# taz.de -- Denkmalgeschütztes Abrisshaus in Altona: Offene Wunde am Katastrophenhaus
       
       > Die Bewohner des vom Einsturz bedrohten Hauses in Hamburg fordern, die
       > Ruine vorm Wetter zu schützen. Sie wollen ihre Sachen retten – und ihr
       > Zuhause.
       
 (IMG) Bild: Kampf um Wohnraum: Demo vor den gefährdeten Häusern
       
       Seit Wochen warten die Bewohnerinnen der Holstenstraße 195/197 darauf, dass
       die aufgerissene Fassade ihres einsturzgefährdeten Wohnhauses
       wettergeschützt wird. Sie hoffen, noch ein paar ihrer Sachen retten zu
       können und auch darauf, zurückkehren zu können. Doch der Schutz lässt auf
       sich warten und das Wetter wird schlechter.
       
       Das Wohnhaus ist Teil eines denkmalgeschützten Ensembles und wurde 1894
       errichtet. Am 30. Juni schickte ein Bewohner an das Bezirksamt Altona eine
       E-Mail mit Fotos von Rissen in seiner Wohnung. Die Behörde sah zunächst
       keinen Anlass, unmittelbar zu handeln. Beschwerden über den Zustand von
       Wohnungen gehen nach Angaben des Bezirksamts täglich ein.
       
       Ende Juli waren die Risse so groß, dass Bewohner direkt die Feuerwehr
       riefen. Die [1][ließ das Gebäude wegen akuter Einsturzgefahr binnen zehn
       Minuten räumen]. Die Mieter konnten nur die allerwichtigsten ihrer Sachen
       mitnehmen. Anfang August kamen Ingenieure und Statiker zu dem Schluss, dass
       das Hinterhaus abgerissen werden müsse. Seither kann man von hinten in die
       Wohnungen und das Treppenhaus schauen.
       
       Der Eigentümer, das Hamburger Planungsbüro Schneider, erhielt die Auflage,
       den vorderen Gebäudeteil möglichst zu erhalten und den hinteren
       denkmalgerecht wieder aufzubauen. Doch bis dato zeigte er sich außer
       Stande, eine Plane zum Schutz des weit offen stehenden Hauses anzubringen.
       
       ## Bewohner wütend und traurig
       
       „Vor vier Wochen wurde uns ein Wetterschutzgerüst angekündigt, das den
       verbleibenden Teil unseres Hauses und unsere persönlichen Gegenstände darin
       schützen soll“, schreibt die Bewohnerinitiative Holsten 197 auf Instagram.
       Das Bezirksamt habe versprochen, dass alles dafür getan werde, das Haus zu
       erhalten. Aber bis heute steht das Gerüst nicht.
       
       „Die größte Herausforderung besteht derzeit in der Sicherung des Gebäudes
       sowie der vorherigen Klärung seiner Standsicherheit“, teilt das Bezirksamt
       Altona mit. Ziel sei es, möglichst schnell ein Gerüst aufzustellen, was
       aber schwierig sei, weil dieses nicht ohne Weiteres am Gebäude befestigt
       werden könne.
       
       Ein frei stehendes Gerüst mit einer Plane braucht aber wiederum ein
       gewisses Gewicht, um nicht vom Wind umgeworfen zu werden, sodass der
       Untergrund entsprechend stabil sein muss. In den Worten des Bezirksamts:
       „Bei einer solchen Konstruktion kommt der Tragfähigkeit des Untergrunds
       eine besondere Bedeutung zu. Gerade an dieser Stelle musste die
       Tragfähigkeit zunächst geprüft, nachgewiesen und teilweise auch erst
       hergestellt werden.“
       
       Dass in Hamburg Wind wehe, sei ja keine Überraschung, ätzen die Bewohner.
       Sie fragen deshalb, wie es sein könne, dass es innerhalb von über zwei
       Monaten nicht gelingt, eine adäquate Lösung zu finden?
       
       Ihren Vermieter und den Bezirk Altona fordern sie auf, endlich für eine
       sichere Lösung zu sorgen und transparent zu erklären, wie das Haus bis zum
       Aufbau des Gerüstes geschützt werden soll. „Wir sind unfassbar wütend und
       traurig darüber, dass wir dabei zusehen müssen, wie unser Zuhause immer
       weiter Schaden nimmt“, schreiben sie.
       
       „Unser Vermieter nimmt uns nicht ernst“, kritisiert der Bewohner Richard
       von der Schulenburg. Das Planungsbüro Schneider möchte der taz zu der Sache
       derzeit nichts sagen.
       
       Der Bezirk hat immerhin dafür gesorgt, dass [2][die Bewohner als
       Hausgemeinschaft in der Nachbarschaft unterkommen] können, bis die
       Holstenstraße 195/197 hoffentlich wieder hergerichtet ist. Die
       Wohnungsbaugenossenschaft Altoba schiebt so lange den eigentlich geplanten
       Abriss des entsprechenden Gebäudes auf. Die Wohnungen könnten bezogen
       werden, versichert das Bezirksamt. „Es bestehen jedoch Einschränkungen bei
       der Nutzung des Trinkwassers in einigen Wohnungen.“
       
       Auch einen weiteren Teil ihrer Sachsen konnten die Bewohner nach dem
       Teilabriss retten. Ein paar Erinnerungsstücke klaubten sie aus dem eigens
       ausgebreiteten Schutt des Hinterhauses. Ein paar größere Sachen holte eine
       Bergungsfirma mit einem Hubsteiger aus den Räumen an der Straßenseite. Die
       Bergung weiterer Gegenstände werde jetzt in Angriff genommen, teilt das
       Bezirksamt mit.
       
       Die Behörden haben dem [3][Planungsbüro Schneider] ausweislich einer
       parlamentarischen Anfrage der CDU auch aufgegeben, weitere Untersuchungen
       durchzuführen, „um über Umgang mit Restgebäude ((Teil)-Erhalt/ Abriss) zu
       entscheiden“. Aus Sicht des Anwalts Marc Meyer vom Verein Mieter helfen
       Mietern wäre ein Abriss nicht so leicht zu begründen.
       
       Zudem hätten die von ihm vertretenen Mieter ja gültige Mietverträge und
       dazu komme der Schutzstatus des Altbaus. „Wir hoffen, dass das
       [4][Denkmalschutzamt] hier schneidig reingeht“, sagt der Anwalt.
       
       14 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] /Verfallender-Zirkusbau-in-Hamburg/!6188372
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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