt. Laut
       Berichten waren die Jugendlichen einem Aufruf über soziale Medien zu einer
       unangekündigten Demonstration im Stadtzentrum gefolgt.
       
       Der Ministerpräsident der wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens,
       Salvador llla, verurteilte die Gewalttaten: „Gewalt hat in Katalonien
       keinen Platz. Niemals. Protestieren ist ein demokratisches Recht. Angriffe,
       Einschüchterungen und Sachbeschädigung hingegen nicht“, sagte er laut El
       País.
       
       ## Festnahmen in Belgien
       
       Auch in Belgien gab es kleinere Demonstrationen in Brüssel und Lüttich.
       Diese gingen laut Innenminister Bernard Quintin ohne größere Zwischenfälle
       zu Ende. In der Hauptstadt Brüssel nahmen rund 400 Menschen daran teil, wie
       die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Demnach gab es neun Festnahmen
       wegen Störung der öffentlichen Ordnung sowie Waffenbesitz und Anstiftung zu
       Gewalt. Am vergangenen Wochenende waren es demnach 150 Festnahmen.
       
       ## Weiter Proteste in Italien
       
       Tausende Menschen demonstrierten auch erneut in mehreren italienischen
       Großstädten. Bei einigen Protesten kam es zu Zusammenstößen zwischen
       Demonstranten und Polizisten. Neun Haftbefehle wurden erlassen und 317
       Menschen festgenommen. Die verschiedenen Proteste umfassten ein breites
       Spektrum an Themen, darunter hohe Lebenshaltungskosten, Benzinpreise sowie
       Aufrüstung und den Nahostkonflikt.
       
       In der norditalienischen Metropole Mailand, in der es vergangenes
       Wochenende zu schweren Krawallen gekommen war, verliefen die Proteste
       größtenteils ohne größere Zwischenfälle. Aus Sorge vor Ausschreitungen
       waren viele Luxusgeschäfte verbarrikadiert worden.
       
       ## Demonstranten dringen in Kolosseum in Rom ein
       
       [4][In der Hauptstadt Rom] kam es am Abend im Zentrum zu Spannungen: Die
       Polizei setzte Wasserwerfer ein. Über dem Gebiet des Hauptbahnhofes Termini
       kreisten Polizeihubschrauber. Im historischen Zentrum drangen
       zwischenzeitlich Protestteilnehmer in das Kolosseum ein. In Bologna setzte
       die Polizei bei Zusammenstößen mit Demonstranten Tränengas und Wasserwerfer
       ein. In Turin drängten Sicherheitskräfte Teilnehmer der Proteste mit
       Schilden zurück.
       
       In Portugal protestierten zahlreiche Menschen in Lissabon und Porto für das
       Recht auf Wohnen. Die Polizei nahm nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa
       in der Hauptstadt 25 Menschen fest. Dort war es bei den Protesten rund um
       den Rossio-Platz zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und
       Sicherheitskräften gekommen.
       
       25 Oct 2026
       
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