# taz.de -- Die Wahrheit: Tölpel mit Brötchenfüßen
       
       > Die Schotten haben einfach keine Ahnung. Zum Beispiel davon, was es in
       > der Welt außerhalb ihres Frühstücksbrötchens noch so an Köstlichkeiten
       > gibt.
       
       Es gibt eine Nation mit noch merkwürdigeren kulinarischen Vorlieben als die
       Engländer – und das sind die Schotten. Man denke nur an frittierte
       Marsriegel oder gefüllte Schafsmägen. Das hindert sie aber nicht daran, in
       völliger Selbstüberschätzung den Unesco-Status für immaterielles Kulturerbe
       bezüglich ihres Frühstücksbrötchens zu verlangen.
       
       Die „Morning Roll“ sei Teil der schottischen Identität und ein „nationaler
       Schatz“. Ein Volk, das sich über eine pappige Backware definiert, ist nicht
       zu beneiden. Die schottischen Grünen unterstützen die Kampagne, mit der das
       Frühstücksbrötchen auf die Liste der weltweiten Köstlichkeiten gelangen
       soll. Die Abgeordnete Holly Bruce sagt: „Viele der schönsten Tage beginnen
       mit einem Morgenbrötchen, genauso wie die schönsten Abende damit enden –
       und es gibt es schon länger, als es in Frankreich das Baguette gibt.“
       
       Schottland habe der Welt viele großartige Dinge geschenkt, und das
       Morgenbrötchen verdiene seinen Moment im Rampenlicht, fügte sie hinzu: „Es
       ist an der Zeit, dass wir diese großartige Institution gebührend feiern und
       ihr die Anerkennung zollen, die sie verdient.“ Scottish Scran, eine
       Website, die sich der schottischen Küche widmet, behauptet, mehr Anfragen
       nach Rezepten für Morgenbrötchen zu erhalten als für jede andere Speise.
       
       Der schottische Lebensmittelforscher Peter Gilchrist argumentiert, dass das
       Morgenbrötchen für die Esskultur der Arbeiterklasse im Westen Schottlands
       ebenso unverzichtbar ist wie ein Brathähnchen für die englische
       Mittelschicht. Aber Geflügel und Morgenbrötchen sind wahrlich keine
       kulinarischen Offenbarungen, und die Brötchen sind nicht mal schottisch. Es
       handelt sich dabei lediglich um die ersten Backwaren, die morgens im Ofen
       gebacken werden, weil sie schneller fertig sind als ein Brotlaib. Genauso
       schnell sind sie furztrocken.
       
       ## Teigiges Unfallprodukt
       
       Eine Eigenart sind die „Well Fired“-Brötchen. Ursprünglich waren sie – wie
       das irische Guinness – ein Unfallprodukt, das beim Aufheizen des Ofens
       verbrannte und eigentlich in den Kompost gehörte, aber viele Schotten
       lieben es. Deshalb werden sie nun absichtlich so lange gebacken, bis die
       Kruste schwarz und verkohlt ist. Für Uneingeweihte sehen sie verbrannt aus
       und schmecken bitter. Manche Menschen füllen sie mit quadratischer Wurst,
       mit Kartoffeln oder mit Blutwurst.
       
       In England heißen die Dinger „baps“. In Schottland ist das allerdings eine
       Beleidigung. Jemand, der ein „Bap-Antlitz“ hat, besitzt ein lächerlich
       rundes Gesicht, und jemand, der „Bap-Füße“ hat, ist ein Tölpel.
       
       Die Schotten sind offenbar völlig ahnungslos, was es in der Welt an
       köstlichen Brotspezialitäten gibt, sie halten ihre „Morning Roll“ für
       außergewöhnlich. Dabei sollten sie sich lieber dafür einsetzen, dass der
       schottische Whisky endlich den Unesco-Status für immaterielles Kulturerbe
       erhält, denn dieses edle Getränk ist wirklich schützenswert.
       
       19 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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