# taz.de -- Jugendproteste in Indien: Aktivistin Neha Bora gibt trotz Festnahmen nicht auf
       
       > Neha Bora ist die Vorsitzende der linken Studierendenorganisation AISA.
       > Sie ist eine der bekanntesten Stimmen der indischen Jugendproteste.
       
 (IMG) Bild: Neha Bora (m.) ist eine führende Kraft der Proteste in Indien
       
       Neha Bora lässt sich nicht aufhalten. Am Sonntag ruft die 29-Jährige erneut
       zum friedlichen Protest in Indiens Hauptstadt auf. Um halb drei treffe man
       sich an der Metrostation RK Ashram, schreibt die Doktorandin auf [1][X]:
       „Wir sehen uns dort. Kommt nicht zu spät.“ Bora läuft mit einer Gruppe
       Richtung Zentrum. „Wir haben die Barrikaden überwunden und Connaught Place
       erreicht“, meldet sie.
       
       Wenig später veröffentlicht sie ein Video aus einem Bus mit vergitterten
       Fenstern. Sie wurde erneut gestoppt. Am Samstag hatte die Polizei Delhi mit
       einem massiven Aufgebot abgeriegelt. Zeitweise wurden der Internetzugang
       eingeschränkt und Metrostationen geschlossen. [2][7.000 Personen] wurden
       festgenommen. Die [3][Gen-Z-Bewegung rund um die Cockroach Janata Party
       (CJP)] hatte zum Protestmarsch zum Jantar Mantar aufgerufen. Ihre Führung
       wurde bereits bei der Ankunft am Flughafen festgesetzt, ebenso der bekannte
       YouTuber [4][Dhruv Rathee].
       
       Neha Bora, die Vorsitzende der linken Studierendenorganisation AISA, die
       sich mit der CJP solidarisiert, schaffte es auf die Straße. Auch am Samstag
       marschierte sie, bis sie von Beamten eingekreist und in Verwahrung genommen
       wurde. „Ich bin in Gewahrsam. Die Bewegung ist es nicht“, meldete sie
       später. Sie trug ein Shirt mit einem Aufdruck des Anime „One Piece“. Der
       Manga tauchte bei Jugendprotesten von Nepal bis Indonesien auf.
       
       ## Immer neue Verhaftungen
       
       Die Proteste [5][setzen Premierminister Narendra Modi und seine
       hindunationalistische BJP-Regierung unter Druck]. Im Zentrum steht die
       Überprüfung von Wählerlisten, kurz SIR. In den Entwurfslisten fehlten
       zunächst rund 130 Millionen Einträge. Oppositionelle und Aktivist:innen
       befürchten, dass dadurch Wahlberechtigte, insbesondere Angehörige von
       Minderheiten, von Wahlrecht ausgeschlossen werden könnten. Sie werfen der
       Wahlkommission vor, die BJP zu begünstigen. Die Kommission weist
       Manipulationsvorwürfe zurück. Die Forderung nach dem Rücktritt des obersten
       Wahlkommissars Gyanesh Kumar ist ungebrochen.
       
       Bora protestiert gegen das Vorgehen: „Warum so viel Polizei, so viel
       Gewalt?“, fragt sie in einem [6][Video]. Die Regierung schütze damit einen
       Wahlkommissionschef, der seine Aufgabe nicht erfülle. Sie will dennoch
       weitermachen. Bereits [7][Anfang des Monats] wurde sie im Polizeiwagen
       abgeführt. Auch die Vereinten Nationen äußerten Besorgnis über das Vorgehen
       der Polizei. Indiens Außenministerium wies die Kritik als Einmischung
       zurück.
       
       Bora ist Theaterwissenschaftlerin. An der Jawaharlal Nehru Universität
       promoviert sie. Über Theaterprojekte zu sozialen und politischen Themen
       fand sie zum Aktivismus. Überregional bekannt wurde sie diesen Sommer.
       Gemeinsam mit anderen Studierenden beteiligte sie sich 23 Tage lang an
       einem Hungerstreik des Klimaaktivisten Sonam Wangchuk.
       
       Die ebenfalls von der CJP angeleiteten Proteste richteten sich gegen die
       Bildungspolitik, Prüfungslecks und die fehlenden Perspektiven vieler junger
       Menschen. Mit kämpferischen Reden und Aufrufen in den sozialen Medien
       rückte Bora selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Auf Instagram folgen ihr
       inzwischen rund 1,5 Millionen Menschen.
       
       „Der Kampf um die Demokratie geht weiter, und wir werden nicht wegschauen“,
       [8][so Bora]. Sie und andere Protestierende bezeichnen Modi als „Feigling“
       und werfen seiner Regierung vor, demokratische Rechte zu untergraben. Die
       CJP-Gründer:innen und weitere Festgenommene sind inzwischen wieder
       [9][freigelassen] worden. Der Protest geht weiter.
       
       11 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/neha_aisa/status/2109202683903238486
 (DIR) [2] https://timesofindia.indiatimes.com/india/delhi-protests-over-3000-detained-as-cjp-stir-against-cec-triggers-political-face-off-top-developments/articleshow/134853149.cms
 (DIR) [3] /exec/mainmenu.pl
 (DIR) [4] https://x.com/NehaAisa/status/2109165771935109404
 (DIR) [5] /exec/mainmenu.pl
 (DIR) [6] https://x.com/neha_aisa/status/2109227022308532313
 (DIR) [7] /exec/mainmenu.pl
 (DIR) [8] https://x.com/neha_aisa/status/2109148484209446974
 (DIR) [9] https://www.theguardian.com/world/2026/oct/11/cockroach-party-leader-released-delhi-protests-second-day
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Indien
 (DIR) Soziale Bewegungen
 (DIR) Narendra Modi
       
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