# taz.de -- Israelische Militäroperation in Syrien: Erneute Vorstöße der israelischen Armee in Südwestsyrien
> Israelische Streitkräfte haben am Donnerstag an mehreren Orten in
> Südwestsyrien Razzien durchgeführt. Dabei kam ein Mann uns Leben.
(IMG) Bild: Protest vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in Damaskus. Die Angehörigen fordern die Freilassung der Verhafteten aus Quneitra
Mindestens drei Militäroperationen in 24 Stunden sollen die Region zwischen
Quneitra und Dara’a in Südwestsyrien erschüttert haben. Nach Angaben von
Einwohner:innen und lokalen Medien haben israelische Streitkräfte an
mehreren Orten Razzien durchgeführt und dabei auch geschossen. Ein Mann mit
geistiger Beeinträchtigung wurde dabei offenbar von einer Kugel tödlich
getroffen.
Wie mehrere arabische Medien berichten, postierten israelische Truppen
während einer Razzia im Dorf Jamla, 33 Kilometer südlich von Quneitra und
30 westlich von Dara’a, Scharfschützen auf den Dächern von Wohnhäusern. Die
staatliche Nachrichtenagentur Sana zitierte das syrische Außenministerium
zum Tod des Mannes: Demnach seien die [1][„israelischen Besatzungsbehörden]
für dieses Verbrechen voll verantwortlich“. Außerdem verletzten die
anhaltenden israelischen Vorstöße die Souveränität des Landes und bedrohten
die Stabilität der Region.
Das israelische Militär schrieb auf Nachfrage, in der Nacht von Mittwoch
auf Donnerstag hätten Soldat:innen Operationen in Südsyrien
durchgeführt. Dabei hätten sie jemanden gesehen, der auf sie zuging, und
ein „Verfahren zur Festnahme des Verdächtigen“ eingeleitet. Als sich der
Mann ihnen weiter genähert habe, hätten sie das Feuer eröffnet. Das
Geschehen werde gerade untersucht. Die Frage nach dem Grund der Razzia ließ
die Armee unbeantwortet.
## Israelische Angriffe in Syrien nehmen zu
Am selben Tag meldeten regionale Medien zwei weitere Vorfälle. Laut der
türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hat die israelische Armee ein
verlassenes Haus in der Provinz Quneitra in die Luft gejagt und mit
Maschinengewehren auf bestelltes Land nahe dem Dorf Hamidiyah geschossen.
Ähnliches sollen israelische Soldat:innen im Dorf Kudna getan haben.
Wieso, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage ließ das israelische Militär
ebenfalls unbeantwortet.
Bei einer Razzia im Dorf Turnejeh haben israelische Soldat:innen
außerdem Häuser durchsucht und einen Mann festgenommen.
Die israelischen Angriffe in Südsyrien nehmen zu, das vermelden Medien und
die staatliche Nachrichtenagentur Sana. In der vergangenen Woche gab es
mehrere Razzien und Festnahmen. Ein Einwohner aus Quneitra, der anonym
bleiben möchte, sagt: „Die aktuelle Lage ist angespannt und die Menschen
leben in einem Zustand der Unsicherheit. Niemand verteidigt oder beschützt
uns.“ Die Bevölkerung werde terrorisiert, Olivenbäume zerstört und Häuser
in Brand gesteckt. Wieso, das wisse er nicht.
## Eskalation vor den Wahlen in Israel
Mohammad al-Fayyad, ein syrischer Aktivist aus der Region, findet, das
israelische Militär eskaliere gerade die Lage mit seinen Operationen.
„Kampfjets sind ständig präsent im syrischen Luftraum.“ Für ihn hängt dies
mit den kommenden Wahlen in Israel zusammen. Am 27. Oktober wählt das Land
ein neues Parlament. „[Premierminister Benjamin] Netanjahu versucht, die
Wahlen zu gewinnen, und benutzt [2][die drusische Gemeinschaft in
Südsyrien] als Vorwand, um hier mitten im Wahlkampf einzugreifen.“
[3][Nach dem Fall des Assad-Regimes in Syrien vor knapp zwei Jahren] hat
Israel laut NGOs mehr als 1.000 Luftschläge auf das Nachbarland
durchgeführt. [4][Bomben fielen sogar auf Ziele in der syrischen Hauptstadt
Damaskus.] Zudem ist die israelische Armee in Gebiete jenseits der
besetzten Golanhöhen einmarschiert und hat diese de facto besetzt. Mehr als
1.000 Vorstöße und Razzien in der Region hat die [5][Syrische
Beobachtungsstelle für Menschenrechte] seither dokumentiert. Hunderte
Syrer:innen wurden festgenommen und in israelische Gefängnisse gebracht,
Einwohner:innen aus ihren Häusern vertrieben – was NGOs als
Verletzungen des Völkerrechts anprangern.
## Angebliches Ziel: „Entmilitarisierung“ Südsyriens
Die israelische Regierung rechtfertigt das Vorgehen mit dem Willen,
Südsyrien zu „entmilitarisieren“, Drus:innen zu schützen und
Terrorangriffe auf Israel zu verhindern. Die Festgenommenen stünden meist
im Verdacht, militant zu sein oder Terrorangriffe auf Israelis zu planen.
Verteidigungsminister Israel Katz hat angekündigt, „auf unbestimmte Zeit“
in Syrien zu bleiben.
Die syrische Regierung hat wiederholt erklärt, die Besatzung verletze die
Souveränität des Landes, und die internationale Gemeinschaft aufgefordert,
Druck auszuüben, damit sich Israel zurückziehe. Zugleich betonte Präsident
Ahmed al-Scharaa, Israel nicht angreifen zu wollen und ein
Sicherheitsabkommen mit dem Nachbarland anzustreben.
Derweil sind im ganzen Land Proteste gegen die israelischen Vorstöße und
die Tötung des Mannes in Jamla ausgebrochen. In Idlib, Homs, Damaskus und
Dara’a gingen die Menschen auf die Straße. Wie Medien berichten, forderten
die Demonstrierenden mehr Sicherheit und ein Ende der israelischen
Angriffe.
23 Oct 2026
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