# taz.de -- Kaufmann holt Medaille: Wer rastet, der rostet
> Bei der Tischtennis-EM in Ljubljana mischt die 63-jährige Luxemburgerin
> Ni Xia Lian den Wettbewerb auf. Erst gegen die Jüngste ist Schluss.
(IMG) Bild: Muss frau erstmal schlagen: Ni Xia Lian, 63
Wie lange sind die Achtzigerjahre her? Es gibt eine einfache kalendarische
Antwort, klar, aber auch eine kulturelle: Und da sind die Achtziger
scheinbar nie vergangen, Mode und Musik sind immer noch in; es gibt sogar
auch eine sportliche Antwort, man denke nur an Tennis. Für [1][die
Generation X sind die Achtziger] gefühlt erst zwanzig Jahre her, war
kürzlich irgendwo zu lesen, für die Neu-Luxemburgerin Ni Xia Lian dauern
sie immer noch an.
1983 trat sie mit dem chinesischen Tischtennis-Team bei der WM in Tokio an
und wurde Weltmeisterin, auch im Mixed schaffte sie das. Als es eigentlich
Zeit für sie hätte sein sollen, abzutreten, wechselte sie wie viele
Chines:innen kurzerhand die Nation, heuerte in Luxemburg an, spielte
eine Saison für Bayer Uerdingen in der Bundesliga. In den Neunzigern
sammelte sie noch einige Erfolge. Seit dem Jahr 2000 geht bei
Staatsmeisterschaften kaum ein Weg an ihr vorbei, Denn seitdem ist sie
tatsächlich Luxemburgerin. Auf sich aufmerksam macht die 63-Jährige seit,
wie man wohl sagen muss, geraumer Zeit, weil sie immer noch spielt, einfach
nicht aufhören will und tatsächlich mit ihrer unkonventionellen Spielweise
Erfolg hat.
Sie spielt, das für die Nerds, mit zwei unterschiedlich langen
Noppenbelägen und hält den Schläger wie einen Stift, also im
Penholder-Griff. 2021 bei der um ein Jahr verschobenen Olympiade in Tokio
holte sie mit Doppelpartnerin Sarah de Nutte noch mal Bronze. 2024 in Paris
überbot sie ihren eigenen Altersrekord als Teilnehmerin an einem
olympischen Tischtennisturnier. [2][Ihr Ziel ist Los Angeles 2028], sie
wird dann 65 Jahre alt. Würde sie Gold holen, im Einzel, Doppel oder Mixed,
würde sie über alle Sportarten hinweg den Rekord der ältesten
Olympiasiegerin aller Zeiten aufstellen.
Soweit kommt es noch! Sie ist natürlich der Schrecken aller jungen bis
mitteljungen Spielerinnen in diesem Sport, der seit jeher als relativ
alterslos gilt: In den unteren Klassen spielen 12‑Jährige wie
selbstverständlich gegen über 80‑Jährige und verlieren mitunter. Dieses
Phänomen liegt aber auch an Spielweise und Material: Mit Noppenbelägen
entschärft „Nixi“ (oder wie auf der Anzeigetafel von Ljubljana stand: Ni X.
(Lux)) den Spin, den Effet ihrer Gegnerinnen. Noch dazu spielt sie
unerschrocken, schnörkellos, unbeeindruckt.
## Konditionell im Vorteil
Bei der EM, die dieses Mal etwas unter dem Radar im hübschen Ljubljana
stattfand, schaffte sie es immerhin bis ins Achtelfinale, nachdem sie zwei
höher gesetzte Spielerinnen ausgeschaltet hatte. Dort traf sie natürlich
als Älteste auf die jüngste Spielerin.
„Zur Not versuche ich, gegen sie über sieben Sätze zu gehen, damit ich in
der Kondition einen Vorteil habe“, ließ Letztere vor dem Match [3][über
Tischtennis.de] wissen – brauchte sie aber dann doch nicht. Annett
Kaufmann, die deutsche Hoffnungsträgerin, Juniorinnenweltmeisterin von
2024, gab gegen Ni Xia Lian nur einen einzigen Satz ab.
Hier endet also die Geschichte, der Siegeszug der Alten gegen das Junge.
Lag auch schlicht daran, dass Kaufmann mit derlei Herausforderungen
umzugehen versteht. Auch in der nächsten Runde, dem Viertelfinale gegen die
Abwehrspezialistin Ying Han, ebenfalls gebürtige Chinesin, die seit Langem
für Deutschland spielt und vergleichsweise immerjunge 43 Jahre alt ist,
gewann Kaufmann souverän. Mal sehen, wie lange Ying Han noch spielt.
Kaufmann, in Ljubljana mindestens mit zweimal Bronze behängt, hat die
Zukunft eigentlich noch vor sich: Ob sie bei ihrer aggressiven Spielweise
aber so lange mithalten kann wie ihre Gegnerinnen, sei dahingestellt.
18 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://intergeneration.ch/de/grundlagen/generation-x-y-z-ueberblick/
(DIR) [2] https://www.bild.de/sport/olympia/olympische-rekorde-erfolgreichste-sportler-aelteste-athleten-6685505c18c33d086d7b9753
(DIR) [3] https://www.tischtennis.de/news/dttb-damen-quartett-zieht-geschlossen-ins-em-achtelfinale-ein.html
## AUTOREN
(DIR) René Hamann
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