# taz.de -- Neue Rebellenallianz in der DR Kongo: Expräsident Kabila will „der Tyrannei ein Ende setzen“
> Die M23-Rebellen im Osten der DR Kongo werden Teil einer Allianz unter
> Expräsident Kabila. Gemeinsam wollen sie Präsident Tshisekedi stürzen.
(IMG) Bild: Joseph Kabila unterschreibt die FRN-Gründungsakte. Rechts M23-Militärchef Sultani Makenga, links AFC-Chef Corneille Nangaa
Die Rebellenbewegung M23 (Bewegung des 23. März) im Osten der
Demokratischen Republik Kongo stellt sich neu auf. Auf einer Zeremonie in
der Rebellenhauptstadt Goma wurde am Montagabend die [1][„Front zur
Begründung der Nation (FRN – Front pour la Réfondation de la Nation)] rund
um die M23 aus der Taufe gehoben. Ihr Chef: Joseph Kabila, Präsident der DR
Kongo zwischen 2001 und 2019. [2][Vor laufenden Kameras] unterzeichnete
Kabila feierlich die Gründungsakte der FRN, die die „Befreiung“ des Landes
anstrebt.
Fast auf den Tag genau 30 Jahre nachdem sein Vater Laurent-Désiré Kabila an
der Spitze einer von Ruanda unterstützten Rebellenallianz von Ostkongo aus
einen Krieg zum Sturz der damaligen Diktatur von Mobutu Sese Seko begonnen
hatte, bläst Joseph Kabila nun erneut zum Sturm, diesmal auf Präsident
Felix Tshisekedi. Die FRN soll laut [3][Gründungserklärung] „alle
Widerstandskräfte zusammenführen, um mit allen Mitteln, Gewalt
eingeschlossen, der Tyrannei ein Ende zu setzen“. Verlesen wurde die
Gründungserklärung in Goma vom Diplomaten [4][Claude Ibalanky], bis Anfang
dieses Jahres noch Tshisekedis Sonderbotschafter.
Erst am 9. Oktober hatte Kabila sich [5][in einer Videobotschaft aus Goma]
an das Volk gewandt und von einem „historischen Moment“ gesprochen, zu dem
er bald mehr sagen werde. Nun wird ihm die M23-Rebellenarmee, die
maßgeblich von Ruanda unterstützt wird und Anfang 2025 in einer
Blitzoffensive die ostkongolesischen Millionenstädte [6][Goma] und
[7][Bukavu] erobert hatte, ganz offiziell unterstellt.
Die politischen und militärischen Chefs der M23 sind jetzt
FRN-Vizepräsidenten: M23-Präsident [8][Bertrand Bisimwa], der bewusst
einfach im T-Shirt gekleidet auf dem Podium saß, und M23-Militärführer
[9][Sultani Makenga], in Militäruniform direkt links von Kabila. Zu seiner
Rechten saß [10][Corneille Nangaa], Chef der bisherigen Rebellenallianz
„Allianz des Kongo-Flusses“ (AFC – Alliance du Fleuve Congo), die die M23
mit weiteren bewaffneten Gruppen zusammenführen sollte und jetzt von der
FRN ersetzt wird. Als Generalsekretär firmiert [11][Freddy Rukema Kaniki],
Chef der Rebellenbewegung Twirwaneho der Banyamulenge-Tutsi in Ostkongo.
## Kabila und die M23 sind eigentlich alte Erzfeinde
Dass Kabila nun Kongos Rebellen führt, ist einerseits logisch – ein
kongolesisches Militärgericht behauptete das schon vor einem Jahr und
[12][verurteilte ihn in Abwesenheit zum Tode]. Zugleich ist es eine Ironie
– ursprünglich wurde die M23 im Jahr 2012 von desertierenden
Tutsi-Armeeoffizieren als Rebellion gegen Kabila gegründet und von diesem
2013 [13][niedergekämpft]; eigentlich sind Kabila und Makenga einander
spinnefeind.
Als die M23 Ende 2021 [14][erneut zu den Waffen griff], war Kabila nicht
mehr an die Macht. 2023 ging er nach Südafrika ins Exil und tauchte im Mai
2025 in Goma wieder auf, wenige Monate nach der Einnahme durch die M23. Er
lebt dort seitdem unter M23-Schutz in einer seiner ehemaligen Residenzen.
Eine eigene politische Plattform [15][„Sauvons la RDC“ (Kongo retten)], die
Kabila im Oktober 2025 mit kongolesischen Oppositionellen in Nairobi aus
der Taufe hob, blieb wirkungslos; ihm bleibt nur die M23 als Vehikel für
seine Ambitionen, aber auf die hatte er bislang keinen Zugriff.
Doch seit ihren Blitzsiegen von Anfang 2025 kommen Kongos M23-Rebellen
nicht mehr nennenswert voran, ihre Suche nach politischen Verbündeten blieb
vergeblich, Friedensprozesse treten auf der Stelle. Seit Tshisekedi sich
vorgenommen hat, [16][die geltende Verfassung der DR Kongo aus dem Jahr
2006 neu zu schreiben] – sie ist das wichtigste politische Erbe von
Präsident Kabila –, regt sich aber breiter politischer Widerstand, und
Kabila soll diesen nun mit dem bewaffneten Kampf der M23 zusammenführen.
Die FRN macht sich in ihrer Gründungsakte das in Artikel 64 der
kongolesischen Verfassung verbriefte Widerstandsrecht gegen
Verfassungsbruch zu eigen.
Was das alles praktisch bedeutet, ist noch offen. Seit Monaten kursieren in
Goma Gerüchte von Zerwürfnissen zwischen Kräften, die vor allem Ruandas
Interesse an einem Druckmittel gegen Kongos Regierung vertreten, und
historischen Rebellenkämpfern, die vor allem Schutzbedürfnisse der
Tutsi-Minderheit Ostkongos und anderer lokaler Kräfte im Blick haben.
Kabila passt in kein Lager so richtig – sein Aufstieg soll gerade diesen
lähmenden Machtkampf überwinden.
13 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/wembi_steve/status/2109738848804638851
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(DIR) [4] https://www.afrik.com/rdc-claude-ibalanky-un-ancien-pilier-du-pouvoir-rejoint-l-afc-m23
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(DIR) [6] /Augenzeugenbericht-aus-Goma-in-Kongo/!6063613
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(DIR) [8] /Kongos-M23-Rebellenfuehrer/!6148449
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(DIR) [11] https://en.igihe.com/politics-48/article/twirwaneho-leader-urges-u-s-to-prioritise-human-rights-in-the-drc
(DIR) [12] /Militaerprozess-in-der-DR-Kongo/!6113009
(DIR) [13] /Kaempfe-im-Kongo/!5055635
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(DIR) [15] https://sauvonslardc.org/
(DIR) [16] /Kampf-um-die-Verfassung-der-DR-Kongo/!6197291
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
(DIR) Joseph Kabila
(DIR) M23-Rebellen
(DIR) Goma
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