# taz.de -- Paraguays Wirtschaft im Wandel: Marktzugang mit Hürden
       
       > Kann das EU-Mercosur-Abkommen dabei helfen, die Wirtschaft des kleinen
       > Paraguay zu modernisieren? Bisher gelingt das nur einzelnen Unternehmen.
       
 (IMG) Bild: Ein zertifizierter Wald, in dem sich auch Kühe wohlfühlen
       
       Im Biocomplejo Petricor ist man auf Gäste aus dem Ausland gut vorbereitet:
       Gleich fünf Fahnenmasten stehen am Eingang. „Wenn ein Portugiese kommt,
       wehen portugiesische Flaggen, und wenn ein US-Amerikaner kommt, wehen
       seine“, sagt Raúl Gauto, Gründungsgesellschafter der Fabrik.
       
       Sie liegt 224 Kilometer von der Hauptstadt Asunción entfernt, im
       Departement Caazapá, und stellt als erste des Landes wasserfestes Sperrholz
       her. Mit den gehissten Fahnen „heißen wir die Gäste bei uns willkommen“,
       sagt Gauto. Die Produktionsstätte sei ihr „ganzer Stolz – eine moderne,
       saubere Fabrik“.
       
       Um mögliche Käufer;innen aus dem Ausland empfangen zu können, musste das
       Unternehmen aber mehr tun, als nur Sperrholz herzustellen. 14
       Gesellschafter investierten fast 10 Millionen US-Dollar in die Fabrik.
       Internationale Zertifizierungen wurden erworben und Arbeits-, Umwelt- und
       Rückverfolgbarkeitsstandards eingeführt. „Mit diesen Standards haben wir
       auch die [1][FSC-Zertifizierung] erhalten, die für beste Praktiken in der
       Forstwirtschaft und der Produktkette im Werk steht“, betont Gauto. Durch
       die Erfüllung dieser Anforderungen sei es allerdings auch unmöglich,
       „billig“ zu produzieren.
       
       Heute beschäftigt das Werk 140 Mitarbeiter, 60 Prozent davon sind Frauen.
       Auf seiner Webseite wirbt der [2][Biocomplejo Petricor] damit, dass sein
       Holz aus zertifizierten Wäldern stamme, konsequent Aufforstung betreibe und
       das „nachhaltigste Sperrholz“ Paraguays produziere. Den Baumbestand hier im
       feuchteren Osten des Landes zu schützen, ist umso wichtiger, als der
       Trockenwald des Gran Chacos im Westen Paraguays [3][in rasantem Tempo
       verschwindet].
       
       ## Bürokratische Hürden
       
       Für viele andere paraguayische Unternehmen, deren Produktionsstandards und
       -ketten weniger entwickelt sind als im Biocomplejo Petrico, bleibt der
       Zugang etwa zum europäischen Markt aufgrund hoher Anforderungen und
       bürokratischer Hürden aber nach wie vor ein fernes Ziel, insbesondere da
       Paraguay – das Land der roten Erde – daran gewöhnt ist, überwiegend
       unverarbeitete Rohstoffe und agroindustrielle Produkte zu verkaufen und die
       Nachbarländer bisher seine Hauptabnehmer sind.
       
       „Wir brauchen ein dynamischeres und transformativeres Modell, das
       Technologie, Wissen, mehr hochwertige Arbeitsplätze und Exporte mit höherer
       Wertschöpfung einbezieht“, betonte der Präsident des paraguayischen
       Industrieverbands, Enrique Duarte, während eines Treffens, das Ende
       September von der EU-Delegation in Paraguay organisiert wurde. Für Duarte
       kann dieser Wandel aber nur gelingen, „wenn er der paraguayischen
       Gesellschaft einen Nutzen bringt“, indem „der Marktzugang zu mehr Fabriken,
       lokalen Zulieferern und hochwertigen Arbeitsplätzen führt“.
       
       Paraguay importiert derzeit rund dreimal so viel wie es exportiert. Das
       zeigt sich auch im Handel mit der Europäischen Union, die bisher nicht zu
       den wichtigsten Absatzmärkten Paraguays zählt: Zwischen Januar und August
       dieses Jahres exportierte das Land Waren im Wert von rund 294 Millionen
       US-Dollar in die EU, während es von dort Waren im Wert von 947 Millionen
       US-Dollar einführte.
       
       ## Beteiligung an internationaler Produktion
       
       Um auf dem europäischen Markt erfolgreich zu sein, müsse Paraguay – ein
       Land mit nur rund 6 Millionen Einwohner:innen – „seine Produktionsweise
       anpassen“ und auf bestimmte „Nischen“ setzen, sagt Gustavo Rojas, Experte
       für internationale Beziehungen und wissenschaftlicher Mitarbeiter am
       Cadep-Zentrum für Wirtschaftsanalyse.
       
       Nicht allein der Herstellungsprozess müsse dafür modernisiert werden,
       sondern zum Beispiel auch die Art und Weise, wie der Warenfluss
       dokumentiert und die Güter transportiert werden. „Man muss die
       Rückverfolgbarkeit bis zum landwirtschaftlichen Betrieb nachweisen, ebenso
       wie die Herkunft der Betriebsmittel, die Einhaltung der
       Hygienevorschriften, die Regeln für die Entwaldung und den ökologischen
       Fußabdruck.“ Laut Rojas ist es zudem wichtig, dass im Rahmen des
       EU-Mercosur-Abkommens mehr paraguayische Unternehmen an den Exporten
       beteiligt werden.
       
       Aus Sicht der EU-Botschafterin in Paraguay, Katja Afheldt, geht es bei dem
       Abkommen nicht nur darum, „was Paraguay nach Europa exportieren kann,
       sondern auch darum, was Paraguay aus Europa importieren kann, um besser zu
       produzieren und wettbewerbsfähiger zu sein“. Europäische Maschinen, so
       Afheldt, können dafür genutzt werden, „um ein Produkt in Paraguay zu
       verarbeiten und sich an regionalen oder internationalen Produktionsketten
       zu beteiligen“.
       
       ## Stärkung der Regulierung und Rechtssicherheit
       
       Um das umzusetzen brauche es allerdings „einen öffentlich-privaten Dialog,
       staatliche Maßnahmen zur Unterstützung des Produktionswandels,
       regulatorische Anpassungen, eine Stärkung der Regulierung und
       Rechtssicherheit“, betonte Afheldt vor Unternehmern und lokalen
       Behördenvertretern.
       
       Experte Rojas sieht das ähnlich: „Der unmittelbare Vorteil wird nicht
       unbedingt darin bestehen, dass Paraguay mehr exportiert. Es besteht auch
       die Möglichkeit, europäische oder Mercosur-Unternehmen anzuziehen, die in
       Paraguay für den europäischen Markt produzieren und dabei erneuerbare
       Energien zu wettbewerbsfähigen Kosten nutzen.“
       
       In Caazapá werden die Fahnen derweil weiter je nach Besucher gewechselt.
       Hier hat man sich schon vor der Verabschiedung des EU-Mercosur-Abkommens
       auf Kommendes eingestellt. „Wir sind schon seit Längerem bereit: Wir haben
       die Fabrik gekauft, Anlagen angeschafft und die Hallen so gebaut, dass sie
       bereits für die kommenden Anforderungen gerüstet sind“, sagt Raúl Gauto. Ob
       diese Anpassung der paraguayischen Wirtschaft insgesamt gelingen wird, ist
       eine noch offene Frage.
       
       [4][Gabriela Martínez Palma] ist Wirtschaftsredakteurin bei der
       paraguayischen [5][Tageszeitung Última Hora].
       
       Übersetzt aus dem Spanischen von Ole Schulz
       
       30 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.fsc-deutschland.de/verarbeitung-handel/
 (DIR) [2] https://petricor.com.py/de/
 (DIR) [3] /Greenpeace-spricht-von-Waldnotstand/!6134349
 (DIR) [4] https://www.ultimahora.com/gabriela-martinez
 (DIR) [5] https://www.ultimahora.com/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gabriela Martínez Palma
       
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