# taz.de -- Bedeutendes und umstrittenes Magazin: Ciao, „Emma“!
> Vor knapp 50 Jahren erschien die erste „Emma“ – gegründet von Alice
> Schwarzer. Jetzt ist Schluss. Wirtschaftliche Gründe stecken angeblich
> nicht dahinter.
(IMG) Bild: Schwarzer 2002 in der Kölner Redaktion: Sie gilt als Deutschlands bekannteste Feministin, ist aber inzwischen hochumstritten
Köln/Berlin dpa/taz | Alice Schwarzer stellt nach 50 Jahren ihr
[1][feministisches Magazin Emma] ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die
letzte sein, teilte die Frauenrechtlerin der Deutschen Presse-Agentur in
Köln mit. Wirtschaftliche Gründe seien dabei nicht ausschlaggebend.
„Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch
die Ausgaben“, versicherte Schwarzer in einer Erklärung. „Nein, wir gehen,
weil wir meinen: Es reicht!“
Emma habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und „gegen so
manchen Unsinn im Namen des Feminismus“ Position bezogen. „Also gestattet:
Jetzt sind wir ermattet.“
Schwarzer gilt als Deutschlands bekannteste Feministin und ist
[2][inzwischen wegen ihrer Position zum russischen Angriffskrieg gegen die
Ukraine und ihrer Haltung zu trans Menschen hochumstritten]. Die von ihr
gegründete Emma erschien am 26. Januar 1977 zum ersten Mal. Ihr Motiv dabei
beschreibt Schwarzer heute so: „Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns
Feministinnen sogenannten ‚Männermedien‘, die mich zu dem Schluss kommen
ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme
haben müssten.“
## Kritik an Schwarzer
Seit Beginn des Ukrainekriegs 2022 hat sich Schwarzer, teils zusammen mit
Sahra Wagenknecht, immer wieder für schnelle Friedensverhandlungen mit
Russland ausgesprochen. Kritiker werfen ihr vor, sie verliere aus dem
Blick, wer in diesem Krieg der Aggressor und wer das angegriffene Land sei.
2024 räumte sie ein, dass ihre Haltung zum Ukrainekrieg auch Folgen für die
Abonnent*innenzahl der Emma habe. Zwar habe es „für Emmas Friedenskurs“
2023 viel Zustimmung von den Leser*innen gegeben. „Aber immerhin jede
fünfte Leserin hat aus Protest ihr Abonnement gekündigt. Das soll wehtun –
und tut es auch.“ Sie werde sich davon aber nicht einschüchtern lassen.
Proteste zog Schwarzer auch mit ihrer Haltung zu trans Menschen auf sich.
2023 forderten 33 Autor*innen und Künstler*innen die Absage einer
Veranstaltung mit ihr beim Literarischen Herbst in Leipzig, weil sie immer
wieder durch „transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und
Publikationen“ auffalle. Schwarzer reagierte empört, sie habe
„Transsexuelle“, ein veralteter und falscher Begriff, da es nicht um
Sexualität geht, noch nie angegriffen, versicherte sie damals. Dennoch
sprach sie dabei von einer „Transideologie“, die sie kritisch sehe. Häufig
nutzen Rechte sowie Trans-Hasser*innen den Begriff „Transideologie“, um
trans Personen zu unterstellen, dass sie andere – insbesondere Kinder und
Jugendliche – dazu verführen wollten, sich selbst für
Transgeschlechtlichkeit zu entscheiden. Eine Darstellung, die der Tatsache
widerspricht, dass Menschen sich nicht dafür entscheiden, trans zu sein,
sondern: eben so sind.
## Kein Raum für junge Chefinnen
Immer mal wieder kam auch die Frage auf, ob Schwarzer die Leitung der im
Zweimonatsrhythmus erscheinenden Emma nicht in jüngere Hände geben müsse.
2008 übernahm tatsächlich die Journalistin Lisa Ortgies die
Chef*innenredaktion, doch schon nach kurzer Zeit kam es zum Zerwürfnis, und
Schwarzer nahm das Heft wieder selbst in die Hand.
In der am 27. Oktober erscheinenden vorletzten Emma-Ausgabe versichert
Schwarzer, sie habe im Laufe der Zeit durchaus versucht, „weitere
Kolleginnen in unserem Geiste“ zu finden, immer wieder auch eine
potenzielle Chefredakteurin. Es gebe auch Journalistinnen, die dafür
infrage gekommen wären, doch hätten diese Kolleginnen andere Medien
bevorzugt. Begründung: „Da weht der Wind von außen nicht ganz so rau.“
Anfangs befand sich die Emma-Redaktion am Kolpingplatz direkt in der Kölner
Innenstadt. An Weiberfastnacht ging die Redaktion immer geschlossen auf dem
Alter Markt Karneval feiern. Später zog die Redaktion in den
mittelalterlichen Bayenturm im Kölner Rheinauhafen um. Hier arbeitete
Schwarzer unter einem Bild der französischen Philosophin und
Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir, die ihr in den 60er Jahren den Weg
gewiesen hatte.
Heute sei vielfach kaum noch bekannt, was Frauen damals alles durchlitten
und sich dann mühsam erkämpft hätten, ist Schwarzers Ansicht. In
Vergessenheit geraten sei auf der anderen Seite aber auch, wie frei Frauen
damals gewesen seien: „Das waren Jahre des Aufbruchs, des Übermuts! Wir
haben ja nicht nur gekämpft, wir haben auch gefeiert und getanzt. Und: Wir
hatten wenig Zwänge. Wir hatten kein Instagram und haben kein Botox
gespritzt. Das ist oft schwer zu vermitteln.“
2017 hatte Schwarzer die Zukunft von Emma beim 40-jährigen Jubiläum noch
optimistisch eingeschätzt. Feministische Themen seien heute wieder
gefragter als vor zehn Jahren, sagte sie damals. „Man hat in den 90ern
geglaubt, man hätte schon alles erreicht. Und jetzt sehen wir: So schnell
geht das nicht.“
## Emma im Archiv
Nun betont Schwarzer, dass Emma Deutschland in einem halben Jahrhundert ein
Stück verändert habe. Zwei von vielen Themen, über die das Magazin lange
„quasi alleine“ berichtet habe, seien der sexuelle Missbrauch von Kindern
und der Islamismus gewesen. Bei diesen Themen sei Emma schon 1978
beziehungsweise 1979 eingestiegen, lange vor den anderen. „Auf zahlreiche
weitere Themen – wie zum Beispiel das Ehegattensplitting, der Brustkrebs
oder die Genitalverstümmelung – wurden die Medien oft erst aufmerksam durch
die Veröffentlichungen in Emma.“
Schwarzer behauptet zudem, Emma sei zuletzt das „weltweit letzte und
einzige professionelle Publikumsmagazin am Kiosk in Feministinnenhand“
gewesen.
Das Emma-Archiv mitsamt Kisten und Kartons, Korrespondenzen und Kampagnen
werde vollständig in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach
aufgenommen und dort Interessierten erschlossen, so Schwarzer.
21 Oct 2026
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