# taz.de -- Erstes deutsches Frauenhaus: Eine Villa für Frauen in Not
> Vor 50 Jahren eröffnete das erste deutsche Frauenhaus in Berlin. Heute
> bieten ähnliche Einrichtungen jährlich Tausenden Frauen und Kindern
> Schutz.
(IMG) Bild: Das erste Frauenhaus in Deutschland wurde 1976 in Berlin eröffnet. Ein Erfolg der autonomen Frauenhausbewegung
Die Feministinnen waren gerade dabei zu überlegen, wie sie Deutschlands
erstes Frauenhaus einrichten und ausstatten wollten. Es war der 2. Oktober
1976, ein Monat noch bis zur Eröffnung. Den Oktober wollten sie nutzen, um
sich möglichst gut vorzubereiten. Doch bereits an diesem Tag stand die
erste Frau vor der Tür der Villa in Berlin-Grunewald. „Wir wurden von
Anfang an überrannt und mussten alle organisatorischen Fragen im laufenden
Betrieb klären“, erzählt Karin Kaltenberg-Wulf, eine der Gründerinnen,
[1][in einem Interview] mit dem Verein Frauenhauskoordinierung.
Am 1. November 1976 wurde das erste deutsche Frauenhaus dann auch offiziell
eröffnet. 50 Jahre ist das inzwischen her. Auf das erste Frauenhaus folgten
weitere: in Köln noch im selben Jahr, im darauffolgenden auch in Hamburg
und Bielefeld. [2][Frauenhäuser sind deutschlandweit] zu einem Zufluchtsort
für diejenigen geworden, die unter häuslicher oder partnerschaftlicher
Gewalt leiden oder von ihr bedroht sind.
Die Gründung in Berlin war ein Erfolg der autonomen Frauenhausbewegung. Sie
entwickelte sich in vielen Großstädten im Zuge der internationalen
Frauenbewegung der 70er Jahre. Karin Kaltenberg-Wulf bezeichnet sich als
eine „Frauenbewegungsfrau der ersten Stunde“. Sie hatte mit Soziologinnen,
Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen und einer Rechtsanwältin mehrere Jahre
für das Haus gekämpft. Die Idee kannten sie aus London, wo es 1976 bereits
zahlreiche Frauenhäuser gab. Einige Frauen besuchten die Unterkünfte dort,
sie berichteten von überfüllten Häusern, der Bedarf war offenbar da.
In der Berliner Villa gab es auf 660 Quadratmetern 12 Zimmer für die
Bewohnerinnen mit bis zu 10 Stockbetten. Zu Hochzeiten lebten auch mal um
die 15 Personen in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer. Für die Kinder gab
es einen Raum zum Spielen, einen Schularbeitsraum und einen Kindergarten.
Die etwa 20 Mitarbeiterinnen des Hauses leisteten Tag und Nacht
Telefondienste. Heute werden die Anschriften von Frauenhäusern geheim
gehalten, um die Betroffenen zu schützen. Damals stand die Adresse des
Frauenhauses in der Zeitung. Es folgten mehrere Brandanschläge, das Haus
musste streng überwacht werden.
Karin Kaltenberg-Wulf erzählt, dass es im Frauenhaus keine Hierarchien
geben sollte zwischen den Frauen. Doch die Initiatorinnen selbst hätten
unbewusste Vorurteile mitgebracht, etwa dass häusliche Gewalt vor allem ein
Problem sogenannter Unterschichtfrauen sei. „Eine der allerersten
Bewohnerinnen war aber die Frau eines bekannten Staatsanwalts“, erzählt
sie. Das habe gezeigt, „wie wenig wir wussten, was auf uns zukommen würde“.
Das erste deutsche Frauenhaus gab es bis zum Jahr 2000, dann wurde es
geschlossen, unter anderem, weil die Villa renoviert werden musste. 2022
wurde an ihrer Fassade eine Gedenktafel enthüllt. Sie erinnert an die
Feministinnen, die das Haus „autonom, solidarisch und hierarchiefrei mit
den Bewohnerinnen betrieben“. Tausende Frauen mit ihren Kindern hätten dort
„Schutz, Anerkennung, Selbstbestimmung und Perspektive“ gefunden.
Heute gibt es in Berlin 10, bundesweit rund 400 Frauenhäuser. Im Jahr 2025
fanden dort [3][nach Angaben der Frauenhauskoordinierung] etwa 13.400
Frauen und 15.300 Kinder Schutz.
1 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.frauenhauskoordinierung.de/aktuelles/detail/interview-mit-einer-der-gruenderinnen-des-1-frauenhaus-50-jahre-frauenhaeuser-in-deutschland
(DIR) [2] /Foerderung-von-Frauenhaeusern/!6225004
(DIR) [3] https://www.frauenhauskoordinierung.de/arbeitsfelder/fhk-bewohner-innenstatistik
## AUTOREN
(DIR) Marlene Thaler
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