# taz.de -- Jugendproteste in Indien beendet: „Kakerlaken“-Bewegung erzwingt Rücktritt des Bildungsministers
       
       > Indiens Bildungsminister ist nach wochenlangen Protesten am Samstag
       > zurückgetreten. Die Cockroach Janta Party hat damit ihre wichtigste
       > Forderung durchgesetzt.
       
 (IMG) Bild: Siegesfeier: Unterstützer:innen der Cockroach Janta Party in Delhi am Samstag nach dem Rücktritt des Bildungsministers
       
       Mit Bollywood-Musik, Fahnen, Plakaten und erhobenen Händen [1][begrüßten]
       Tausende junge Menschen am Samstag am Jantar Mantar in Indiens Hauptstadt
       Delhi den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan. „Der Sieg der
       Gerechtigkeit ist erreicht“, [2][teilte] die Jugendbewegung Cockroach Janta
       Party (CJP) – die Kakerlaken-Bewegung – mit. „Das ist Demokratie“, sagte
       CJP-Gründer Abhijeet Dipke.
       
       Kurz zuvor hatte der Minister der hindunationalistischen Volkspartei BJP
       sein Rücktrittsschreiben veröffentlicht. Darin erklärte er: „Die Jugend ist
       die Stärke Bharats.“ Bharat ist die amtliche Bezeichnung der Republik
       Indien.
       
       Dharmendra Pradhans Rücktritt ist der bisher größte Erfolg einer
       Protestbewegung, die sich binnen weniger Wochen von einer
       Studierendeninitiative zu einer landesweiten Jugendbewegung entwickelte.
       Auslöser war die Wiederholung der landesweiten Aufnahmeprüfung für
       Medizinstudiengänge (NEET), [3][nachdem Prüfungsunterlagen geleakt worden
       waren].
       
       Am Montag eskalierte die Lage, nachdem Anhänger:innen der CJP versucht
       hatten, vom Protestplatz Jantar Mantar zum Parlament zu marschieren.
       Sicherheitskräfte stoppten den Demozug mit Tränengas, Schlagstöcken und
       Wasserwerfern. Zahlreiche Demonstrierende und Einsatzkräfte wurden dabei
       verletzt.
       
       Trotz des Polizeieinsatzes gingen die Proteste unter anderem in Delhi,
       Mumbai und Kolkata weiter. Am Donnerstag kündigte der indische
       Premierminister [4][Narendra Modi] (BJP) schließlich an, im Kabinett
       strengere Maßnahmen gegen Prüfungsleaks einschließlich der Einrichtung von
       Schnellgerichten zu beschließen.
       
       ## Protestierende: Rücktritt nur „ein Anfang“
       
       „Viele unserer Eltern haben die BJP gewählt“, sagt ein Protestierender in
       Delhi der taz. „Wir kämpfen dafür, dass die nächste Generation nicht mehr
       ins Ausland gehen muss, um eine gute Ausbildung zu bekommen. Irgendjemand
       muss endlich Verantwortung übernehmen – wenn nicht wir, wer dann?“
       
       Den Rücktritt des Bildungsministers bezeichnet er als „einen Anfang“. „Ein
       neuer Minister allein löst die Probleme im Bildungssystem nicht. Aber
       endlich übernimmt jemand Verantwortung“, sagt er.
       
       Der Klimaaktivist [5][Sonam Wangchuk], dessen 26-tägiger Hungerstreik der
       Bewegung zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft hatte, begrüßte den
       Rücktritt ebenfalls. Nachdem er seinen Hungerstreik am Freitag beendet
       hatte, sprach er von einem „Sieg der Demokratie“, der durch
       „Beharrlichkeit“ erreicht wurde. Zugleich machte er deutlich, dass der
       Rücktritt eines Ministers nur ein erster Schritt sein könne. Die
       Studierendenvertreterin [6][Neha Bora] forderte zudem Rechenschaftspflicht
       für die Gewalt, die am 20. Juli stattfand.
       
       Mit dem Rücktritt des Ministers hat die Regierung die wichtigste Forderung
       der Protestbewegung erfüllt. Doch Abhijeet Dipke betonte, dass weitere
       Forderungen der ‌Bewegung erfüllt werden ‌müssten.
       
       ## Weitere Forderungen der CJP akzeptiert
       
       Mit dem Rücktritt des Ministers hat die Regierung [7][die wichtigste
       Forderung der Protestbewegung] erfüllt. CJP-Gründer Abhijeet Dipke betonte
       gleichwohl, dass weitere Forderungen der ‌Bewegung erfüllt werden ‌müssten.
       
       Die Bewegung verlangte eine Entschädigung von jeweils rund 90.000 Euro für
       die Familien von Studierenden, die sich im Zusammenhang mit der NEET-Krise
       das Leben genommen haben, den Verzicht auf strafrechtliche Verfahren gegen
       Demonstrierende sowie eine öffentliche Entschuldigung der Spezialeinheit
       Rapid Action Force (RAF) und der Polizei von Delhi wegen ihres harten
       Vorgehens gegen friedliche Protestierende.
       
       Noch am Samstagabend (Ortszeit) einigten sich Vertreter:innen der CJP
       mit Ministern der BJP-Regierung. Ergebnis: „Alle Forderungen der
       Kakerlaken-Janta-Partei wurden von der Regierung akzeptiert.“ Damit wurde
       der landesweite Widerstand für [8][beendet] erklärt.
       
       25 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/CJP_for_India/status/2080963413514277284
 (DIR) [2] https://x.com/CJP_for_India/status/2080964375335084192
 (DIR) [3] /Indiens-Regierung-sperrt-Telegram-nach-Pruefungsskandal/!6188361
 (DIR) [4] https://x.com/narendramodi/status/2080357811662492096
 (DIR) [5] https://www.ndtv.com/india-news/sonam-wangchuks-new-video-message-on-ending-hunger-strike-amid-cjp-protests-at-jantar-mantar-assured-neet-ug-paper-leak-accountability-will-be-discuss-11814191
 (DIR) [6] https://x.com/PTI_News/status/2080904811398971587
 (DIR) [7] /Kakerlakenbewegung-in-Indien-fordert-Regierung-von-Modi-heraus/!6197703
 (DIR) [8] https://x.com/cockroachisback/status/2080990779036565892
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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