# taz.de -- Amtszeit des Queerbeauftragten endet: Verunsicherte Community
       
       > Ende Oktober endet mit der Legislaturperiode auch die Amtszeit des
       > Berliner Queerbeauftragten Alfonso Pantisano. Ein fatales Zeichen zur
       > Unzeit.
       
 (IMG) Bild: Nach der Attacke auf den CSD wurde am 6. August ein neuer Baum am Anschlagsort gepflanzt. Alfonso Pantisano ist mit dabei (2. v. r.)
       
       Alfonso Pantisano hier, Alfonso Pantisano da. Eines muss man dem Berliner
       Queerbeauftragten lassen: Er ist omnipräsent. Und nicht nur in digitalen
       Medien, sondern auch im echten Leben. Er zeigt Gesicht in der Szene und im
       politischen Tagesgeschäft und ist damit zu einem der lautesten und
       bekanntesten queeren Aktivisten der Stadt avanciert. Nicht unumstritten –
       Kritiker werfen ihm Aktivismus vor – aber immer streitbar. Das hat ihm
       Anerkennung eingebracht, [1][aber auch Anfeindungen, Hass und Drohungen.]
       
       Sein Amt war ein Novum: Pantisano wurde 2023 zur ersten „Ansprechperson
       Queeres Berlin“, so der offizielle Titel, ernannt. Doch nun endet am 29.
       Oktober sein Amt, das [2][queere Stadtmagazin Siegessäule] hatte zuerst
       darüber berichtet. Kein ungewöhnlicher Vorgang. Ist der Queerbeauftragte
       vom Senat doch für die laufende Legislaturperiode benannt worden – und die
       endet mit der konstituierenden Sitzung des neuen Abgeordnetenhauses.
       
       So weit, so bürokratisch. Das bedeutet im Umkehrschluss aber, dass Berlin
       ab dem 30. Oktober ohne Queerbeauftragten dasteht. Das ist in Zeiten, in
       denen Teile der queeren Communitys verunsichert sind, wo Projekte unter
       politischen Beschuss geraten, von Kürzungen bedroht und queere
       Berliner:innen von zunehmender Hasskriminalität bedroht sind, eine
       Zumutung, ein falsches Signal.
       
       Formal gibt es wohl die Möglichkeit, Alfonso Pantisano bis Ende des Jahres
       im Amt zu belassen, heißt es aus der zuständigen Senatsverwaltung für
       Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und
       Antidiskriminierung. Doch dann wäre endgültig Schluss. Es sei denn, die
       neue Regierung würde den alten zum neuen Queerbeauftragten machen. Das
       hätte viele Vorteile, wäre also wünschenswert. Denn „es sind große
       Fußstapfen, die Alfonso Pantisano hinterlässt“, hat die Siegessäule so
       schön wie richtig formuliert. Zumal in Interviews vor der Wahl die
       Spitzenkandidat:innen dem Magazin bestätigt haben, dass sie das Amt
       des Queerbeauftragten beibehalten wollen.
       
       Das Szenario eines Regierungswechsels aber sieht vor, dass die Stelle – wie
       andere Senatsbeauftragte auch – erst ausgeschrieben wird, wenn der neue
       Senat steht. Und wie lange sich Bewerbungsverfahren hinziehen können, ist
       allgemein bekannt. Ein halbes Jahr oder mehr keinen Queerbeauftragten? Das
       ist in diesen Zeiten nicht hinnehmbar. Also warum nicht besser auf
       Kontinuität setzen?
       
       Die Linke, die mutmaßlich die Regierende Bürgermeisterin stellen wird,
       legte im August, kurz nach dem CSD-Attentat, einen 5-Punkte-Plan zum Schutz
       queeren Lebens vor. Darin finden sich zahlreiche löbliche Forderungen wie
       die Rücknahme von gestrichenen Fördermitteln bei queeren Projekten. Bleibt
       zu hoffen, dass sich alle diese so wichtigen Vorhaben im nun
       auszuhandelnden Koalitionsvertrag wiederfinden werden. Das Wort
       Queerbeauftragte/r findet sich im 5-Punkte-Plan übrigens nicht. Und auch
       nicht im Sondierungspapier von Linken, Grünen und SPD.
       
       21 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Der-Queerbeauftragte-wird-bedroht/!6023909
 (DIR) [2] https://www.siegessaeule.de/magazin/zu-pantisanos-ausscheiden-diese-institutionelle-leere-ist-absolut-inakzeptabel/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hergeth
       
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