# taz.de -- Social-Media-Trend: Hyperironisch auf der Banane ausrutschen
       
       > Die Accounts @handychillen und @flaschko5 machen Sketches auf Social
       > Media, die weder zynisch noch ironisch wirken. Eine neue Art von
       > Online-Humor?
       
 (IMG) Bild: Wenn Bananen-Sketches wieder trenden
       
       Oh, da ist Elmo: als Handpuppe. Zwei Typen gehen mit
       Sesamstraßen-Handpuppen zu McDonalds, verstellen ihre Stimmen und klingen
       überhaupt nicht nach Elmo und Co. Die gleichen Typen singen das Intro der
       Sitcom „Two and a half man“ nach. Dann: Ein Mafiafilm, der nicht wirkt wie
       eine Parodie, sondern so, als hätten ihn ein paar 12-Jährige in einer
       Schul-Film-AG produziert. Darauf folgt: [1][Selbstliebe-Content],
       Businesstipps, ein Manosphere-Podcast-Ausschnitt: „Frauen stellen sich vor
       den Louis-Vuitton-Store; nicht, um sich eine Tasche zu kaufen, sondern um
       von einem Mann angesprochen zu werden“. Ein Fiebertraum ist das. Es gibt
       sogar ein Video, in dem nachgestellt wird, wie jemand auf einer Banane
       ausrutscht.
       
       Ich chille am Handy und bin auf den Accounts von [2][@handychillen] und
       [3][@flaschko5] hängen geblieben. Sie sind für all die Videos
       verantwortlich, ballern Instagram und Tiktok voll mit kurzen Sketches und
       Reenactments. Der Content der beiden Österreicher und ihres Freundeskreises
       ist so überladen, entwickelt so eine starke Sogwirkung, dass ich für immer
       online bleiben will. Denn es ist völlig unklar, was als nächstes passiert.
       
       Keine popkulturelle Referenz ist sicher, keine Szene, kein digitales
       Rattenloch. Die international bekannte Musikerin Sofie Royer springt da
       rum, Arafat Abou-Chakers Cousin, Ski Aggu, der nichtigste Nischen-Rapper
       [4][Aachen Demon]. Alle sind da, alles ist Pop. Es gibt sogar Shirts mit
       Handychillen-Prints inklusive Werbevideo, in dem die beiden Ballett tanzen.
       Warum macht das alles so viel Spaß?
       
       Diese Videos bedienen einen Online-Humor, der anders ist als der, mit dem
       ein paar Jahre zuvor Leute wie El Hotzo bekannt geworden sind. Die Videos
       von @handychillen und @flaschko5 sind weder moralisierend noch zynisch und
       sie sind auch nicht ironisch. Es geht hier nicht um Augenzwinkern, nicht um
       erhobene Zeigefinger. Wenn also [5][Manosphere-Podcasts] reeanactet werden,
       dann steht das erst mal gleichwertig neben der Elmo-Handpuppe bei McDonalds
       und dem auf der Banane ausrutschen.
       
       ## Die wahren Abgründe
       
       Es gibt keine Einordnung, keine sichtbare Haltung. Doch gerade das macht
       diese Videos, Gags hin oder her, so stark. Sie funktionieren ja nach dem
       alten Spiegel-Motto „Sagen, was ist“. Was die beiden aufgreifen und Schicht
       für Schicht freilegen, ist alles schon da, alles abrufbar, der ganze
       misogyne Scheiß. Indem diese beiden burschikosen Anti-Bros es nachstellen,
       zeigt sich erst, was sich da eigentlich für Abgründe auftun.
       
       Ich muss an das Konzept der Hyperironie denken, entwickelt von der
       Schriftstellerin Charlotte Krafft für Künstler:innen wie den Rapper
       Moneyboy oder das Kollektiv Frankfurter Hauptschule. Für Leute also, bei
       denen immer im Raum stand: Meinen die das ernst? Die Hyperironie ist,
       schreibt Krafft, eine Haltung, die Produzenten und Rezipienten miteinander
       verbindet und eine neue Kommunikationsebene zwischen den beiden eröffnet.
       
       Und diese Hyperironie bezeichnet nicht den Gegenstand der Kunst, sondern
       die mögliche innere Haltung des Künstlers sowie des Konsumenten zum
       Gegenstand. Das passiert auch bei @handychillen und @flaschko5, man muss
       nur mal in die Kommentarspalten schauen. Alle wissen Bescheid, alle machen
       mit, alle einigen sich darauf, dass sie ernst nehmen, was sie sehen.
       
       Sie sind Teil der kollektiven Performance, wissen, dass hier Humor
       passiert, aber tun so, als wäre das alles ganz normaler Alltag. Hyperironie
       ist ein Modus, in dem das Ich Urlaub machen kann von sich selbst, schreibt
       Charlotte Krafft und sie hat recht. Ich scrolle weiter, gönne mir Urlaub
       fürs Gehirn und merke erst danach, wie sehr einige dieser Videos zum
       kritischen Denken anregen.
       
       23 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.instagram.com/p/DZ2vPNbMH4x/
 (DIR) [2] https://www.instagram.com/handychillen/?hl=de
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/flaschko5/?hl=de
 (DIR) [4] http://www.apple.com/de/
 (DIR) [5] https://www.instagram.com/p/DJyw87xNPfu/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johann Voigt
       
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