# taz.de -- Neuer „Tatort“ aus Franken: Jedem Anfang liegt ein Zwetschgenquarkknödel inne
       
       > Nach zehn Folgen erfindet sich der fränkische „Tatort“ ein bisschen neu,
       > fokussiert sich aber zum Glück auf den Fall: den Tod einer Dragqueen.
       
 (IMG) Bild: Das Team Franken ermittelt zum ersten Mal in neuer Besetzung
       
       Die Zehnerjahre waren eine wilde Zeit: Mit einer Facebook-Gruppe und
       Zuschauerpost erzwangen Fans von Pollesch-Schauspieler Fabian Hinrichs eine
       „Tatort“-Reihe mit ihm als Hauptfigur. Vorausgegangen war dem Ganzen ein
       Gastspiel bei [1][Batic und Leitmayr (RIP) in München]. Dort spielte
       Hinrichs den übereifrig-nervig-liebenswerten neuen Assistenten Gisbert
       Engelhardt, der noch in der gleichen Folge das Zeitliche segnete. Der BR
       gibt und der BR nimmt. Und gibt dann wieder: Nach einer „Wir wollen Gisbert
       zurück!“-Kampagne wurde ein Franken-„Tatort“ mit Hinrichs angekündigt. Seit
       2015 ermittelt Hinrichs zwar nicht als Gisbert, sondern als Felix Voss,
       aber dafür nicht mehr als Assistent, sondern als Hauptkommissar.
       
       Die gute Nachricht: Das tut er auch im elften Jahr. Und hat nun nach
       [2][Dagmar Manzels Weggang 2024] eine neue Kollegin zur Seite gestellt
       bekommen, Emilia „Emmy“ Rathgeber, gespielt von der Münchener
       Schauspielerin [3][Rosalie Thomass]. Filmfigur Rathgeber ist empathisch und
       emotional, wo Voss verstockt ist, und das Kennenlernen geht für
       „Tatort“-Verhältnisse undramatisch vonstatten. Niemand hat eine geheime
       Affäre, es gibt kein Gerangel um Status. Stattdessen beschnuppert man sich
       und erzählt einander vom Leibgericht [4][Zwetschgenquarkknödel]. Man könnte
       fast sagen: endlich normale Leute.
       
       Im beschaulichen Franken ist eben ganz altmodisch der Fall für die Spannung
       zuständig. Diesmal geht es um eine männliche Leiche in einem Nürnberger
       Stundenhotel. So weit, so filmisches Milieuklischee. Auf den Bühnen
       Frankens trat das Opfer in Drag als Stella auf, lebte aber privat weiter
       als Elias Schaller und befand sich in psychiatrischer Behandlung. Und schon
       stellt sich ein Störgefühl ein: Kann eine genderqueere Person in einem
       deutschen Polizeikrimi nicht einfach mal in Ruhe ihr Leben leben?
       Anscheinend nicht. Allerdings: Auch im echten Leben wird Personen, die
       außerhalb der Geschlechterbinaritäten leben, keine Ruhe gelassen. Das
       zeigte gerade letztes Wochenende eine [5][Razzia im Berliner Casa Kuá] beim
       Treffen der transfemininen Gruppe „Dolls of Berlin“.
       
       Im „Tatort“ bleibt Opfer Schaller Polizeischikane erspart, dafür lernen wir
       seine titelgebende Heimat Gottesgarten, seine Kindheitsfreunde und seine
       Eltern kennen, die arg unterschiedlich mit dem Tod der Dragkünstler:in
       umgehen. Am Ende stellt sich das Verbrechen am Anfang als Nebelkerze heraus
       und das wahre Monster sind wahlweise ablehnende Elternteile,
       missbräuchliche Vertrauenspersonen oder eine Gesetzeslage, die
       Sexualstraftätern Schlupflöcher bietet. Ob Polizeikrimi oder real life:
       „Protect the Dolls“ sollte mehr sein als ein Mottoshirt.
       
       25 Oct 2026
       
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