# taz.de -- Tricks beim Tischtennis: Auf der Suche nach dem nassen Ballabdruck
       
       > Sommer ist over, Klimaanlagen können warten, die Tischtennissaison geht
       > wieder los! Und bald folgt in Ljubljana ein Höhepunkt.
       
 (IMG) Bild: Gut in Form: Dang Qiu, Europameister von 2022
       
       Meine Damen und Herren, es ist Herbst. Kann sein, dass es politisch noch
       ein heißer Herbst wird, der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen
       vielleicht, für die tischtennisspielende Gemeinde jedoch ist das
       zuallererst eine gute Nachricht. Es ist Herbst, Saisonbeginn, die
       Meisterschaft geht endlich wieder los, und vor allen Dingen: Die
       Schwitzerei in tropischen Hallen hat endlich ein Ende.
       
       In meinem kleinen Wiener Verein, der in einer ehemaligen Werkhalle in einem
       nicht als solchem gemeldeten Industriedenkmal spielt, gab es sommers sogar
       eine Petition: Es wurde der Einbau einer Klimaanlage gefordert. Kein
       Wunder, bei mehr als 30 Grad in der Halle wird auch das sonst so
       klimafreundliche Tischtennis zur Challenge. Man schwitzt, man schwitzt
       mitunter viel, was bedeutet, dass der Schweiß überallhin tropft, nicht
       zuletzt auf den Ball, und einen nassen Ball kann man nicht spielen, der
       nimmt keinen Spin an, sondern fällt recht schnell auf die eigene
       Tischhälfte.
       
       Die Regelkunde dazu ist recht schwierig. Eigentlich sollte der Punkt
       wiederholt werden; im Hobby- und Amateurbereich wird aber meist einfach
       weitergespielt, dein Pech, wenn der Ball runterplumpst, weil er nass ist:
       Punkt für den Gegner. Es kursieren sogar [1][Geschichten von Leuten], die
       im Punktspiel den Ball beim Aufschlag heimlich extra nass machen, ein
       bisschen Spucke reicht, der Gegner kann den Ball nicht zurückspielen, weil
       er vom Schläger einfach runterfällt. Die Regel dazu lautet: „Gespielte
       Punkte zählen.“ Nebeneffekt dieser Regel: Auch bei anderweitig verursachten
       Fehlern schauen die Spielenden gern zuerst auf den eigenen Schlager, auf
       der Suche nach dem nassen Ballabdruck.
       
       Ein nasser Ball ist aber durchaus auch ein eigener Nachteil. Mitunter der
       Grund, warum man bei Profispielen immer wieder sieht, wie die Profis Tische
       und Böden zwischen den Ballwechseln trocknen. Darko Jorgić, Spitzenspieler
       aus Slowenien, pustet sogar vor eigenem Aufschlag auf den Ball, um ihn ja
       trocken zu halten.
       
       ## Champions
       
       Apropos Slowenien, da findet mitten im Herbst das Highlight dieses Herbstes
       statt: [2][die Europameisterschaft in den Einzel- und Doppelwettbewerben],
       also ohne Mannschaftswettbewerb. Klingt etwas kompliziert, aber der ETTU
       hat vor einiger Zeit beschlossen, dass zwei Turniere eines mehr ist, also
       finden die EMs wechseljährig statt: Dieses Jahr die Einzel/Doppel, nächstes
       Jahr wieder die Teams. Ich freue mich schon auf Ljubljana, von Wien aus ist
       es nicht so weit dahin. Während ich Porto 2027 wahrscheinlich auslassen
       muss, peile ich Cluj (Rumänien) für 2028 an.
       
       In Ljubljana könnte es durchaus spannend werden – Dang Qiu (D), der
       vorletzte Europameister, [3][hat am Wochenende in Astana] einen
       hochrangigen WTT-Wettbewerb gewonnen und scheint in Bestform; mit
       Finalgegner und Titelverteidiger Alexis Lebrun und seinem Bruder Félix wird
       durchaus zu rechnen sein. Auch Truls, mein persönlicher Lieblingsspieler,
       gehört zu den Favoriten, der hat neulich in Macao ein „Champions“ gewonnen.
       
       Bei den Frauen wird spannend zu sehen, ob Annett Kaufmann der nächste
       Schritt gelingt oder ob Sabine Winter im Herbst ihrer Karriere noch einmal
       einen ganz großen Titel holt. Auch Titelverteidigerin Sofia Polcanova,
       obschon ein wenig auf dem absteigenden Ast, und ihre letzte Finalgegnerin
       Bernadette Szőcs spielen um den Titel mit.
       
       Bevor es am 12. Oktober dann losgeht, gibt es noch die Bundesliga mit Fan
       Zendong, ein China Smash, vorher noch die Asia Games für die in Asien und
       für uns in Wien vier Wettbewerbe, also drei verschiedene Meisterschaften
       und den Cup. Bislang sind wir ungeschlagen. Aber wir haben auch gerade erst
       angefangen.
       
       21 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://forum.tt-news.de/showthread.php?t=390867
 (DIR) [2] https://www.ettu.org/european-individual-championships/
 (DIR) [3] https://www.worldtabletennis.com/description?artId=6620
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) René Hamann
       
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