# taz.de -- US-Beziehungen in Zentralasien: Von deutschen Investoren keine Spur
> US-Außenminister Rubio ist in Zentralasien. Washington will vor allem
> China und Russland von dort verdrängen. Auch Deutschland gerät ins
> Hintertreffen.
(IMG) Bild: Marco Rubio zu Besuch in Samarkand: großes Interesse an der Region
Die USA treiben ihre Präsenz im rohstoffreichen und bisher zwischen
Russland und China eingeklemmten Zentralasien voran. Die früheren
Sowjetrepubliken zwischen dem Kaspischen Meer und der Westgrenze Chinas
seien „eine der Schlüsselregionen für die Trump-Regierung“, betonte
[1][US-Außenminister Marco Rubio] vor seinem Besuch im usbekischen
Samarkand am Montag.
Rubio ist zum ersten Mal in die Region gereist und wird dabei von einer
mehr als 200 US-Firmen zählenden Delegation zum Treffen mit
Verantwortlichen der früher abfällig „die Stans“ genannten Länder
begleitet. Denn Washington will vor allem wirtschaftlich im früheren Vorhof
Moskaus Fuß fassen.
„Fragen der strategischen Zusammenarbeit werden oft übersehen“, antwortete
Rubio auf Kritik, warum er nach Zentralasien reise statt in eine akute
Krisenregion. [2][Kasachstan], [3][Kirgistan], Usbekistan, Tadschikistan
und Turkmenistan sind wegen ihrer großen Vorkommen an Erdöl und Erdgas,
Metallen, Uran, Seltenen Erden und anderen Rohstoffen ins Fadenkreuz
Chinas, der USA, Russlands und Europas geraten.
Doch neben den Rohstoffen spielen inzwischen auch gut ausgebildete
IT-Kräfte, Rechenzentren und erhebliche Milliardenbeträge aus Öl- und
Gasverkäufen, die inzwischen weltweit investiert werden können, eine Rolle
beim Rennen um Zentralasien. Die USA haben bereits milliardenschwere
Lieferverträge für Flugzeugbauer Boeing, Landmaschinenhersteller John Deere
und zur Verwaltung durch US-Investmentbanken allein in Kasachstan
eingesammelt.
## Donald Trump will nach Zentralasien reisen
Die USA wollen auch das zweitgrößte Gasfeld der Welt – in Turkmenistan –
dem Exklusivzugriff der Chinesen entwinden und stattdessen Verbündete wie
Indien und Pakistan über eine Pipeline via Afghanistan beliefern lassen.
„Die USA haben sich lange Zeit auf den Nahen Osten und Ostasien
konzentriert. Zentralasien, das zwischen diesen Regionen liegt, hat nicht
die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient“, hieß es im Vorfeld des
Rubio-Besuchs aus hochrangigen diplomatischen Kreisen in Washington.
Die Gespräche in Samarkand drehten sich neben wirtschaftlicher
Zusammenarbeit und dem Ausbau von US-Investitionen in Zentralasien vor
allem auch um regionale Sicherheit. Rubio kündigte zudem an, dass Donald
Trump plane, in die Region zu reisen. Bisher war noch nie ein US-Präsident
in einem der Länder der Region.
Die wirtschaftlich stärksten Staaten Zentralasiens, Kasachstan und
Usbekistan, werden politisch durch die USA bereits aufgewertet: Trump hat
sie erstmals als Beobachter zum G20-Gipfel der 20 wirtschaftsstärksten
Länder nach Miami Mitte Dezember eingeladen.
## Deutsche Investoren kommen einfach nicht
Washington hat bereits 2015 unter US-Außenminister John Kerry das C5+1
genannte Format der fünf „Stans“ und den USA aufgebaut. 2023 lud Präsident
Joe Biden die fünf Staatschefs der Region ein, im November 2025 holte
Nachfolger Trump sie ins Weiße Haus.
Kasachstan habe inzwischen auch Interesse, den von Trump initiierten und
zuerst von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain unterzeichneten
„Abraham Accords“ beizutreten. Sie sollen die Beziehungen zwischen Israel
und muslimisch geprägten Staaten normalisieren.
Kasachische Diplomaten sagten indes der taz: „Wir hätten sehr gern deutsche
Investoren, aber es kommt kaum jemand.“ Der überhaupt erste
EU-Zentralasien-Gipfel fand im April 2025 statt mit den EU-Spitzen Ursula
von der Leyen und António Costa und den Staats- und Regierungschefs der
Region in Samarkand. Statt Deals wurde eine „strategische Partnerschaft“
besiegelt.
Die autoritär beherrschten zentralasiatischen Länder haben zusammen ein
Bruttoinlandsprodukt von gut 700 Milliarden Dollar, so viel wie Israel oder
Argentinien. Davon kommt allein Kasachstan auf vom Internationalen
Währungsfonds 2026 erwartete 397,8 Milliarden Dollar, Usbekistan auf 178,2
Milliarden Dollar.
19 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rubios-Auftritt-auf-der-MSC-Und-die-Europaeer-ordnen-sich-wieder-unter/!6155030
(DIR) [2] /Druschba-Pipeline/!6175446
(DIR) [3] /Unser-Fenster-nach-Kirgistan/!6192000
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Marco Rubio
(DIR) Zentralasien
(DIR) Usbekistan
(DIR) Kirgistan
(DIR) Kasachstan
(DIR) Rohstoffe
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Unser Fenster nach Kirgistan: Das Land im Schatten Russlands
Die EU verschärft Sanktionen gegen Kirgistan. Welche Folgen hat das für
Wirtschaft, Politik und das Land? Darüber spricht die Journalistin
Niyazova.
(DIR) Geopolitik im Kaukasus: Zwischen allen Stühlen
Armenien strebt nach Westen, doch wird bisher fest von Russland umklammert.
Es bahnt sich ein Machtspiel zwischen Washington, Brüssel und Moskau an.
(DIR) USA umwerben Zentralasien: Trump punktet mit seiner „Mineral-Diplomatie“ gegen China
Donald Trump hat die fünf Staatschefs Zentralasiens zum Abendessen geladen.
Er will an die Rohstoffe der Länder, die China und Russland nahe stehen.