# taz.de -- Seilbahn als alternatives Verkehrsmittel: Bergedorf will es machen wie Paris
       
       > Der neue Hamburger Stadtteil Oberbillwerder könnte per Seilbahn ans
       > Verkehrsnetz angebunden werden. In Paris gehe das schließlich auch.
       
 (IMG) Bild: Längste Stadtseilbahn Europas: In Paris schweben seit vergangenem Dezember Gondeln an Häusern vorbei
       
       Mal eben in die Stadt gondeln: Das könnte sich in Zukunft für die Bewohner
       des Hamburger Stadtteils Oberbillwerder anbieten. Die SPD-Fraktion will am
       Donnerstag in der Bezirksversammlung Bergedorf eine Machbarkeitsstudie
       beantragen: Sie soll verschiedene Varianten prüfen, ob und wie eine
       Seilbahn Hamburgs 105. Stadtteil besser in das System des öffentlichen
       Nahverkehrs einbinden könnte.
       
       [1][Oberbillwerder ist für 15.000 Menschen auf der grünen Wiese] vor den
       Toren Bergedorfs geplant. Das Bebauungsplanverfahren ist weit
       fortgeschritten, stockt aber aufgrund von Rechtsfehlern und weil sich eine
       Bürgerinitiative dagegen wehrt.
       
       Ein Teil der Kritik an dem Projekt beziehe sich auf die
       Verkehrserschließung, sagt Heinz Jarchow von der Bergedorfer SPD‑Fraktion.
       „Das war für uns der Grund, darüber nachzudenken, ob man sich zur Anbindung
       an die Innenstadt ein alternatives Verkehrsmittel vorstellen könnte“, sagt
       der Bezirksabgeordnete.
       
       Zwar hält die S-Bahn auf dem Weg vom Hamburger Hauptbahnhof zum Bahnhof
       Bergedorf quasi vor der Haustür. Weil die Linie aber schon jetzt gut
       ausgelastet sei und es oft zu Behinderungen, Ausfällen und Sperrungen
       komme, gebe es durchaus Bedarf an einer sicheren und zuverlässigen
       Alternative. „Bei einer Seilbahn laufen keine Personen auf der Strecke
       herum“, sagt Jarchow.
       
       ## Seilbahn-Vorbild Paris
       
       Inspiriert worden sei seine Fraktion durch die Inbetriebnahme der längsten
       Stadtseilbahn Europas vergangenen Dezember in Paris. In vielen Großstädten
       gebe es bereits Seilbahnen, etwa im bolivianischen La Paz, in Barcelona
       oder auch in London und allein in Frankreich in sechs Städten.
       
       Die Pariser Seilbahn verlängert die U-Bahn-Linie 8 in die Vororte. Sie
       bildet damit eine Ersatzlösung, die für fünf Stationen nur 138 Millionen
       gekostet hat. Eine entsprechende Metro-Verlängerung galt mit Kosten von
       einer Milliarde Euro als nicht finanzierbar.
       
       Dafür ist eine Seilbahn auch nur ungefähr so leistungsfähig wie ein eng
       getaktetes Bussystem. Der Hersteller Doppelmayr, bekannt aus Europas
       Skigebieten, gibt für die Pariser Seilbahn 2.000 Personen pro Stunde und
       Richtung an – bei einer Taktdichte von 30 Sekunden.
       
       Die Zehner-Gondeln sehen auch Platz für Fahrräder, Kinderwägen und
       Rollstühle vor. Die [2][Beratungsgesellschaft PWC geht sogar von bis zu
       6.000 Passagieren] pro Stunde und Richtung aus, was deutlich über der
       Leistungsfähigkeit von Straßenbahnen läge. Eine S-Bahn schafft 20.000 bis
       30.000 Personen pro Stunde und Richtung, bei sehr enger Taktung.
       
       Die PWC-Studie listet eine Reihe von Vorteilen von Seilbahnsystemen auf:
       Sie lassen sich schnell bauen; die Investitionskosten liegen auf dem Niveau
       von Straßenbahnen und sie verbrauchen nur halb so viel Energie wie U- und
       Straßenbahnen. Von der Sicherheit her sind sie laut PWC unschlagbar:
       Während ein Bus alle 600.000 Kilometer einen Unfall hat, ist es bei der
       Seilbahn ein Unfall alle 17 Millionen Kilometer. Eine [3][Studie der TU
       München] [4][weist in dieselbe Richtung].
       
       Seilbahnen haben nur durch ihre Stationen und Pylone Grundberührung,
       benötigen also wenig Fläche. „Das ist eine Technik, die den Straßenraum
       freier macht“, sagt Jarchow. Damit lasse sich mehr Aufenthaltsqualität auf
       den Straßen schaffen. Allerdings mag sich mancher auch dadurch gestört
       fühlen, dass an eine an seinem Wohnzimmerfenster vorbeischwebt.
       
       Der geringe Flächenverbrauch könnte allerdings auch weit über den
       Bergedorfer Vorschlag hinaus besonderen Charme entwickeln, weil in Hamburg
       seit Jahren darüber gestritten wird, ob der sehr [5][teure Ausbau des
       U-Bahn-Netzes der Weisheit letzter Schluss] ist. Die Linke und ehemals auch
       die Grünen hielten den Aufbau eines Straßenbahnnetzes für sinnvoller.
       
       Damit könnten viel mehr Menschen fürs gleiche Geld in den Genuss eines
       schnellen und bequemen öffentlichen Verkehrsmittels kommen. Allerdings
       müsste dann dem Auto [6][Straßenraum weggenommen werden, was politisch
       kostspielig] ist.
       
       Eine Seilbahn nach Oberbillwerder würde je nach Variante über weitere
       Strecken durchs Grüne führen. Prüfen lassen soll die Hamburger
       Verkehrsbehörde laut dem Antrag einen Anschluss an die
       U-Bahn-Endhaltestelle Mümmelmannsberg, an die S-Bahnstation oder an die
       Innenstädte von Hamburg und Bergedorf. Die Verkehrsbehörde beabsichtigt,
       die Beratung in der Bezirksversammlung abzuwarten und sich vorher nicht zu
       äußern.
       
       12 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neuer-Hamburger-Stadtteil-Oberbillwerder/!6019652
 (DIR) [2] https://www.pwc.de/de/branchen-und-markte/oeffentlicher-sektor/pwc-studie-urbane-seilbahnen-im-oepnv.pdf
 (DIR) [3] https://www.mec.ed.tum.de/fml/aktuelles/article/neue-studie-bus-train-ropeway-safe-safer-the-safest-a-safety-comparison-between-urban-transportation-modes/
 (DIR) [4] https://www.simagazin.com/si-urban/themen-si-urban/stadt/bus-bahn-seilbahn-vergleich-von-unfallzahlen-und-verletzten/
 (DIR) [5] /Nahverkehrsplaene-in-Hamburg/!6203748
 (DIR) [6] /Folgen-aus-Hamburgs-Klima-Entscheid/!6114321
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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