# taz.de -- US-Außenminister in Indien: Öl für einen Neustart
> Marco Rubio wirbt in Indien für venezolanisches Öl und verteidigt die
> US-Politik. Doch deren Zölle belasten das Verhältnis zwischen den
> Staaten.
(IMG) Bild: Handschlag für fossile Energien: Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar begrüßt US-Außenminister Marco Rubio
Die westindische Stadt Jamnagar ist untrennbar mit einem Unternehmen
verbunden: Reliance Industries betreibt dort den weltweit größten
Raffineriekomplex mit einer Verarbeitungskapazität von rund 1,4 Millionen
Barrel Rohöl pro Tag. Sie wurde am Mittwoch Ausflugsziel von
US-Außenminister Marco Rubio. Am Tag zuvor scherzte er: „Ich glaube, wir
kommen nicht oft genug.“
Denn schon im Mai war Rubio nach Delhi gereist, um am
[1][Quad-Sicherheitsdialog] teilzunehmen. Er versuchte damals zu kitten,
was durch Zölle, Einwanderungsbeschränkungen und Kommentare von
US-Präsident Donald Trump in Bezug auf Indiens Konflikt mit Pakistan an
diplomatischem Porzellan zerbrochen war.
Diesmal lag der Fokus auf der Wirtschaft. In der Finanzmetropole Mumbai
traf Rubio seinen indischen Amtskollegen sowie die Vorsitzenden der
einflussreichen Konzerne Adani Group und Tata Sons, Gautam Adani und
Natarajan Chandrasekaran. Danach reiste er ins knapp 500 Kilometer
entfernte Jamnagar.
Rubio nannte Indien eine „Raffinerie-Supermacht“. In Jamnagar ging es um
eine engere Energiekooperation, höhere Importe von venezolanischem Rohöl
und darum, [2][auszuloten], ob Reliance in Venezuela in die Förderung
einsteigen könnte. „Einer der wenigen Orte, an denen venezolanisches
Schweröl raffiniert werden kann, ist Indien“, sagte Rubio Medienvertretern.
## Anlage in Jamnagar kann schweres Rohöl raffinieren
[3][Indien] importiert wieder Öl aus der südamerikanischen Republik,
nachdem die Einfuhren 2020 wegen hoher US-Sanktionen gegen Venezuelas
Erdölsektor eingebrochen waren. Im August 2026 erreichten die Lieferungen
laut dem Analyseunternehmen [4][Kpler] rund 358.000 Barrel pro Tag. Damit
stieg Venezuela nach Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu
Indiens größtem Öllieferanten auf. Zum Vergleich: Aus Russland kamen rund
2,1 Millionen Barrel täglich.
Jamnagar ist für Washington interessant, da die moderne Anlage schweres,
schwefelreiches Rohöl verarbeiten kann. Der Konzern produziert Benzin,
Kerosin und Diesel, den er auch in die [5][USA] exportiert. Vor den
Zwischenwahlen versucht Trump, den Ölpreis zu stabilisieren.
Reliance ist nicht nur ein großer Rohölabnehmer, sondern ein wichtiger
Akteur auf dem globalen Energiemarkt. Die Bedeutung des Konzerns reicht
über das indische Ölgeschäft hinaus. Im März kündigte Trump eine
milliardenschwere [6][Partnerschaft] mit [7][Reliance] Industries an, um in
Texas die erste große US-Raffinerie seit 50 Jahren zu errichten. Das
Projekt „[8][America First Refining]“ soll zudem Tausende Arbeitsplätze
schaffen.
Der Außenpolitikexperte [9][C. Raja Mohan] sieht in Reliance einen
möglichen Hebel für bessere bilaterale Beziehungen. Konzernchef Mukesh
Ambani stammt wie Indiens Premierminister Narendra Modi aus dem
westindischen Bundesstaat Gujarat. Ihm werden enge Verbindungen zur
Regierung nachgesagt.
## Indien und USA – Verhältnis besser als gedacht?
Immerhin sagte Rubio über ein Handelsabkommen mit Indien: „Wir sind nur
noch Wochen davon entfernt, das Abkommen abzuschließen.“ [10][Sameer
Lalwani], Forscher in der US-Denkfabrik Carnegie Endowment for
International Peace, hält die bilateralen Beziehungen für robuster, als es
die öffentlichen Konflikte vermuten lassen. Gerade in Verteidigung,
Technologie und Sicherheit werde die Zusammenarbeit weiter vertieft.
Die Widersprüche aber bleiben. Indien stellt einen großen Teil der hoch
qualifizierten Arbeitskräfte in den USA, während die Trump-Regierung die
Einwanderung erschwert. Zudem setzte die US-Regierung Verfahren zur
dauerhaften Arbeitsgenehmigung bei mehreren Unternehmen aus, darunter die
indischen IT-Konzerne Infosys, TCS und Wipro. Beim Zusammentreffen in
Mumbai betonte Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar daher:
„Indische Talente und indische Fachkenntnisse haben die Technologieära in
den Vereinigten Staaten mitgeprägt.“
21 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Indopazifische-Quad-Gruppe/!6181984
(DIR) [2] https://www.reuters.com/world/india/rubio-kicks-off-india-visit-with-trade-deal-russian-oil-agenda-2026-10-20/
(DIR) [3] https://www.reuters.com/world/china/indias-russian-oil-imports-fell-august-seen-lower-september-data-shows-2026-09-22/
(DIR) [4] https://www.moneycontrol.com/news/business/economy/india-s-venezuelan-oil-imports-in-august-hit-a-six-year-high-caracas-overtakes-saudi-arabia-as-third-largest-supplier-14019867.html
(DIR) [5] https://economictimes.indiatimes.com/industry/energy/oil-gas/reliance-exported-724-mn-euros-worth-of-fuel-made-from-russian-oil-to-us-report/articleshow/119156688.cms
(DIR) [6] https://newsonair.gov.in/us-president-trump-announces-300-billion-partnership-with-reliance-to-build-first-major-us-refinery-in-50-years/
(DIR) [7] https://www.texastribune.org/2026/06/09/texas-america-first-refining-trump-ambani-reliance-industries/
(DIR) [8] https://americafirstrefining.com/
(DIR) [9] https://indianexpress.com/article/opinion/columns/rubio-jamnagar-trump-iran-russia-strait-hormuz-adani-ambani-tata-10929172/
(DIR) [10] https://carnegieendowment.org/emissary/2026/10/india-us-relations-strong-foundation-rubio-trip
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
## TAGS
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(DIR) Erdöl
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(DIR) US-Angriff auf Venezuela
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