# taz.de -- Nächste Protestaktionen in Frankreich: Nur Trostpreise für die Jugendlichen
       
       > Erneut haben in Frankreich Zehntausende Jugendliche zusammen mit
       > Studierenden und Gewerkschaften demonstriert. Die Bewegung bekommt Besuch
       > aus Schweden.
       
 (IMG) Bild: Protestieren weiter: Schüler*innen in Frankreich
       
       So schnell, wie die Staatsführung immer noch hofft, flaut die
       [1][Protestbewegung der französischen Jugend] nicht ab. Die
       Schüler*innen und Studierenden haben am Dienstag bei einem „Fünfter Akt“
       genannten Aktionstag in Paris und vielen anderen Städten demonstriert und
       erneut zahlreiche Lycées (Oberstufe der Mittelschulen) mit Barrikaden
       blockiert. Nach Angaben der Gewerkschaft Union Étudiante waren „90 Prozent
       der Fakultäten des Landes geschlossen“.
       
       [2][Die Repression seitens der Behörden] hat in den letzten Wochen die Wut
       über die Zustände an vielen Schulen, namentlich in den ohnehin
       benachteiligten Außenquartieren der Banlieues, und über das intransparente
       Auswahlverfahren für den Studienzugang „Parcoursup“ nicht besänftigt,
       sondern angeheizt. Fast 7.000 Jugendliche wurden seit Beginn der
       Mobilisierung vorübergehend festgenommen und in Polizeihaft gehalten und
       mehrere minderjährige Demonstrierende schwer verletzt.
       
       Laut Umfragen hegt die Mehrheit der französischen Bevölkerung weiterhin
       Sympathien für die Proteste und deren Motive. Der Staatsführung ist es
       offenbar nicht gelungen, die Aktionen wegen Gewalt gegen Polizeibeamte oder
       wegen einer politischen Instrumentalisierung durch die Linkspartei La
       France insoumise zu diskreditieren.
       
       ## Bewegung bekommt Zulauf aus dem Ausland
       
       Französische Medien berichten allerdings auch über Jugendliche, die am
       Rande einer Blockadeaktion im mittelfranzösischen Beaugency einen
       antisemitischen Rapsong zu Ehren islamistischer Terroristen singen. Sie
       wurden festgenommen und müssen sich wegen Terrorismusverherrlichung
       verantworten. Mit der Schülerbewegung hat dies wenig zu tun, verleiht aber
       Donald Trumps polemischer Bemerkung Aufmerksamkeit, die ganzen
       Schülerproteste seien das Resultat von Frankreichs Problemen mit der
       Immigration und dem Islam.
       
       Mittlerweile wissen [3][die Jugendlichen, dass ihre Bewegung auch]
       außerhalb von Frankreich ein Echo in den Medien findet. In Belgien und
       Italien wurden zudem Solidaritätsaktionen und Proteste mit ähnlichen
       Forderungen und Hintergründen wie in Frankreich organisiert. Am Dienstag
       besuchte die schwedische Aktivistin Greta Thunberg die Schüler des Lycée
       Paul Eluard in Saint-Denis, die dort vor den Schultoren „zu Ehren der
       Bewegung“ ein Buffet organisiert hatten.
       
       Die Popularität der Schülerbewegung mit ihrer Forderung von 10 Milliarden
       Euro für den Bildungssektor bringen die Regierung in der aktuellen
       Staatshaushaltsdebatte schwer unter Druck. Am Wochenende hatte der
       französische Erziehungsminister Édouard Geffray nach Gesprächen mit
       Delegierten den Schüler*innen und Studierenden ein Angebot gemacht. Er
       wäre bereit, als „Dringlichkeitsmaßnahme“ 3.000 Lehrer*innen, die bisher
       nicht ihren Klassen zugeteilt worden waren, in 500 Lycées zu schicken.
       Außerdem werde das Ministerium 1.000 zusätzliche Hilfskräfte für
       Vertretungen einstellen.
       
       Die Ausfallstunden sind einer von 10 Punkten im Forderungskatalog der
       Schülerbewegung. Geffrays Vorschlag wurde größtenteils mit Erstaunen oder
       Skepsis aufgenommen: Warum gibt es Tausende Beamte, die nicht eingesetzt
       waren und die erst jetzt laut dem Minister durch Recherchen mit einem neuen
       KI-unterstützten Computerprogramm „entdeckt“ wurden?
       
       „Bloß Brosamen“ seien Geffrays Zugeständnisse, heißt es aus der
       Schülerbewegung, die bereits die Fortsetzung der Mobilisierung und neue
       Aktionsformen plant. Ende der Woche beginnen die zweiwöchigen Herbstferien
       und das erschwert es, die Wut der Jugendlichen zu halten und im ganzen Land
       medienwirksame Aktionen zu organisieren. Aber: Für Samstag sind
       Schüler*innen, Studierende und Werktätige zu einem gemeinsamen Aktionstag
       aufgerufen.
       
       13 Oct 2026
       
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