# taz.de -- Unkontrolliert austretendes Klimagas: Methanlecks in jeder dritten deutschen Anlage
       
       > Der Bestandteil von Erdgas entweicht vielerorts in die Atmosphäre – und
       > heizt das Klima auf. DUH: Behörden und Betreiber müssten dringend
       > handeln.
       
 (IMG) Bild: Kontrolliertes Abfackeln von Gasrückständen ist umweltschädlich
       
       An 13 von 44 untersuchten Anlagen der Öl- und Gasinfrastruktur hat die
       Deutsche Umwelthilfe (DUH) mithilfe einer Spezialkamera [1][unkontrolliert
       austretende Methanemissionen und andere Kohlenwasserstoffe] festgestellt.
       Betroffen war also etwa ein Drittel der gemessenen LNG-Terminals,
       Gasspeicher, Verdichterstationen im Gasnetz und Raffinerien im Norden und
       Westen Deutschlands sowie in den Niederlanden.
       
       „Die Gasspeicher sind leer und Unternehmen, die für die Speicher, Terminals
       und Pipelines zuständig sind, lassen Methan einfach in die Atmosphäre
       entweichen“, kritisiert Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der
       DUH. Behörden und Betreiber müssten „dringend handeln – nicht nur
       angesichts der leeren Gasspeicher, sondern auch weil die austretenden
       Methanemissionen die Klimakrise anheizen und die EU-Methanverordnung sie
       gesetzlich dazu verpflichtet“.
       
       Methan ist Hauptbestandteil von Erdgas – und ein hochwirksames
       Treibhausgas. Über 20 Jahre betrachtet, erwärmt eine Tonne Methan das Klima
       rund 80-mal so stark wie eine Tonne CO₂. Allerdings zerfällt es in der
       Atmosphäre binnen 12 Jahren, der Klimaeffekt mildert sich also ab. Der
       Weltklimarat rechnet Methan rund ein halbes Grad der bisherigen
       Erderhitzung seit Beginn des industriellen Zeitalters zu – also etwa ein
       Drittel.
       
       Deshalb findet es die DUH umso unverantwortlicher, wenn Methan
       unkontrolliert entweicht. Das passiert nicht nur in Deutschland: Laut der
       Internationalen Energieagentur könnten jährlich 200 Milliarden Kubikmeter
       Erdgas weltweit zusätzlich zur Verfügung gestellt werden, wenn die Öl- und
       Gasindustrie Methanemissionen gezielt eindämmen würde und das routinemäßige
       Abfackeln von Gas stoppte. Fast doppelt so viel, wie wegen des
       Nahostkonflikts in diesem Jahr nicht auf den Markt kommt.
       
       ## Schleppende Umsetzung der Methanverordnung
       
       Methanlecks zu stopfen und das Abfackeln und Ablassen zu beenden, ist
       relativ leicht, meint die DUH. Aber die Bundesregierung kümmere sich nicht
       um die Umsetzung der seit 2024 gültigen EU-Methanverordnung, die die
       Emissionen begrenzen soll, sagt Müller-Kraenner. Die Verordnung
       verpflichtet die Betreiber dazu, die Methanemissionen ihrer Gas- oder
       Ölanlagen zu messen, regelmäßig auf Lecks zu überprüfen und gegebenenfalls
       zu reparieren.
       
       Der Bund solle „endlich Bußgelder für Verstöße festlegen, anstatt das
       Umsetzungsgesetz zurückzuhalten und [2][Wirtschaftsministerin Reiche] freie
       Leine bei ihren wiederholten Angriffen auf das EU-Gesetz zu lassen“, sagt
       Müller-Kraenner. Auf Landesebene kranke die Eindämmung von Emissionen immer
       noch daran, dass es vielerorts noch keine zuständigen Behörden gebe.
       
       Auch beim aktuellen Streit um einen weiteren Teil der Methanverordnung
       kritisiert die DUH [3][Katherina Reiche]. Sie hatte einen Aufschub der
       Regeln um drei Jahre gefordert, mit denen Öl- und Gashändler bei Importen
       gezwungen werden, entlang ihrer Lieferkette den Methanausstoß zu begrenzen.
       Die Emissionen bei Importen von Frackinggas aus den USA gelten als
       besonders hoch.
       
       Die EU müsse dem Druck der Gaslieferanten USA und auch Katar standhalten,
       meint Müller-Kraenner. US-Energieminister Chris Wright hatte gesagt, die
       „verrückten“ Methanvorschriften der EU würden es „unmöglich“ machen,
       Flüssiggas aus den USA in die EU zu exportieren. Also indirekt mit einem
       Einfuhrstopp gedroht.
       
       Eine Verschiebung der Einführung von Grenzwerten bei Importen hätte laut
       dem [4][Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung] enorm negative Folgen
       fürs Klima. Bei einer Verschiebung um drei Jahre würden die
       Methanemissionen bis 2050 um zwölf Millionen Tonnen steigen. Die
       Verschiebung verursache 185 Milliarden Euro an sozioökonomischen Kosten,
       unter anderem durch klimawandelbedingte Todesfälle, Einbrüche bei der
       Lebensmittelproduktion und zusätzlichen Energieverbrauch.
       
       13 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/betreiber-von-lng-terminals-gasspeichern-und-raffinerien-verschwenden-erdgas-deutsche-umwelthilfe/
 (DIR) [2] /Lobbyisten-im-Wirtschaftsministerium/!6201363
 (DIR) [3] /Katherina-Reiche-bekaempfte-EU-Verordnung/!6211412
 (DIR) [4] https://diw-econ.de/wp-content/uploads/The-Societal-Benefit-of-the-EU-Methane-Regulation.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
       ## TAGS
       
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 (DIR) klimataz
       
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