# taz.de -- Alkoholverbot, Katie Zacharia, Tesla: „Viele Bahnhöfe muss man sich schönsaufen“
> Trump und seine 5-Tage-Pressesprecherin müssen etwas richtig gemacht
> haben. Und: Werden wir mit der Zuckersteuer gesünder oder der Staat
> reicher?
(IMG) Bild: Kurz im Amt, aber aufmerksamkeitsstiftend: Katie Zacharia
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?
Friedrich Küppersbusch: [1][Friedrich Merz] teufelt gegen eine Partei und
die Junge Union dreht durch vor Begeisterung.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Merz überlegt noch mal, gegen wen er besser teufeln könnte.
taz: Katie Zacharia war fünf Tage die neue Pressesprecherin von
US-Präsident Trump. Könnte sie auch seine letzte sein?
Küppersbusch: Das Skelett von Trumps Amtsführung bleibt sein TV-Format „The
Apprentice“, eine spielerisch ins Menschenverachtende lappende
Heuer&Feuer-Show um Jobs in seinen Unternehmen. Mit Blick auf Quoten und
Reichweiten haben weder er noch Zacharia irgendwas falsch gemacht.
taz: Der italienische Fußball ist in der Krise. Verpasste WM-Teilnahmen,
seit 16 Jahren kein Gewinn der Champions League, nun ein weiterer
historischer Tiefschlag: Neapel, Inter, Como und die AS Roma verloren alle
ihre Partien in der Ligaphase. Was läuft falsch auf dem Stiefel?
Küppersbusch: Man liest von mangelhaftem Scouting und zu wenigen
Nachwuchsleistungszentren, etwa verglichen mit Frankreich, England,
Spanien. Das beruhigt mich, ich hatte schon befürchtet, Investoren hätten
Skrupel vor Fascho-Fans und mafiösem Berlusconi-Klüngel.
taz: Der Bundestag hat eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuer beschlossen.
Auf deutschen Bahnhöfen gilt nun ein Alkoholverbot. Haben Sie Einwände?
Küppersbusch: Ja, viele Bahnhöfe muss man sich schönsaufen, damit ist
Schluss. Ansonsten setzt die Verteuerung von Tabak, Alkohol, auch Zucker da
an, wo der Gesellschaft Schaden und Kosten entstehen. Da jedoch die Erträge
das Delta im Bundeshaushalt stopfen sollen, werden wir bestenfalls
nüchterner und gesünder zuschauen, wie im Gesundheitswesen nichts von dem
Segen ankommt. Prost!
taz: Nach Angaben von Bundesbauministerin Hubertz soll 2027 eine
bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft an den Start gehen. Ist das schon eine
erste Folge des [2][Berliner Wahlergebnisses]?
Küppersbusch: Das wäre doch gar nicht nötig gewesen! Die Konkursmasse der
herrschenden Marktreligion: Rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen in
Deutschland, auf gut 11 Millionen Ansprüche auf Wohnberechtigungsscheine
kommen noch knapp eine Million Sozialwohnungen. Minister Seehofer log
Baugenehmigungen zu fertigen Wohnungen um, Ministerin Geywitz scheiterte
bei weniger als der Hälfte des Neubaus, den die Ampel versprochen hatte.
Dass der Staat nicht vergesellschaften dürfe, ist Quatsch; dass er nicht
bauen sollte, ebenfalls. Diese zwei Quätsche zusammen schaffen ein
[3][Monopol für Investoren], die jahrzehntelang vorgeführt haben, dass sie
es weder können noch wollen. Kurz: Verantwortliche Politik hätte gar keine
Drohungen gebraucht, um ihr Scheitern einzugestehen. Der Weg zum warmen
Dach überm Kopf führt übers ungemütliche Feuer unterm Arsch. Drollig:
Rechtsextremer Migrationshass führt dazu, dass alle ihn nachmachen. Linke
Wohnungspolitik bleibt pfui.
taz: Der neue Tesla kann fliegen. Brauchen Sie das?
Küppersbusch: In Fritz Langs 1926er Monsterwerk „Metropolis“ flogen schon
Autos – in einem fiktiven Jahr 2026. Außer Doro Bär hatten alle ihre
Zweifel. Mal abgesehen davon, dass man den typischen BMW-Honk – drängeln,
rasen, falsch überholen, nötigen – gar nicht so dringend am Himmel erleben
möchte – fehlt mir gerade die Begeisterung für ein neues Jungsspielzeug aus
der Firma eines Psychopathen. Elon Musk lässt es sich angelegen sein, der
Ukraine bisher verfügbare Starlink-Daten nicht mehr zu liefern, um Trumps
Deal mit Putin zu unterstützen. In diesem Kontext ist es herzlich egal, ob
er auch mal einen fliegen lässt.
taz: „Es läuft nur noch Geschlechtsverkehr in unsrer schönen Bundeswehr“,
dichtete einst die Punkband „Straßenjungs“. Aktuell geht es bei der Truppe
mal wieder um sexualisierte Gewalt. Militär halt – oder Führungsversagen?
Küppersbusch: Ihr kennt ja seltsame Lieder. Der Song ist von 1981, da gab
es praktisch keine Frauen beim Bund und bis 1979 war Schwulsein ein
offizieller Ausmusterungsgrund. Mögen es lustvolle und konsensuelle
Fantasien gewesen sein. Durch die Öffnung für Frauen bleibt für ähnliche
Fantasien jetzt nur noch eine Karriere in der katholischen Kirche. Die
heutigen Zahlen sind verstörend, 91 Entlassungen wegen „sexuellen
Fehlverhaltens“ in 2026 mögen in einer Sphäre von Gehorsam, Kameradie und
Karriere noch deutlich zu dunkelziffrig sein. Wenn die Bundeswehr
vertuscht, wird das Frauen abschrecken; wenn sie es thematisiert – auch.
taz: Noch ein Wort zum Rücktritt von Arbeitsministerin Bärbel Bas – oder
ist alles gesagt?
Küppersbusch: Was sie vermutlich am allerletzten gewollt hat, ist
eingetreten: mal eine Woche Druck nehmen von den allfälligen
Rücktrittsfantasien über Friedrich Merz.
Und was macht der RWE?
Küppersbusch: 996 Euro für sechs Tage im Doppelzimmer mit der Mannschaft im
Trainingslager in Antalya. Kostet als Paket beim BVB ähnlich viel, ist aber
halt eben RWE.
Fragen: waam
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und freut sich, wenn sein
Auto wenigstens fährt.
18 Oct 2026
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