# taz.de -- Grenze zwischen rechts und konservativ: Wieso die Brandmauer im kulturellen Raum längst weg ist
       
       > Im rechtsextremen Medienuniversum ist Verleger Dietmar Munier seit
       > Jahrzehnten etabliert. Jetzt tritt er bei der Buchmesse „Seitenwechsel“
       > auf.
       
 (IMG) Bild: Proteste gegen das erste Branchentreffen konservativer und rechter Verlage in Halle 2025: Dieses Jahr kommt es zu einer Neuauflage
       
       Dietmar Munier ist in der rechtsextremen Verlagswelt seit fast 40 Jahren
       eine feste Größe. Über seine Verlagsgruppe „Lesen & Schenken“ aus dem
       schleswig-holsteinischen Selent vertreibt er Bücher und Broschüren, Poster,
       aber auch Abwehrwaffen und Äxte. Zeitungen der Verlagsgruppe von Zuerst!
       Deutsches Nachrichtenmagazin bis zur Deutschen Militärzeitung gibt es in
       Bahnhofskiosken zu kaufen. Öffentlich tritt der 72-Jährige selten auf.
       
       Am zweiten Novemberwochenende wird er jedoch Gast in Halle bei der
       Buchmesse „Seitenwechsel“ sein. Die maßgeblich von der Dresdner
       Buchhändlerin Susanne Dagen organisierte Messe, die in diesem Jahr zum
       zweiten Mal stattfindet, versteht sich als Treffpunkt der vermeintlichen
       „Anti-Mainstream-Szene“.
       
       Munier soll dort über die Notwendigkeit gedruckter Nachrichtenmagazine
       diskutieren. Sein Gesprächspartner: [1][Andreas Karsten, Chefredakteur des
       Magazins Zuerst!]. Das Panel verspricht wenig Kontroverse: Beide entstammen
       dem rechtsextremen Milieu: Munier begann mal eine Sonnenwendfeier mit einem
       Holocaustleugner; Karsten stammt aus den rechtsextremen Burschenschaften
       Hamburg Germania und Halle-Leobener Burschenschaft Germania.
       
       Doch die Messe offenbart ein größeres Phänomen: Die Grenze zwischen extrem
       rechten Szenen und bürgerlich-konservativen Kreisen wird immer
       durchlässiger. Durch die [2][Wahlerfolge der AfD] beflügelt, finden hier
       Spektren zusammen, die einst getrennt schienen.
       
       Das zeigt bereits der Eröffnungsgast: [3][Harald Martenstein, Kolumnist für
       Welt am Sonntag und Bild]. Der einst linke Autor, der dieses Jahr den
       „Deutschen Sprachpreis“ bekommen hat, poltert seit Jahren gegen einen
       vermeintlich linken Zeitgeist. [4][Dass er 2025 bei der rechtsextremen
       Burschenschaft Landmannschaft Mecklenburgia-Rostock zu Hamburg auftrat],
       stört in diesem Milieu längst niemanden mehr.
       
       ## Verschiedene rechte Strömungen im Programm
       
       Inhaltlich ziehen sich die verschiedenen Strömungen der Rechten durch das
       gesamte Programm der Buchmesse. Bei einem Podium zu „40 Jahre Junge
       Freiheit“ diskutieren Vertreter der neurechten Publizistik – darunter
       Roland Tichy (Tichys Einblick), Max Mannhart (Apollo News) und Ralf
       Schuster (Nius).
       
       Neben Alt-Kadern wie dem ehemaligen sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten
       [5][Arne Schimmer] treten Aktivisten der identitären Szene auf, etwa Jonas
       Schick und Nils Wegner. Sie kommen aus der Identitären Bewegung und vom
       Netzwerk um das [6][aufgelöste, vom Verfassungsschutz als rechtsextrem
       eingestufte Institut für Staatspolitik]. Dessen Mitgründer Götz Kubitschek
       spricht in Halle über die Strategie der AfD. Die Autor:innen seines
       Antaios-Verlags Ellen Kositza und Benedikt Kaiser treten ebenso auf.
       
       Auch AfD-Prominenz reist an. Neben Bundessprecher Tino Chrupalla kommt der
       Bundestagsabgeordnete [7][Matthias Helferich, der sich einst selbst als
       „freundliches Gesicht des NS“] bezeichnete.
       
       Insgesamt treten Figuren mit ganz unterschiedlicher Biografie auf, darunter
       auch Querdenkende und ehemalige Linke wie der einstige Linken-Politiker
       Dieter Dehm, die frühere Grünen- und CDU-Politikerin Vera Lengsfeld sowie
       die umstrittene Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot und der Publizist
       Henryk M. Broder. Sie stehen für eine Querfront-Dynamik, die sich vor allem
       über die Ablehnung des Etablierten definiert.
       
       Die theoretische Unterfütterung für die fortschreitende Entgrenzung der
       Spektren liefert ein Beitrag der aktuellen Ausgabe von Zuerst!: Darin
       betont der [8][AfD-Abgeordnete Matthias Moosdorf], dass politische Macht
       auf der kulturell-gedanklichen Vorherrschaft im „vorpolitischen Raum“
       beruhe. Die Buchmesse in Halle zeigt, was damit gemeint ist: Im kulturellen
       Raum ist die Brandmauer nach rechts längst eingerissen – eine Entwicklung,
       die sich nun schrittweise auch in den Parlamenten fortsetzt.
       
       31 Oct 2026
       
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