# taz.de -- Hubertus Heil und der SPD-Vorsitz: „Ich kann es nicht ausschließen, dass ich antrete“
       
       > Der ehemalige Arbeitsminister macht aus seinen Ambitionen für den
       > SPD-Parteivorsitz kein Geheimnis. Doch er stellt eine interessante
       > Bedingung.
       
 (IMG) Bild: Alter Vertrauter mit gar nicht so neuen Ambitionen: Hubertus Heil
       
       Er ist der Erste, der sich im neu eröffneten Rennen um den SPD-Vorsitz aus
       der Deckung wagt: Der frühere Arbeitsminister Hubertus Heil meldete sich am
       späten Sonntagabend mit einer halb scherzhaften, halb ausweichenden Aussage
       zu Wort. Seine innerparteilichen Gegner könnten sie fast als Drohung
       verstehen. Auf die Frage, ob er beim Parteitag im Januar für den
       SPD-Vorsitz kandidieren werde, sagte der 53-Jährige in der ARD: „Ich kann
       es nicht ausschließen, dass ich antrete“.
       
       Trotz der geheimnisvollen Verpackung dürfte Heils Ankündigung [1][in der
       SPD niemanden überraschen]. Seit ihn der heutige Parteivorsitzende und
       Finanzminister Lars Klingbeil nach der Übernahme der Parteiführung etwas
       unsanft aus dem Rampenlicht drängte, wird über ein mögliches Comeback
       spekuliert. Als Arbeitsminister von 2018 bis 2025 prägte Heil einige der
       zentralen sozialdemokratischen Reformen des vergangenen Jahrzehnts mit. Nun
       nutzt er die Lesereise für sein gerade erschienenes Buch „Der Angriff der
       Autokraten“, um zu zeigen, dass es ihn noch gibt.
       
       Unter Heils Ministerium kamen das Bürgergeld, der Mindestlohn von 12 Euro
       und [2][ein strengerer Arbeitsschutz in besonders prekären
       Beschäftigungsverhältnissen] wie in der Fleischindustrie. [3][Auch die
       liberaleren Regeln bei der Arbeitsmigration nach Deutschland] verhandelte
       er zu Zeiten der Ampel-Regierung maßgeblich mit.
       
       Vor allem in der FDP hegte man einen feinen Hass auf den früheren
       Arbeitsminister. Man sagte ihm nach, eigene Projekte durchzusetzen,
       Vorhaben anderer aber im großen Bürokratieapparat seines Ministeriums
       versanden zu lassen. Aus Sicht der SPD wäre ein solches Hinauszögern
       unliebsamer Kürzungsideen von Bundeskanzler Merz wohl keine schlechte
       Voraussetzung für den Parteivorsitz.
       
       ## Seit 1998 im Bundestag
       
       Doch Heil sagte selbst, ein SPD-Chef dürfe seine Aufgabe nicht darin sehen,
       Sand ins Getriebe dieser ohnehin schon hakelig laufenden Regierungsmaschine
       zu streuen. „Diese Regierung darf nicht scheitern, sie muss liefern“, waren
       seine Worte in der ARD. Außerdem knüpfte er seine mögliche Kandidatur an
       die inhaltliche Positionierung der SPD und warb für den Kurs einer
       „solidarischen Leistungsgesellschaft“ – erklärte aber nicht, was er damit
       meinte.
       
       [4][Im Interview mit der taz hatte Heil als Arbeitsminister zumindest ein
       Gespür] für die Einschnitte, die sich nun an vielen Stellen zeigen. „Die
       gesellschaftliche Gesamtstimmung ist angespannt, viele Menschen haben
       existenzielle Sorgen“, sagte er vor drei Jahren. „Das sind verdammt harte
       Zeiten.“ Dass sie inzwischen nicht leichter geworden sind, muss wohl auch
       als Teil seines politischen Erbes gelten.
       
       Der amtierende Parteivorsitzende Klingbeil hat sich [5][nach dem Rücktritt
       von Bärbel Bas] vergangene Woche noch nicht zu seiner Zukunft in der
       SPD-Führung geäußert. Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach sich
       bereits für dessen erneute Kandidatur aus. Klingbeil und Heil teilen dabei
       zwei sehr ähnliche Probleme, obwohl den beiden Politiker ein schlechtes
       Verhältnis zueinander nachgesagt wird: Beide kommen aus dem
       niedersächsischen Landesverband. Und beiden fehlt für eine Doppelspitze die
       Frau an ihrer Seite.
       
       An Kontakten dürfte es Heil nicht mangeln. Er ist seit 1988 SPD-Mitglied
       und zog schon 1998 für den Wahlkreis Gifhorn/Peine erstmals in den
       Bundestag. Auch bei den Wahlen 2025 wurde er wieder als Direktkandidat ins
       Parlament gewählt. Dort sitzt er, gemessen an seiner Biografie, etwas
       fachfremd im Auswärtigen Ausschuss. Beim Parteitag im Januar soll die
       außenpolitische Strategie der SPD eine entscheidende Rolle spielen. Für
       eine mögliche Bewerbungsrede Heils ist das praktisch.
       
       19 Oct 2026
       
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