# taz.de -- Länder müssen mehr für Trassen zahlen: EuGH schadet dem Bahnverkehr
       
       > Nach einem EU-Urteil wird die Maut für Personenverkehr auf der Schiene
       > viel teurer. Schleswig-Holstein warnt vor dem Kollaps des Nahverkehrs.
       
 (IMG) Bild: Schnell am Ziel, aber zu welchem Preis?
       
       Beim [1][Treffen der Landesverkehrsminister:innen], das in dieser
       Woche in Hohenschwangau in Bayern stattfindet, geht es auch um einen Antrag
       aus Schleswig-Holstein: Claus Ruhe Madsen (CDU), Minister der
       schwarz-grünen Landesregierung, fordert vom Bund mehr Geld für
       Regionalbahnen. Denn deren Betrieb wird durch ein EU-Urteil deutlich
       teurer. Ohne Ausgleich, so fürchten Regierung und Opposition gleichermaßen,
       könnten weniger Züge fahren als bisher.
       
       4.500 Meter lang ist die sogenannte Schleife in Rendsburg, eine
       Bahnstrecke, die sich über Rampen und Wälle auf die Höhe der Brücke über
       den Nord-Ostsee-Kanal hochschraubt. Dieser 4,5 Kilometer lange künstliche
       Umweg ist die einzige Strecke bundesweit, die Züge kostenlos befahren
       dürfen. Überall sonst verlangt die Bahn-Tochter DB InfraGO eine Maut,
       Trassenpreis genannt. Der war bislang gestaffelt: Regionale Personenzüge
       zahlten weniger als Güter- oder Fernverkehrszüge. Doch im Frühjahr
       [2][stoppte der Europäische Gerichtshof diese Trassenpreisbremse]: Sie
       verzerre den Wettbewerb.
       
       Lob gab es vom Branchenverband Die Güterbahnen, dem Eisenbahngesellschaften
       und Unternehmen angehören. Denn um die Kosten für die Personenzüge zu
       deckeln, mussten die Güter- und Fernzüge mehr zahlen, um den Finanzbedarf
       der Netzbetreiber zu decken. „Das führte dazu, dass Verkehre verstärkt auf
       die Straße verlagert wurden“, heißt es in einer Mitteilung der Güterbahnen.
       Die Kehrseite ist aber, dass künftig die Länder für die Personenzüge mehr
       zahlen müssen – sogar rückwirkend. Laut einem Bericht des
       Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags kostet es allein
       Schleswig-Holstein über sieben Millionen für 2025 und rund 15 Millionen für
       2026. Die Kosten für 2027 sind noch offen.
       
       Für das finanzschwache Land ist das bitter. Denn die schwarz-grüne
       Regierung hat sich eigentlich vorgenommen, Busse und Bahnen zu stärken und
       für mehr Menschen zu einer Alternative zum Auto zu machen. Noch im Juli
       hatte Claus Ruhe Madsens Ministerium [3][einen Nahverkehrsplan
       vorgestellt], der den Ist-Stand positiv beschreibt: Fast 2,4 Milliarden
       Bahnkilometer legten Einheimische und Urlauber:innen im Jahr 2025
       zurück, „ein Allzeithoch“. Rund 500.000 der knapp drei Millionen
       Schleswig-Holsteiner:innen besitzen ein Deutschlandticket.
       
       ## Hindernisse auf dem Weg zum Schienenschlaraffenland
       
       Doch das sollte nur der Anfang sein: Bis 2031, so gibt der Plan vor, soll
       der ÖPNV durch enger getaktete Fahrpläne, längere Betriebszeiten und neue
       Strecken attraktiver werden. Als Hindernis auf dem Weg zum
       Schienenschlaraffenland machte das Verkehrsministerium vor allem „die
       angespannte Finanzlage“ aus.
       
       Bezahlt wird der öffentliche Verkehr nur zu einem Teil von den Fahrgästen.
       Die Summen für Erhalt alter oder den Bau neuer Strecken übernehmen Bund,
       Länder und Kommunen. Als einen wichtigen Baustein nennt das
       Landesverkehrsministerium die „Regionalisierungsmittel“, die der Bund für
       den Personennahverkehr auf der Schiene zahlt. Für Schleswig-Holstein geht
       es um rund 400 Millionen Euro pro Jahr. Mit diesem Geld sollen die Länder
       den Betrieb nicht nur aufrechterhalten, sondern auch weiter ausbauen. Aber
       schon bisher ist die „Schienenmaut“ ein beträchtlicher Kostenfaktor. Wenn
       sie nun deutlich teurer wird, könnten am Ende weniger statt mehr
       Personenzüge fahren.
       
       Es drohe „eine Katastrophe für den Nahverkehr in Schleswig-Holstein“, sagte
       Christopher Vogt, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Kiel im Vorfeld
       der Verkehrsministerkonferenz. Er befürchtet „weniger Angebot, höhere
       Preise und jahrelanges Chaos für die Pendler“. Tatsächlich wurden bereits
       auf fast allen Linien Fahrten gestrichen und das Angebot landesweit
       reduziert.
       
       ## Der Bund soll helfen
       
       Auch Minister Madsen sieht das Problem. Er fordert daher vom [4][neuen
       Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU)], die Trassenkosten auf eine
       neue Basis zu stellen. Laut einem Eckpunktepapier, über das die Deutsche
       Presse-Agentur zuerst berichtete, soll nach Madsens Vorschlag künftig der
       Bund für Investitionen und bestimmte Infrastrukturkosten zahlen, statt
       diese Summen auf die Trassenpreise umzulegen. Auch die Mehrkosten durch das
       Gerichtsurteil solle der Bund übernehmen.
       
       Dass die Bahn durch die Trassenpreise schlechter gestellt ist als Auto und
       Flugzeug, bemängelt auch die Interessengemeinschaft Allianz pro Schiene.
       Deren Forderung: „Wir halten eine Halbierung der Trassenpreise für
       unumgänglich.“
       
       21 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Die-Verkehrsminister-der-Laender-treffen-sich-Darum-geht-es-heute/!6222912
 (DIR) [2] /Streit-um-Trassenpreise/!6206165
 (DIR) [3] https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl20/drucks/04600/drucksache-20-04607.pdf
 (DIR) [4] /Viele-Baustellen-im-Verkehrsministerium/!6199403
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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