# taz.de -- Staatskrise in Paraguay: Wenn der politische Ziehvater sich gegen den Präsidenten stellt
> Wegen der Krise der Digitalbank Ueno wollte Paraguays Präsident Peña
> zurücktreten, um einem Amtsenthebungsverfahren zuvorzukommen – doch er
> war nicht schnell genug.
(IMG) Bild: Demonstranten protestieren in der Nähe des paraguayischen Kongresses, wo über das Amtsenthebungsverfahren des Präsidenten beraten wurde, 5. 11. 2026
Die Krise der in Paraguay bedeutenden Digitalbank Ueno erreicht die
obersten Ränge der Politik. Am Donnerstag ist der Präsident des
südamerikanischen Landes, Santiago Peña, von seinem Amt zurückgetreten, um
so einem Amtsenthebungsverfahren zuvorzukommen. Doch bevor der Kongress den
Rücktritt des rechtskonservativen Politikers angenommen hatte, leitete er
ebenjenes Amtsenthebungsverfahren ein. Vor den Bankfilialen bildeten sich
währenddessen lange Schlangen.
Die Ueno Bank befindet sich seit Längerem in der Krise. Im Juni kamen
Ermittler der Zentralbank zu dem Ergebnis, dass es bei der Ueno Bank
riskante Kreditgeschäfte mit Insidern gegeben habe. Doch Präsident Peña
spielte die Warnungen wiederholt herunter und verteidigte die Ueno Bank und
die Arbeit der Zentralbank bei deren Überwachung. Brisant dabei: Peña hatte
nach seinem Amtsantritt im August 2023 Carlos Carvallo zum Präsidenten der
paraguayischen Zentralbank gemacht. Dieser war Leiter der Ueno Bank.
Am Dienstag spitzte sich die Lage schließlich zu. Zuvor hatte die
Zentralbank festgestellt, dass ihre Solvabilitätsquote, also der Anteil des
Eigenkapitals am Gesamtkapital, unter den vorgeschriebenen Mindestwert von
50 Prozent gefallen war. Carvallo trat von seinem Amt als
Zentralbankpräsident zurück, und der neue Präsident der Zentralbank ordnete
die Intervention bei der Ueno Bank und deren Auflösung an.
Mit rund 3 Millionen Kund*innen hat die Ueno Bank eine enorme Bedeutung
[1][in einem Land mit nur 6,1 Millionen Einwohner*innen]. Zudem
verwaltete sie staatliche Gelder in Höhe von bis zu 850 Millionen
US-Dollar, darunter vor allem Mittel des Renten- und Gesundheitssystems
Instituto de Previsión Social. Die Verbindungen zwischen Peña und der Ueno
Bank reichen weit zurück. Bis zum vergangenen Jahr hielt er Anteile an der
Unternehmensgruppe, der die Bank gehörte.
## Machtwort vom Ziehvater
Entscheidend für Peñas Rücktritt war schließlich der ehemalige Präsident
(2013–2018) und heutige Vorsitzende der regierenden Partido Colorado,
Horacio Cartes. Peña galt ursprünglich als dessen politischer Ziehsohn und
war während Cartes’ Präsidentschaft Finanzminister. 2023 unterstützte
Cartes schließlich [2][Peñas Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl].
Cartes kündigte am Donnerstag an, das Amtsenthebungsverfahren zu
unterstützen. „Wir müssen an die Menschen denken und an die Werte, für die
wir in der Partido Colorado einstehen“, schrieb Cartes auf X. Spötter
bezeichnen seine Äußerung als scheinheilig. Denn gegen Cartes selbst wurde
in der Vergangenheit in den USA und Paraguay ermittelt. Der Verdacht auf
Bereicherung, Geldwäsche, Zigarettenschmuggel und Steuerhinterziehung stand
im Raum. Allerdings kam es nie zu einem Verfahren oder einer Verurteilung.
Als Horacio Cartes am Donnerstag also seinen Daumen senkte, blieb Peña nur
übrig, selbst seinen Rücktritt zu erklären und dem Verfahren damit
zuvorzukommen. Dass Cartes durch seine Abgeordneten im Kongress aber die
Anerkennung des Rücktritts verweigern und sie stattdessen für die
Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens stimmen ließ, lässt vermuten,
dass Peña als Schuldiger präsentiert werden soll. In Paraguay werden
ehemalige Präsidenten automatisch zu Senatoren auf Lebenszeit und genießen
so Immunität. Es sei denn, sie werden in einem Amtsenthebungsverfahren für
schuldig befunden.
## Lange Schlange vor den Bankfilialen
Kurz nach Bekanntgabe der Maßnahmen bildeten sich lange Schlangen vor den
Filialen. In der Hauptstadt Asunción kam es zu nächtlichen Protesten. Der
Leiter der Ueno Bank stellte sich der Polizei, nachdem die
Staatsanwaltschaft seine vorläufige Festnahme angeordnet hatte. Gegen
sieben weitere Personen wurden ebenfalls Haftbefehle erlassen.
Als Reaktion verabschiedete der Kongress im Schnellverfahren ein
Notfallgesetz, das Peña noch am Mittwochvormittag in Kraft setzte. Das
Gesetz ermöglicht es, dass Kund*innen einen Teil ihres Geldes aus dem
Einlagensicherungsfonds zurückbekommen. Die Auszahlung durch die
Zentralbank hat inzwischen begonnen. Die Staatsanwaltschaft hat
strafrechtliche Ermittlungen gegen Peña und weitere amtierende sowie
ehemalige Regierungsvertreter eingeleitet.
Auf den Präsidentenstuhl rückt verfassungsgemäß Vizepräsident Pedro
Alliana. Der 52-jährige Politiker, der unter dem Spitznamen „Mangui“
bekannt ist, gilt als einer der führenden Köpfe der Partido Colorado und
genießt derzeit die Unterstützung von Horacio Cartes. Alliana würde bis zum
Ende der Amtszeit am 15. August 2028 an der Spitze des Staates stehen.
6 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
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