# taz.de -- Unicef-Studie zu benachteiligten Kindern: Wer bei den Jüngsten spart, zahlt später drauf
       
       > In benachteiligte Kinder zu investieren, kann dem Staatshaushalt nutzen.
       > Das zeigt eine neue Studie. Die Bundesregierung plant das Gegenteil.
       
 (IMG) Bild: Aus kinderrechtlicher wie aus ökonomischer Sicht gewinnbringend: Investitionen in Kinder
       
       Hat das Kind zwei Paar Schuhe? Kann es bei Schulausflügen dabei sein, auch
       wenn die Geld kosten? Bekommt es täglich eine gesunde Mahlzeit? All das
       sind Fragen, die die Europäische Union definiert hat, um festzustellen, ob
       bei [1][Kindern ein materieller Mangel] besteht. Deprivation bei Kindern –
       so der Fachausdruck – schadet dem Staatshaushalt langfristig. Das ergab
       eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen
       Wirtschaft (IW) im Auftrag des [2][UN‑Kinderhilfswerks Unicef].
       
       Die IW-Studienautoren berechneten modellhaft die Auswirkungen von
       Kinderarmut und mangelnden Teilhabemöglichkeiten von jungen Menschen auf
       den Staatshaushalt. Das Ergebnis: Wird zu wenig in die Jüngsten investiert,
       kosten sie den Staat als Erwachsene umso mehr. Die Studie betrachtete
       hierfür die Bildungswege von Kindern, auf die die Faktoren der materiellen
       Deprivation zutreffen, und die von Kindern, bei denen das nicht der Fall
       ist.
       
       Je nachdem, wie Deprivation definiert wird – ob ein Mangel also „nur“ aus
       finanziellen Gründen oder auch wegen anderer Aspekte besteht –, sind der
       IW-Auswertung der [3][Unicef-Studie] zufolge 11,3 Prozent beziehungsweise
       25,2 Prozent der unter 16-Jährigen in Deutschland betroffen.
       
       Laut Analyse unterscheiden sich gerade bei der Bildung die Wege der Kinder
       stark. Während rund 40 Prozent der nicht-deprivierten Kinder ein Gymnasium
       besuchen, sind es bei den benachteiligten Kindern nur 20 Prozent.
       
       ## Langfristig ökonomisch sinnvoll
       
       Um herauszufinden, wie viel der Staat in Kinder investiert und später
       wieder herausbekommt, erstellten die Studienautoren eine „Fiskalbilanz“. Zu
       den Ausgaben zählen etwa Investitionen in das Bildungssystem, die
       Sozialversicherung, das Eltern- und Kindergeld. Die Einnahmen werden über
       Steuer- und Sozialabgaben berechnet.
       
       Modellhaften Lebensverläufen folgend, stellen die Autoren folgenden
       Vergleich auf: Wer einen „akademischen Bildungsweg“ abschließt, würde dem
       Staat im Laufe des gesamten Lebens in der Bilanz etwa 943.000 Euro an
       Steuer- und Sozialabgaben einbringen. Bei einem „beruflichen Bildungsweg“
       seien es noch 118.000 Euro. Wer einen Bildungsweg ohne
       berufsqualifizierenden Abschluss mache, koste den Staatshaushalt dagegen
       etwa 377.000 Euro.
       
       Aus diesen Modellrechnungen schließt die Studie, dass die Unterstützung
       benachteiligter Kinder und Jugendlicher für den Staat zwar kurzfristig zu
       Mehrausgaben führe, „langfristig aber auch aus ökonomischer Sicht eine
       lohnende Investition darstellt“.
       
       Unicef fordert daher, dass wirkungsvolle Maßnahmen für Kinder nicht mehr
       gekürzt werden dürfen. „Sowohl aus kinderrechtlicher als auch aus
       ökonomischer Sicht sind Investitionen in Kinder gewinnbringend“, heißt es
       zu der Studie.
       
       Vergangene Woche debattierte der Bundestag in erster Lesung über das
       [4][Startchancengesetz der Bundesregierung]. Dabei geht es genau darum:
       Kinder schon möglichst früh gezielt fördern und ihnen so eine bessere
       Teilhabe ermöglichen. Trotzdem will die Regierung kürzen. Statt der zwei
       Milliarden Euro, die der Bund bisher jährlich hier beisteuerte, sollen nun
       etwa 500 Millionen weniger im Jahr investiert werden.
       
       15 Oct 2026
       
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