# taz.de -- Holz verbrennen für Energiegewinnung: Druck auf den Wald
       
       > In Osnabrück will ein Papierhersteller ein Biomasse-Heizkraftwerk bauen,
       > ausgelegt auf das Verbrennen von Altholz. Umweltschützer kritisieren das.
       
 (IMG) Bild: Altholz verbrennen oder doch wiederverwenden? Da scheiden sich die Geister
       
       Der Osnabrücker Papierhersteller Schoeller attestiert sich selbst, es sei
       eine Selbstverständlichkeit, „behutsam und schonend mit der Natur und der
       Schöpfung umzugehen“. Derzeit plant das Unternehmen ein
       Biomasse-Heizkraftwerk, ausgelegt für die Verbrennung von rund 50.000
       Tonnen Altholz pro Jahr. Die Umweltschutzorganisationen Robin Wood,
       Biofuelwatch und Naturschutzbund (Nabu) haben gegen diese Pläne eine
       Stellungnahme verfasst.
       
       Sie kritisieren darin, dass Altholz überhaupt verbrannt wird. Beim
       Verbrennen von Holz werde „mindestens so viel CO2 wie beim Verbrennen von
       Kohle freigesetzt, in den meisten Fällen sogar mehr“, schreiben sie. Und
       plädieren dafür, das im Holz gebundene CO2 solle „so lange wie möglich
       gebunden bleiben“.
       
       [1][Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 7,7 Millionen Tonnen
       Altholz energetisch genutzt], also in einem der bundesweit rund 80
       Altholzkraftwerke verbrannt, um daraus Strom und Wärme zu gewinnen. Das
       entspricht mehr als 90 Prozent der gesamten Menge Altholz. „Mehr als 80
       Prozent des Altholzes kann und sollte stofflich genutzt werden, vor allem,
       um Spanplatten oder Holzfaserdämmplatten für die energetische Sanierung von
       Häusern herzustellen“, sagt Eric Häublein vom Nabu. Verbrannt werden soll
       in dem Schoeller-Kraftwerk Altholz der Kategorie AI und AII – gering
       belastetes Holz also, das noch stofflich verwertbar wäre.
       
       Die drei Umweltschutzorganisationen bezweifeln außerdem, dass für das
       geplante Kraftwerk in Osnabrück genug Altholz anfällt. Die Nachfrage nach
       Holzenergie wachse, sagt Jana Ballenthien, Waldreferentin von Robin Wood.
       „Altholz wird ja sogar importiert, Millionen Tonnen. Ich fürchte, das hat
       im Endeffekt auch einen Negativ-Impact im Wald, durch den Neueinschlag von
       Frischholz.“
       
       ## Mehr Feinstaub als beim Verbrennen fossiler Stoffe
       
       Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Luftreinhaltung „nicht ausreichend
       geprüft“ worden sei. Beim Verbrennen von Holz falle „grundsätzlich
       wesentlich mehr Feinstaub an als beim Verbrennen von fossilem Gas, Öl oder
       Kohle“, so steht es in der Stellungnahme. Die Stadt Osnabrück müsse „auf
       einer detaillierten Prognose der Auswirkungen auf die Luftqualität
       bestehen, bevor eine Entscheidung über den Antrag getroffen wird“, so
       Almuth Ernsting, Co-Direktorin von Biofuelwatch. „Wir setzen darauf, dass
       der Antrag aus Gründen des Klimaschutzes abgelehnt wird und dass die Firma
       Schoeller in saubere Alternativen, vor allem Elektrifizierung, investiert.“
       
       Eine Ablehnung zeichnet sich aber nicht ab. Das Bauleitplanverfahren habe
       „eine große und positive Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Osnabrück“,
       schreibt Simon Vonstein, Sprecher der Stadt Osnabrück. Außerdem führe die
       Inbetriebnahme des Kraftwerks „zu einer Reduktion von 39 Prozent bzw.
       36.000 Tonnen CO2 jährlich, da die Energieversorgung zur Wärme- und
       Stromerzeugung im Betrieb zu zirka 56 Prozent auf den Energieträger Altholz
       umgestellt wird“. Altholz habe einen 95-prozentigen biogenen Anteil und
       zähle zu den erneuerbaren Energieträgern. „Dadurch wird der Erdgaseinsatz
       um rund 78 Prozent reduziert.“
       
       Eine Belastung durch die vom Kraftwerk selbst ausgehenden Emissionen werde
       im Genehmigungsverfahren nach der Bundesimmissionsschutzverordnung
       „abschließend zu beurteilen sein, da dies nicht Bestandteil der
       Bauleitplanung ist“. Die Umweltverbände verweisen dagegen auf Paragraf 1
       Baugesetzbuch. Er besagt, dass bei der Aufstellung eines Bauleitplans auch
       „die Erhaltung der bestmöglichen Luftqualität“ berücksichtigt werden muss.
       
       Sollten „keine genehmigungsrechtlichen Probleme auftauchen“, stehe der Rat
       der Stadt Osnabrück mehrheitlich hinter dem Vorhaben, sagt auch Jens Meyer,
       Vorsitzender der Fraktion der Grünen. Die Grünen befürworten den Bau.
       „Sicher, das ist ein Kraftwerk, in dem etwas verbrannt wird“, räumt Meyer
       ein. „Aber immerhin ist es kein fossiles Kraftwerk.“ Und Schoeller sei für
       Osnabrück „ein wichtiges Unternehmen, ein wichtiger Arbeitgeber“. Sollte
       das Kraftwerk aus Mangel an Altholz auch Frischholz verbrennen, fände Meyer
       das „allerdings überhaupt nicht gut“.
       
       Und Schoeller? Hält sich auf Nachfrage der taz bedeckt. „Das Projekt
       befindet sich im Planungsverfahren“, teilt Sprecherin Alischa Westemeier
       mit. „Wir prüfen derzeit die Rahmenbedingungen. Eine endgültige
       Investitionsentscheidung haben wir noch nicht getroffen.“ Jede Detailfrage
       bleibt unbeantwortet.
       
       Auch andernorts stehen Altholzkraftwerke in der Kritik. In Stade zum
       Beispiel, [2][wo das größte Altholzkraftwerk Deutschlands entstehen soll].
       Die Bürgerinitiative in Bützfleth (BIB), die sich seit Jahren bemüht, das
       geplante Kraftwerk zu verhindern, fragt auf ihrer Website: „Macht allein
       die Aussicht auf Gewerbesteuern einige Stadträte fast aller Parteien zu
       bedingungslosen Befürwortern der Großindustrie?“ Im Juli 2025 hatte der
       Stadtrat in Stade dem Bau und Betrieb des Biomasse-Heizkraftwerks
       zugestimmt.
       
       4 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bundesumweltministerium.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/abfallwirtschaft-2025_bf.pdf
 (DIR) [2] /Protest-gegen-Altholz-Kraftwerk/!6039976
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Harff-Peter Schönherr
       
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