# taz.de -- Geplante A26-Ost in Hamburg: Umweltverbände wollen andere Hafenautobahn
> Nabu und BUND bieten einen Klageverzicht an, wenn die Alternativtrasse
> gewählt wird. Am liebsten wäre ihnen aber der Ausbau der bestehenden
> Hafenquerung.
(IMG) Bild: Die eine Hälfte ist fast fertig, die andere kommt vielleicht nie: A26 wird südlich von Hamburg an die A7 angeschlossen
Eine neue Autobahn quer durch den Süden Hamburgs – die würden der
Naturschutzbund (Nabu) und der Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland
(BUND) unter bestimmten Umständen akzeptieren und auf weitere Klagen
verzichten. Wie die Umweltverbände in einem offenen Brief an
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) schreiben, halten sie es zwar
nach wie vor für am sinnvollsten, die bestehende Route durch den Hamburger
Hafen auszubauen. Müsse es unbedingt eine neue Autobahn sein, dann müsse
diese wenigstens in einer klimafreundlicheren Variante gebaut werden.
Gegenstand der Kontroverse ist die A26-Ost, die Fortsetzung der von Stade
kommenden A26-West, die das südliche Hamburger Umland entlasten und 2028
fertiggestellt werden soll. Die A26-Ost würde die Nord-Süd-Autobahnen A7
und A1 miteinander verbinden und so eine Südumfahrung Hamburgs schaffen,
die allerdings zwischen den Stadtteilen Wilhelmsburg und Harburg
hindurchführen würde.
Nach den bisherigen Plänen würde sie zudem durch ein Gebiet mit bis zu acht
Meter mächtigen Moorböden führen – einer der Gründe, weswegen Nabu und BUND
gegen das Vorhaben geklagt haben. Vor einem Jahr haben sie vorm
Bundesverwaltungsgericht recht bekommen. Die Hamburger Wirtschaftsbehörde
und die für den Bund tätige Planungsgesellschaft Deges hätten mit ihrer
Planung gegen das Bundesklimaschutzgesetz verstoßen, urteilte das Gericht.
Nach Ansicht der Richter hätten die Planer verschiedene Trassenvarianten
mit Blick auf die gesetzlichen Klimaziele untersuchen müssen. Darauf hatten
die Planer mit dem Argument verzichtet, die gewählte Trasse hätte ja
bereits einen positiven Effekt für das Klima.
## Moorböden gefährdet
Das Gericht fand, es wäre abzuwägen gewesen, ob andere Varianten den
Ausstoß von Treibhausgasen noch weiter verringern würden. Es erklärte den
Planfeststellungsbeschluss zwar für „rechtswidrig und nicht vollziehbar“ –
hob ihn aber nicht auf. Das bedeutet: Die Planer haben die Möglichkeit, den
Beschluss nachzubessern.
Mit diesem Urteil im Rücken haben Nabu und BUND dem Verkehrsminister Bilger
jetzt einen Kompromiss vorgeschlagen. Zwar lehnten sie angesichts der
Klimakrise den Aus- und Neubau von Autobahnen grundsätzlich ab, schreiben
die Verbände. „Zugleich erkennen wir an, dass das Hamburger Hafengebiet
eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung benötigt.“ Dabei sei allerdings zu
berücksichtigen, dass die Umschlagszahlen im Hafen deutlich hinter den
Prognosen zurückblieben.
Nabu und BUND plädieren deshalb dafür, die bestehende Haupthafenroute über
die [1][Köhlbrandbrücke auszubauen, statt wenige Kilometer weiter südlich
eine parallele Infrastruktur] aufzubauen. Denn die überlastete
Köhlbrandbrücke muss ohnehin dringend ersetzt werden. Und ein Ausbau der
Querverbindung via Köhlbrandbrücke würde ja auch der ursprünglichen Planung
zu Beginn des Jahrtausends entsprechen.
Sollten Bund und Land jedoch nicht von ihren Autobahnplänen lassen wollen,
ist für die Naturschutzverbände klar, dass ein bloßes Herumschrauben an der
bisherigen Planung auf keinen Fall infrage kommt, weil die gewählte Trasse
durch „wertvolle Restmoorflächen“ führe. Werden diese ausgekoffert, wird
das darin gespeicherte CO₂ freigesetzt.
Die Umweltverbände versichern, sie hätten grundsätzlich kein Interesse
daran, im Rahmen eines Planergänzungsverfahrens erneut gegen einen
entsprechenden Beschluss zu klagen. „Wir erwarten jedoch, dass die
[2][Hinweise des Bundesverwaltungsgerichts] zu möglichen alternativen
Varianten ernst genommen werden – insbesondere dort, wo diese deutlich
klima- und artenschutzfreundlicher sind.“
Möglich wäre das durch eine Trasse weiter nördlich. „Hier könnte aus
unserer Sicht ein tragfähiger Kompromiss zwischen den infrastrukturellen
Interessen des Bundesverkehrsministeriums, der Freien und Hansestadt
Hamburg und den [3][Belangen des Natur- und Umweltschutzes] liegen“, finden
die Umweltverbände. Eine solche Lösung wäre aus ihrer Sicht ein positives
Signal. „Sie würde zeigen, dass notwendige Infrastruktur und ein wirksamer
Schutz der Natur nicht zwangsläufig gegeneinander ausgespielt werden
müssen.“
So oder so würde die [4][knapp 10 Kilometer lange A26-Ost ein gewaltiges
Bauwerk]. Nach der Schleife im Moor schwingt sie sich zunächst auf einer
Rampe und dann auf Stelzen empor zu einer Brücke mit 53 Metern
Durchfahrtshöhe für große Seeschiffe. Die tragenden Pfeiler würden 140
Meter hoch. Im weiteren Verlauf soll es mehrere Anschlussstellen mit zum
Teil mehreren Ebenen geben, einen Tunnel, um die Anwohner zu schützen, und
eine Galerie als Lärmschutz für die zukünftig stärker belastete A1.
Der rot-grüne Hamburger Senat nahm zu dem Vorschlag der Umweltverbände
nicht Stellung.
19 Oct 2026
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