# taz.de -- Preis für palästinensische Architekten: Optimisten in pessimistischen Zeiten
> In der Akademie der Künste Berlin wurden die palästinensischen
> Architekten Elias und Yousef Anastas ausgezeichnet. Aus Stein entwickeln
> sie Module.
(IMG) Bild: Die Architekten Elias and Yousef Anastas beim London Design Festival
Keine Kunstsparte ist so eng an die politische Situation geknüpft wie die
Architektur. Das beginnt schon mit der Bodenfrage. Wer verfügt über
Baugrund, ohne den es keine Gebäude, keine realisierte Baukunst gibt. Im
Westjordanland kann die Bodenfrage hochexplosiv werden. Wenn es etwa um
Gelände entlang der Sperranlagen nach Israel geht oder um die [1][illegale
Landbesetzung radikaler Siedler.] Seit dem 7. Oktober 2023 ist die
Situation noch krisenhafter.
Insofern ist es ein politisches Zeichen der Berliner Akademie der Künste,
einen Preis für die Sparte Baukunst an ein palästinensisches Architektenduo
aus Bethlehem zu verleihen, an die Brüder Elias und Yousef Anastas und ihr
gemeinsames Büro AAU Anastas. Sie würden eine hervorragende Gestaltung
vertreten in „kulturell schwierigen Zeiten“, sagte Juror und
Akademiemitglied Philipp Oswalt vorsichtig.
Die Preisverleihung wäre bereits im März dieses Jahres gewesen. Doch der
Krieg im Iran hatte eine Anreise verhindert. Nun waren Elias und Yousef
Anastas am Montagabend in Berlin und stellten ihre Arbeit vor. Was machen
die beiden, Söhne einer Architektenfamilie, die in Paris Architektur
studiert hatten? Kleine Dinge, könnte man sagen, aber mit öffentlicher
Wirkung.
Eines ihrer Hauptthemen ist Stein, das traditionelle Baumaterial im
Westjordanland, nicht historisch verklärt, sondern zeitgenössisch
weitergedacht. Sie sammeln Stein auf, verwerten ihn wieder von den
abgerissenen Wohnbauten, die derzeit der Immobilienwirtschaft zum Opfer
fallen, vermengen ihn zu neuen Baustoffen, modulieren ihn per Hightech um.
## Orte des ungezwungenen Zusammenkommens
Aus dem Stein entwickeln die Anastas-Brüder Module. Die sehen aus wie
Kristalle oder wie die Serpentinen-Designs [2][des HfG-Ulm-Gestalters]
Walter Zeischegg, der in den 1960ern auch den Sinus-Aschenbecher entwarf.
Die Module lassen sich kombinieren. Etwa zu einer runden Sitzbank wie das
Modell Qamt, das an die bekletterbaren Kringel des japanisch-amerikanischen
Bildhauers Isamu Noguchi erinnert, nur eben nicht im poppigen Rot, sondern
aus „palästinensischem Terrazzo“. Es lassen sich daraus auch Gebäude bauen,
in Jericho haben Elias und Yousef Anastas 2017 ein großes Gewölbe aus
solchen Steinmodulen realisiert und damit einen schönen, öffentlichen Platz
geschaffen.
Und darum scheint es den beiden zu gehen. Von der Sitzbank über den
Sonnenschutz bis hin zu ihrem wohl größten Projekt, dem Kulturzentrum
„Wonder Cabinet“ in Bethlehem mit Musikstudio, Bar, Werkstätten und Bühne,
planen sie gemeinschaftliche Orte, Orte des ungezwungenen Zusammenkommens.
Die Architektur von AAU Anastas sei „eine Lehre für Optimismus“ in sehr
pessimistischen Zeiten, betont George Arbid, Präsident des Arabischen
Zentrums für Architektur in Beirut und Juror für den diesjährigen
Kunstpreis der Sektion Baukunst. Auf solche Stimmen im Kulturbetrieb
hinzuweisen, ist auch die Aufgabe eines Kunstpreises.
Die Frage nach Baugrund bleibt eine umkämpfte Angelegenheit im
Westjordanland, auch für AAU Anastas, die eigentlich eher jenseits der
aktuellen kriegerischen Konflikte nach Lösungen für ihr Land suchen. Einen
ihrer Steinbauten etwa stellten sie aus Protest ins Cremison-Tal an einem
byzantinischen Klostergelände. Dort schwelt seit Jahrzehnten ein Konflikt
entlang der israelischen Sperranlagen. Die stellen für AAU Anastas auch am
Montag die „Apartheit-Mauer“ dar.
13 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sophie Jung
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