# taz.de -- „Werwölfe“ in der ARD: Ein packender Hybrid
> Wer mordet hier? Die neue Staffeln von „Werwölfe“ sind voller
> entertainender Lügen. Und führen einen in die Kindheit der großen
> Spielshows zurück.
(IMG) Bild: Aus allen Perspektiven an den Fall rangehen: „Werwölfe“, 2. Staffel
Als Kind war mein liebstes Spiel auf Kindergeburtstagen „Mord im Dunkeln“ –
meine Liebe zum gepflegten Krimi war da schon nicht zu leugnen.
Das Prinzip ist schnell erklärt: Unbescholtene Bürger:innen leben ihr
Leben, das Licht geht aus, eine Person wird angetippt und „stirbt“. Das
Licht geht wieder an, und die Feiergesellschaft muss schnell herausfinden,
wer denn nun der – natürlich lügende – Übeltäter war, bevor er weiter
mordet.
So gut, so wenig kindgerecht und eben darum so heißgeliebt. Aber spätestens
mit dem Eintritt in die Pubertät waren solche Spiele nicht mehr
Partyhöhepunkte. Unbeholfene Flirtversuche und Komasaufen waren schnell
interessanter. Schade eigentlich.
Zum Glück haben über die letzten Jahre die Varianten „Mafia“ und „Werwolf“
immer mehr in der Popkultur Einzug gehalten: Youtuber:innen erhoben das
Spiel zum Content, in den USA wie in Deutschland wurden Shows wie „Die
Verräter“ zum Phänomen, und dann gab es da noch die öffentlich-rechtliche
Antwort aus dem letzten Jahr, „Werwölfe – Das Spiel von List und
Täuschung“.
## Bisschen Anarchie
[1][Als erstes „Reality-Format“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurde
„Werwölfe“ beworben und sorgte damit gleich auch für Stunk um den
Bildungsauftrag des ÖRR], eine Debatte, bei der sich etwa Hugo Egon Balder
beteiligte.
Das sollte der Popularität der Sendung keinen Abbruch tun, die laut ARD zu
einem ihrer erfolgreichsten Mediathekformate wurde und jetzt mit einer
zweiten Staffel fortgeführt wird, bei der unter anderem ein Ex-Agent, ein
Medium, eine forensische Psychologin und ein Betriebsprüfer sich
gegenseitig als Werwölfe enttarnen und 25.000 Euro gewinnen wollen.
Wenn es an „Werwölfe“ etwas auszusetzen gibt, dann an der Betitelung als
[2][Reality-TV], denn mit realem Leben hat das sehr entertainende Lügen,
Betrügen und Manipulieren wenig zu tun. Viel eher ist „Werwölfe“ ein
kurzweiliger Hybrid aus packendem Mystery-Krimi und den großen Spielshows
einer vergangenen Ära.
Nur, dass Schauspieler Michael Kesslers Stimme aus dem Off eine wesentlich
bessere Figur macht als [3][der späte Thomas Gottschalk] bei „Wetten,
dass..“ und die Laiendarsteller:innen so manchen Absolvent:innen
deutscher Schauspielschulen einiges beibringen könnten. Vielleicht ist es
gar nicht so schlimm, dass diese Woche der „Tatort“ ausfällt, denn die
„Werwölfe“ zeigen, wie gut deutsches Fernsehen sein kann, wenn es nur ein
kleines bisschen Anarchie wagt.
27 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Aida Baghernejad
## TAGS
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