# taz.de -- Nach 50 Jahren eingestellt: Warum „Emma“ dem Feminismus zuletzt mehr schadete als nutzte
> Nach 50 Jahren erscheint Alice Schwarzers Blatt „Emma“ im Dezember zum
> letzten Mal. Das wurde auch Zeit.
(IMG) Bild: Alice Schwarzer am 11. März 1977, dem Gründungsjahr der „Emma“
Eine Zeitschrift wird eingestellt. Angesichts einer schrumpfenden analogen
Medienlandschaft ist das 2026 eigentlich keine Nachricht. Doch in diesem
Fall ist es eine – und dann ausnahmsweise auch noch eine gute. Denn nach 50
Jahren stellt die Blattmacherin, Chefredakteurin und Verlegerin Alice
Schwarzer ihre Zeitschrift Emma ein.
1976 gegründet, erschien im darauffolgenden Januar die erste Ausgabe.
Schwarzer wollte ein Gegengewicht zu all den „Männermedien“ sein, in denen
Frauen nicht zu Wort kommen. Und das ist ihr gelungen. In fast 400 Ausgaben
haben hauptsächlich Frauen über ein breites Themenfeld geschrieben: von
Abtreibung über Islamismus, Kindesmissbrauch, Pornografie, Prostitution,
Wechseljahre, Justiz bis zu den Männern. Und so viel Anerkennung muss sein:
Die Emma hat den deutschen Feminismus über eine lange Zeit mitgeprägt.
Damit ist nun bald Schluss. Am 8. Dezember soll die letzte Ausgabe
erscheinen. Laut Schwarzer stecken hinter der Entscheidung keine
wirtschaftlichen Gründe, obwohl die Verkaufszahlen in den letzten Jahren
stark eingebrochen sind. [1][Schwarzer sagt:] „Wir gehen, weil wir meinen:
Es reicht!“ Die Ära der Emma ist vorbei.
## Mehr Rück- als Fortschritt
Doch sollte es einen nicht bestürzen, wenn in Zeiten eines reaktionären
Backflashs und einer zunehmenden Faschisierung ein feministisches Magazin
eingestellt wird? Eigentlich ja, doch die Emma hat der feministischen
Bewegung gerade in den letzten Jahren mehr geschadet als genutzt. Und das
liegt an ihrer Chefin Alice Schwarzer.
Für viele ist sie bis heute eine Ikone und gilt als die deutsche
Feministin. Sie selbst sagte immer, sie kämpfe für alle Frauen. Doch wer
auf 83 Jahre Alice Schwarzer und 50 Jahre Emma zurückblickt, erkennt: Sie
kämpfte vor allem für eine Frau. Sich selbst. Es gleicht einem Wunder, dass
sie nicht auch das Magazin nach sich selbst benannt hat.
Viele Feminist:innen ihrer und späterer Generationen sagten: [2][Eine
Zusammenarbeit mit Schwarzer sei schlicht unmöglich.] Das liegt an der
Ich-Bezogenheit der Person, aber auch an ihren politischen Haltungen und
ihrem Auftreten. Denn Schwarzer ist sich bis heute keiner Provokation,
keiner steilen These oder Zuspitzung zu schade.
Möchte man ihre politische Haltung zusammenfassen, weiß man gar nicht, wo
man anfangen soll. Bei ihren [3][transfeindlichen Positionen] oder ihren
[4][rassistischen Stereotypen] über migrantische und vor allem muslimische
Männer? Bei ihren einseitigen Haltungen zu Pornografie, Prostitution und
Kopftuch? Bei ihrer [5][realitätsverdrehenden Haltung zum Ukrainekrieg]?
Bei ihrer rechtsoffenen Haltung?
## Fehler? Fehlanzeige
Natürlich gibt es auch Verdienstvolles, auf das sich nun zurückblicken
lässt. Allein über 50 Jahre ein Magazin am Laufen zu halten und es mit
eigenen finanziellen Mitteln zu stützen, ist eine Leistung. Es war zwar
nicht das erste feministische Magazin – [6][die linke Courage erschien ein
halbes Jahr vorher] –, doch keines konnte sich so lange auf dem Markt
halten und viele Debatten mitbestimmen.
Ebenso wie ihr Kampf für das Recht auf Abtreibung oder die Anerkennung von
Care als Arbeit. Es sind ihre Kämpfe der 70er und 80er Jahre, auf die sich
einige Feminist:innen bis heute positiv beziehen. Doch auch damals
neigte ihr Feminismus schon zu Lücken und Vereinfachungen. Ein Feminismus,
der die Belange der weißen kinderlosen Frau der Bundesrepublik in den
Mittelpunkt stellte. Und manchmal nicht mal diese.
Kritik an ihrer Person oder auch an ihrem Magazin lässt Schwarzer bis heute
nicht zu. Viel lieber stilisiert sie sich selbst als Opfer. [7][Auch im
Interview der Zeit zum Ende von Emma] wiederholt sie dieses Bild. Sie könne
nichts dafür, dass andere sie als Rassistin sehen. Fehler gemacht habe sie
keine und auch die Emma hätte nichts besser machen können. Auf die Frage,
warum keine Nachfolgerin ihr Erbe antreten könne, antwortet Schwarzer
sinngemäß, es habe sich in 50 Jahren Emma-Geschichte einfach niemand
gefunden, der es könne.
Das eine Problem ist die politische Haltung und die Ich-Bezogenheit einer
Alice Schwarzer. Ein viel größeres, dass ein Großteil der Medienwelt bis
heute den Zustand der feministischen Bewegung von dieser einen Person
ableiten möchte und ihr trotz aller kruden Themen und Allianzen mit rechten
Kräften eine Bühne bietet.
Die Inhalte der Emma sollen künftig ins Archiv in Marbach wandern. Sie
macht Platz auf dem Markt für ein weiteres feministisches Magazin. Denn ein
solches braucht es heute genauso dringend wie in den 70er Jahren. Doch eine
Befreiung für Frauen und Queers kann es nur dann sein, wenn es sich nicht
in einem Personenkult verfängt und seinen Blick öffnet für die
Diskriminierung aller im Patriarchat.
21 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.emma.de/artikel/pressemitteilung-emma-geht-342849
(DIR) [2] /Alice-Schwarzer-wird-80/!5897279
(DIR) [3] /Alice-Schwarzer-zu-Transsexualitaet/!5823052
(DIR) [4] /Neues-Buch-von-Alice-Schwarzer/!5301400
(DIR) [5] /Aufruf-von-Wagenknecht-und-Schwarzer/!5912492
(DIR) [6] /Geschichte-linker-Medien-im-Ueberblick/!5412732
(DIR) [7] https://www.zeit.de/feuilleton/2026-10/alice-schwarzer-zeitschrift-emma-feminismus-journalismus/komplettansicht
## AUTOREN
(DIR) Carolina Schwarz
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